Kommentar

Apple Watch - Applaus bei der Landung

Als Tim Cook die Apple Watch ankündigte, gab es Standing Ovations. War das womöglich mehr Erleichterung denn Begeisterung? Mit einer Uhr, die täglich an die Steckdose muss, wird sich die Kategorie der Smartwatches jedenfalls nur schwer revolutionieren lassen. Ein Kommentar.

Apple Watch

© Hokolo3D

Apple Watch

One more thing: Begeisterung! Da ist sie endlich, die Apple Watch! Nein, so wirklich war sie noch nicht da, als sich die Zuhörer im Flint Center für Standing Ovations erhoben. Was die Smartwatch kann? Wie sie funktioniert? Darüber hatte Apple-Chef Tim Cook auf dem Apple-Event zu diesem Zeitpunkt noch kein Wörtchen verloren. Es war ein bisschen wie im Flugzeug, wenn die Passagiere nach dem Aufsetzen applaudieren. Man ist noch nicht am Ziel, sondern befindet sich tatsächlich auf einem der gefährlichsten Abschnitte des Fluges. Und doch sind alle erleichtert.

Nein, so naiv darf man sich das Publikum natürlich nicht vorstellen, dafür sind die Apple-Events zu gut inszeniert. Und sicher wissen die meisten im Publikum: Wie gut die Apple Watch tatsächlich ist, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Anfang 2015 soll sie kommen. Das heißt: Die Apple Watch ist noch nicht fertig. Und die letzten Meter sind teilweise die schwierigsten. Größere Änderungen sind kaum mehr möglich, und selbst kleine Änderungen haben oft große Konsequenzen.

Gelingt die Neuerfindung einer Produktkategorie?

Dabei will Apple mal wieder beweisen, dass das Unternehmen noch immer in der Lage ist, die Idee hinter einer Produktkategorie, an der sich andere Hersteller bereits erfolglos mühen, in einem Produkt zu destillieren, das dann erstaunlich einfach funktioniert und eben genau das kann, was wir uns immer davon versprochen haben, und womöglich noch ein paar Dinge mehr. Sprich: Das erste wirklich massentaugliche Produkt einer Kategorie zu entwickeln.

Es gab vor dem iPod massenweise MP3-Player, es gab vor dem iPhone massenweise Smartphones, und es gab sogar schon vor dem iPad Tablets, die damals noch Tablet-Computer hießen. Auf den Smartphones konnte man schon vor dem iPhone Apps installieren. Man konnte mit den Smartphones ins Internet. Und ja, sie hatten teilweise auch einen Touchscreen. All das gab es schon und es funktionierte, aber eben mehr schlecht als recht.

Zu groß, zu kurzatmig, zu kompliziert

Und so gibt es bereits heute Smartwatches, einige schon in der zweiten Generation, die immer besser werden. In den Augen vieler, vermutlich der meisten, sind die schlauen Uhren aber noch nicht wirklich überzeugend. Gerade die Diskrepanz zwischen herkömmlichen Armbanduhren und den "smarten" Spielzeugen dürfte die breite Masse stören. Persönlich sind es drei Punkte, die auch mich an aktuellen Smartwatches noch nicht recht überzeugen:

  • Ein bisschen weniger klobig wär mir lieber
  • Was will ich mit einer Uhr, die ich täglich laden muss?
  • Seit wann brauche ich für eine Armbanduhr eine dicke Bedienungsanleitung?

Ob die Apple Watch genau diese Bedenken ausräumen kann? Das ist im Moment noch nicht mit Sicherheit zu sagen. Dafür blieben bei der Präsentation, auf der dann nach demm ersten Begeisterungssturm noch sehr viel zur Apple Watch und mehr als zum iPhone 6 erzählt wurde, zu viele Fragen offen. Dass das Design in nicht repräsentativen Umfragen im Kollegen- und Bekanntenkreis keine Begeisterungsstürme ausgelöst hat? Vielleicht doch Geschmackssache. Wie lange die Watch durchhält? Darüber schweigt sich Apple aus. Dieses Schweigen und das Anpreisen, wie einfach doch das Laden sei, lassen auf tägliches Laden schließen, was ein Apple-Mitarbeiter mittlerweile wohl bestätigt hat. Und auch die Bedienung konnte man in der Demo-Area nicht wirklich ausprobieren. Wie gut sich das kleine Drehrad dafür eignet, ob die Uhr tatsächlich sicher zwischen Druck und Berührung unterscheiden kann: Ich bin gespannt.

Zeit gewonnen, Druck erhöht

Apple hat sich mit der Vorstellung der Watch etwas Zeit erkauft und der Konkurrenz womöglich das Weihnachtsgeschäft vermiest. Aber der Druck dürfte jetzt nicht geringer sein. Dass die Apple Watch die Kategorie der Smartwatches wirklich auf eine neue Grundlage stellt, ist zumindest für mich noch nicht zu erkennen. Ich lassemich auch dieses mal wieder gern eines Besseren belehren.

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