Interview

Huawei: "Wir sind eine treibende Kraft bei der Standardisierung"

Connect sprach mit Walter Haas, Chief Technical Officer, Huawei Deutschland, über die Postion des Infrastrukutur-Herstellers bei LTE und die möglichen Ausbaustrategien.

Gerade sind die Netzbetreiber dabei LTE breitflächig auszubauen. Wie gut ist Huawei bei dem neuen Mobilfunkstandard aufgestellt?

Huawei gehört zu den drei marktführenden LTE-Anbietern. Dabei stellt Huawei nicht nur Netzinfrastruktur bereit, sondern kann als einer der wenigen Infrastrukturlieferanten auch eine Gesamtlösung inklusive der dazugehörigen Endgeräte liefern. Huawei ist in allen wesentlichen Märkten vertreten. Wir sind auch eine der treibenden Kräfte im Rahmen der Standardisierungsbemühungen im LTE-Umfeld (3GPP), wo wir mittlerweile die meisten Vorschläge beigesteuert haben.

Mit 800 MHz, 1,8 GHz und 2,6 GHz haben die meisten Netzbetreiber drei Frequenzbänder zur Verfügung. Wie sieht eine sinnvolle Strategie beim Ausbau aus?

Es gibt nicht die eine sinnvolle Ausbaustrategie. Diese hängt von einer Reihe von Randbedingungen ab. Sinnvollerweise sucht man ein gesundes Gleichgewicht zwischen größtmöglicher Abdeckung und maximaler Datengeschwindigkeit, um so den bestmöglichen mobilen Internetdienst bereitzustellen. Für die Abdeckung größerer Flächen ist das 800-MHz-Frequenzband die beste Wahl, während in den städtischen Ballungsgebieten die Wahl auf 1800 bzw. 2600 MHz fällt. Insbesondere da die zur Verfügung stehenden Frequenzanteile bei 800 MHz nur 10 MHz pro Betreiber betragen, während in den anderen Bändern beispielsweiese in Deutschland bis zu 20 MHz vorhanden sind. Betreiber können dann in diesen Bereichen die höchsten Bitraten zur Verfügung zu stellen, also bis zu 100 Mbit/s und darüber hinaus.

Wie nah können die Zellen bei den einzelnen Frequenzen sinnvollerweise platziert sein, ohne dass sie sich stören? Wie weit dürfen sie auseinanderrücken, ohne dass es zu Funklöchern zwischen den Zellen kommt?

Da gibt es eine einfache Regel: 800-MHz-Zellen sind am besten an den gleichen Standorten angesiedelt wie die klassischen 900-MHz-GSM-Zellen. Im Prinzip gilt das analog auch für die 1800-MHz-LTE-Standorte, wie auch für die 2.6-GHz-Frequenzen, die die herkömmlichen UMTS-Standorte wiederverwenden können.

Können die Netzbetreiber für den Ausbau mit LTE-Basisstationen überwiegend auf bereits vorhandene GSM- oder UMTS-Standorte setzen?

Ja, zu fast 100 Prozent. In nur wenigen Fällen entscheidet der Betreiber sich dafür, vereinzelt auch neue LTE-Standorte einzurichten. Generell ist die Technologie aber auf 100 Prozent Wiederverwendung des  vorhandenen Standort-Netzes ausgelegt.

Jede Mobilfunkzelle kann mehrere Sektoren mit der Maximalbandbreite versorgen. Wie viele Sektoren haben Huawei-Zellen maximal?

Diese Frage ist missverständlich. Unter der Annahme, dass ein Sektor gleichzusetzen ist mit einer Zelle, unterstützt die Huawei LTE-Lösung bis zu sechs Zellen pro Standort im klassischen Aufbau. Es gibt allerdings auch Huawei-Lösungen, die alle drei Technologien (GSM, UMTS, LTE) in den fünf Frequenzbändern mit bis zu sechs Sektoren pro UMTS- bzw. LTE-Frequenz unterstützen, die sogenannten Huawei-Gigasites.

MIMO, also die Nutzung mehrerer Antennen in einem Band, ist eines der großen Themen bei LTE. Wie darf ich mir das auf der Mobilfunkzellenseite vorstellen. Hat eine Station unterschiedlich polarisierte oder weit auseinander liegende Antennen? Können die beiden Antennen auf der Netzseite auch von unterschiedlichen Mobilfunkstationen kommen?

MIMO als klassische Installation, wie sie zurzeit zum Einsatz kommt, unterstützt zwei Sende- und Empfangsrichtungen pro Antennenstandort. Wobei die Entkopplung der Sende- bzw. Empfangsrichtungen durch gekreuzte (polarisierte) Antennenkonfigurationen erzielt wird.

Mit welcher Geschwindigkeit darf sich ein LTE-Empfänger innerhalb eines gut ausgebauten Netzes bewegen, ohne dass es zu Verbindungsproblemen kommt?

Die Maximalgeschwindigkeit liegt standardmäßig bei 250 km/h, kann aber durch Einsatz bestimmter Algorithmen bei erdgebundener Nutzung auf bis zu 500 km/h ausgebaut werden.

Wie schätzen sie das Potential ein, per Software-Defined-Radio Mobilfunkzellen zwischen unterschiedlichen Mobilfunkstandards umzuschalten? Ist zukünftig auch denkbar, dass in einem Frequenzband an verschiedenen Orten unterschiedliche Standards genutzt werden?

Im Prinzip ist das vorstellbar. Es sind allerdings noch einige Innovationen nötig, um die gegenseitige Entkopplung der Technologien in einem Frequenzband bei dynamischer Umschaltung zu gewährleisten.

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