Interview

"Die Grundlagen des Fliegens sind kinderleicht"

Eine Drohne mit iPhone, iPad oder iPod touch zu steuern ist ein spannendes Hobby. Einer der besten AR.Drone-Piloten der Welt verrät seine Tricks.

Jan-Hendrik Hemme

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Jan-Hendrik Hemme

Man kann ja so einiges mit iPhone, iPad und iPod touch anstellen. Ein aufregender Einsatzzweck ist das Fliegen des AR.Drone: Dieser von Parrot entwickelte Quadrocopter lässt sich mit iPad, iPhone oder iPod touch präzise durch die Lüfte dirigieren. Eine kostenlose App und der Beschleunigungssensor der iGeräte machen's möglich.

Seit einiger Zeit ist die zweite Version des französischen Leichtbau-Spions auf dem Markt. Die AR.Drone 2.0 (um 300 Euro) lässt sich dank der hochauflösenden HD-Kamera auf der Vorderseite und verbesserter Technik nicht nur deutlich präziser steuern als ihr Vorgänger, sondern eignet sich auch ideal für Wettkämpfe.

2012 fanden sich auf Einladung des Herstellers Parrot die weltbesten AR.Drone-Piloten im Zockerparadies Las Vegas ein, um in verschiedenen Challenges den besten unter ihresgleichen zu küren.

Einer der Teilnehmer war der 26-jährige Mechatronikstudent Jan-Hendrik Hemme aus der Nähe von Hannover. Mit Geschick und kühlem Kopf holte der junge Deutsche im internationalen Starterfeld einen hervorragenden zweiten Platz. Wir haben mit Jan-Hendrik Hemme über die Faszination des AR.Drone-Fliegens gesprochen

connect: Sie sind einer der besten AR.Drone-Piloten der Welt. Was macht den Reiz am Drohnenfliegen aus?

Jan-Hendrik Hemme: Es ist eine Mischung aus mehreren Aspekten. In erster Linie ist es spannend, mit solch einem Gerät durch die Luft zu fliegen und es richtig zu kontrollieren. Es macht vor allem Spaß, die drei Höhen- und Seitenachsen zu steuern und zu manövrieren. Es sind aber auch die Kameras, die einem als Piloten völlig neue Möglichkeiten und Flugherausforderungen bieten.

connect: Wann haben Sie mit der Fliegerei angefangen?

Hemme: 2011, etwa vier Monate vor der Qualifikation für die Weltmeisterschaft.

connect: Wie bereiten Sie sich auf einen Wettkampf wie die AR.Drone-Weltmeisterschaft in Las Vegas vor? Haben Sie einen speziellen Trainingsplan?

Hemme (lacht): Nein, das ist alles reines Talent! Aber Spaß beiseite: Die Grundlagen des Fliegens sind intuitiv und kinderleicht, die lernt man sehr schnell. Ich habe viel im Garten bei uns trainiert. Die Schwierigkeit beim schnellen Fliegen der Drohne ist, dass sie im Gegensatz zu einem Fahrzeug auf dem Boden nicht abrupt abbremst oder einlenkt, sondern auf Grund der Massenträgheit noch ein wenig weiterdriftet.

Das muss man einkalkulieren, wenn man zum Beispiel einen Slalom um Gegenstände herum fliegt. Die Drohne reagiert zwar sehr direkt auf die Steuerbefehle, aber man muss bei höherem Tempo schon vor dem nächsten Gegenstand einlenken, bevor die Drohne den gewünschten Richtungswechsel ausführen kann.

connect: Welche Disziplinen muss ein Drohnenpilot bei einer WM beherrschen?

Hemme: Bei der Qualifikation für die Weltmeisterschaft musste man beispielsweise aus dem Originalkarton heraus starten oder einmal um sich herumfliegen. Auch galt es, verschiedene Aufgaben nur über die Kameraansicht zu lösen. Der eigentliche Wettkampf war in drei Challenges unterteilt.

Bei der ersten Challenge mussten wir in einer Minute auf so vielen Plattformen wie möglich landen und vor Ablauf der Zeit wieder im Startbereich zurück sein. Die Plattformen waren unterschiedlich hoch, die Landefläche war kaum größer als das Gestell der Drohne. Pro Absturz wurden einem Punkte abgezogen. Bei der zweiten Challenge ging es in den Nahkampf mit anderen Piloten, den sogenannten Dog-Fight. Hier musste ich meine Gegner mit virtuellen Raketen dreimal abschießen. Bei Challenge Nummer drei mussten wir durch einen engen Tunnel fliegen.

Das Problem bei einer Wettkampfsituation ist nicht nur der Schwierigkeitsgrad, sondern dass man bestimmte Aufgaben mit der Drohne in einer vorgegebenen Zeit bewältigen muss. Da bleibt dann keine Zeit mehr für Fehler. Deshalb muss man die Grundlagen des Fliegens perfekt beherrschen.

connect: Mit welcher Drohnenversion fliegen Sie momentan? Mit der ersten oder der neuen zweiten?

Hemme: Momentan fliege ich mit der AR.Drone 2.0, ich habe zwar mit der ersten Version angefangen, bin dann aber auf das neue Modell umgestiegen.

connect: Was unterscheidet die neue Drohne von der Vorgängerin?

