Interview

Ericsson: "Ericsson wird der größte LTE-Patentinhaber sein"

connect sprach mit Bernd Schmidt, Geschäftsführer der Ericsson GmbH, Deutschland, über die Postion des Infrastrukutur-Herstellers bei LTE und die möglichen Ausbaustrategien.

Interview mit dem Geschäftsführer der Ericsson GmbH Bernd Schmidt

© Ericsson

Interview mit dem Geschäftsführer der Ericsson GmbH Bernd Schmidt

Gerade sind die Netzbetreiber dabei, LTE breitflächig auszubauen. Wie gut ist Ericsson bei dem neuen Mobilfunkstandard aufgestellt?

Ericsson versorgt heute den größten Teil der Bevölkerung, für den kommerzielle LTE-Netze verfügbar sind - das sind rund 215 Millionen von 325 Millionen Menschen (Anm. der Redaktion: Stand Mai 2012). Sieben der acht weltweit umsatzstärksten Mobilfunkbetreiber haben LTE-Verträge mit Ericsson abgeschlossen.

Ericsson hat einen klaren Leistungsvorsprung gegenüber der Konkurrenz in Bezug auf Up- und Downlink-Kapazität, Netzabdeckung und Latenzzeiten. Leistungsmessungen in aktuell von Kunden genutzten kommerziellen Mobilfunknetzwerken in Nordamerika und Europa zeigen eine um bis zu 25 Prozent bessere Download-Performance und einen teilweise zwei bis dreimal schnelleren Upload. Ericsson hatte den größten Einfluss auf die verabschiedeten LTE-Spezifikationen und wird als größter Patentinhaber voraussichtlich 25 Prozent aller essentiellen, also standardrelevanten, LTE-Patente besitzen.

Als Marktführer bei Telekommunikations-Dienstleistungen hat Ericsson schon mehrere Managed-Service-Verträge für LTE gewonnen. Wir betreiben vier globale Service-Center, die auch auf LTE spezialisiert sind. Bei LTE dreht es sich nicht nur um Funkverbindungen: Sowohl skalierbare Transportverbindungen und IP-Netzwerke als auch VoIP/VoLTE-Lösungen sind entscheidend für die beste Leistung. Ericsson arbeitet eng mit allen führenden Akteuren in der Industrie - wie Geräteherstellern und Chipset-Produzenten - zusammen, um das LTE-Ökosystem auszubauen.

Mit 800 MHz, 1,8 GHz und 2,6 GHz haben die meisten Netzbetreiber drei Frequenzbänder zur Verfügung. Wie sieht eine sinnvolle Strategie beim Ausbau aus?

Das entscheiden die Netzbetreiber je nachdem, welches Spektrum für sie vorhanden ist: 800 MHz dient primär der Netzabdeckung, ist aber auch ideal dazu geeignet, die Versorgung innerhalb von Gebäuden zu verbessern, 1800 und 2600 MHz sorgen für Kapazität.

Wie nah können die Zellen bei den einzelnen Frequenzen sinnvollerweise platziert sein, ohne dass sie sich stören? Wie weit dürfen sie auseinanderrücken, ohne dass es zu Funklöchern kommt?

Interferenzen hängen sehr stark von Nutzungsparametern ab, etwa von der Anzahl der Nutzer, der genutzten Dienste, der übertragenen Datenmengen, dem Durchsatz, der am Zellrand noch angeboten werden soll. All das und weitere Aspekte haben Einfluss auf die Zellgröße. Der Explosion des Datenverkehrs begegnen wir zusätzlich zur Einführung von LTE durch die Einführung neuer Netztopologien: die sogenannten heterogenen Netze werden so konzipiert, dass vor allem in stark frequentierten Innenstadtbereichen sogenannte Kleinzellen, also Micro- oder Pico-Basistationen, ja sogar WiFi-Hotspots nahtlos in die Mobilfunknetze integriert werden. Diese Verdichtung der Netze kommt unter anderem der Leistungssteigerung am Zellrand zugute.

Können die Netzbetreiber für den Ausbau mit LTE-Basisstationen überwiegend auf GSM- oder UMTS-Standorte setzen?

Ja, sowohl  auf GSM- als auch UMTS-Standorte. Wir bieten dazu die Multistandard-Basisstationen unseres RBS-6000-Portfolios an, die 2G, 3G und 4G unterstützen.

Jeder Mobilfunkstandort kann mehrere Sektoren mit der Maximalbandbreite versorgen. Wie viele Sektoren haben Ericsson-Zellen maximal?

Heute ist es üblich, Standorte mit drei bis sechs Sektoren auszustatten. Um mehr Sektoren bereitzustellen, kann auf zusätzlichen Frequenzen gearbeitet werden, etwa auf einem Abdeckungs- und einem Kapazitätsband. Damit verdoppelt man die Zahl der Sektoren.

MIMO, also die Nutzung mehrerer Antennen in einem Band, ist eines der großen Themen bei LTE. Wie darf ich mir das bei den Mobilfunkzellen vorstellen? Hat eine Station unterschiedlich polarisierte oder weit auseinanderliegende Antennen? Können die beiden Antennen auf der Netzseite auch von unterschiedlichen Mobilfunkstationen kommen?

Sowohl weiter auseinander liegende als auch unterschiedlich polarisierte Antennen werden genutzt.

Mit welcher Geschwindigkeit darf sich ein LTE-Empfänger innerhalb eines gut ausgebauten Netzes bewegen, ohne dass es zu Verbindungsproblemen kommt?

Die Geschwindigkeit hängt vom Frequenzband ab. Natürlich unterstützen niedrige Frequenzen um 800 MHz hohe Geschwindigkeiten besser. Zum Start sind dabei  bis zu 350 km/h möglich, 2013 wollen wir dieses Tempo auch bei höheren Frequenzen unterstützen.

Wie schätzen sie das Potenzial ein, per Software Defined Radio (SDR) Mobilfunkzellen zwischen Mobilfunkstandards umzuschalten? Ist es denkbar, dass in einem Frequenzband an verschiedenen Orten unterschiedliche Standards genutzt werden?

Mit unseren Multistandard-Basisstationen der RBS-6000-Serie können wir bereits in einem Frequenzband an verschiedenen Orten unterschiedliche Standards nutzen.

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