Hemme: Die AR.Drone 2.0 liegt wie ein Brett in der Luft und fliegt um einiges präziser; bei der ersten Version war die Steuerung deutlich schwammiger und unpräziser. Außerdem ist die neue HD-Kamera um ein Vielfaches besser als die alte Kamera mit der niedrigeren Auflösung.

connect: Was macht gerade das AR.Drone-Konzept so attraktiv für Hobbypiloten? Es gibt ja auch zahlreiche Bausätze für Quadrocopter?

Hemme: Das Tolle an der AR.Drone ist, dass man sie für einen verhältnismäßig günstigen Preis bekommt, dass sie schnell Spaß macht und relativ robust ist. Außerdem lässt sich die Technik leicht handhaben - man muss also keine stundenlangen Vorbereitungen treffen und komplizierte Wartungs- und Reparaturarbeiten durchführen wie bei den richtig teuren Flugzeugmodellen.

connect: Mit welchem iOS-Gerät steuern Sie die AR.Drone? Oder benötigt man auf diesem Niveau ganz andere Steuerungsmöglichkeiten?

Hemme: Das kommt immer darauf an, was man mit der Drohne machen will. Ich habe mit dem iPhone angefangen. Wenn ich aber in größeren Höhen nur nach der Kamera fliegen möchte, dann benutze ich das iPad, weil es mit seinem größeren Display mehr Sicht bietet. Für Geschicklichkeitsaufgaben eignet sich das handlichere und kleinere iPhone deutlich besser. Ein guter Kompromiss ist auch das iPad mini.

connect: Stichwort größere Höhen: Wie hoch kann man mit der AR.Drone 2.0 fliegen? Was ist Ihr persönlicher Rekord?

Hemme: Mein Höhenrekord liegt aktuell bei 220 Metern. Da konnte ich auch noch problemlos herumfliegen. Gestern wollte ich einen neuen Rekord aufstellen, aber da ist mir die Drohne leider abgestürzt. Vermutlich war bei einem Absturz ein paar Tage zuvor ein Zahnrad beschädigt worden, und das hat vermutlich ausgerechnet in dieser Höhe blockiert.

connect: Das ist tragisch. Hat die Drohne den Absturz überlebt?

Hemme: Glücklicherweise hat sie sich beim Herunterfallen mehrfach überschlagen, sodass der Aufprall nicht ganz so heftig ausfiel. Auch die Bauart ist beim Crash vermutlich ein Vorteil, denn aufgrund des Styroporgehäuses ist die Parrot-Drohne ziemlich leicht.

connect: Vermutlich war das Ihr spektakulärster Unfall?

Hemme (lacht): Ja, zum Glück! Ich bin mit der Drohne zwar auch schon das eine oder andere Mal an einem Baum oder einer Hausecke hängen geblieben, aber das war definitiv der extremste Absturz. Das ist eigentlich auch das einzige Problem bei der AR.Drone: Die Steuerung ist derart einfach zu handhaben, dass man dazu neigt, es zu übertreiben.

connect: Reicht denn bei einer solchen Distanz die Empfangsstärke des Standard-WLAN-Moduls aus?

Hemme: Nein, offiziell hat die Drohne eine Reichweite von nur 50 Metern, wobei das WLAN-Modul der Drohne selbst sehr stark ist. Das Problem ist, dass die Handys ein ziemlich schwaches Modul besitzen. Wenn man weiter fliegen möchte, muss man einen WLAN-Repeater verwenden. Man verbindet das Handy und die Drohne mit dem Repeater und erhöht auf diesem Weg die Reichweite. 300 bis 400 Meter sollen damit möglich sein.

connect: Und welche Tuningmöglichkeiten bietet die Parrot AR.Drone 2.0 sonst noch? Welche Erfahrungen haben Sie in diesem Bereich gemacht?

Hemme: Es gibt einige Anbauteile, die die Flugeigenschaften der Drohne verbessern sollen. Ich persönlich habe da noch nichts verwendet, außer einer Sache: Ich nehme für die Propeller Kugellager anstelle der vormontierten Gleitlager, weil Kugellager weniger Reibung haben.

So kann ich für einen geringen finanziellen Aufwand die Flugzeit um ein bis zwei Minuten verlängern, weil der Motor weniger Energie benötigt. Es gibt auch verschleißfreie Aluminiumzahnräder, von denen ich aber abrate, weil sie deutlich teurer sind als die Plastikzahnräder. Wenn die mal kaputtgehen, ersetze ich sie für ein paar Euro. Die Kosten sind bei diesem Hobby insgesamt aber durchaus überschaubar. Man kann zusätzlich zur HD-Kamera auf der Frontseite noch eine GoPro-Kamera nach unten anbringen. Die Drohne ist zwar bereits mit einer Kamera ausgerüstet, die nach unten zeigt, allerdings bietet diese keine HD-Auflösung.

Manche setzen die GoPro auch oben auf das Gehäuse, damit man noch die Propeller auf der Aufnahme sieht. Dann hat man eine Art Pilotenansicht. Es gibt auch Saugnäpfe von Fling, die man auf dem Touchscreen montieren kann, mit denen man ein sehr gutes Steuergefühl bekommt, weil man einen haptischen Bezugspunkt mit mechanischem Feedback hat. Viele Bastler und Tüftler bekleben sich ihre Drohne auch ganz individuell.

connect: Sie sprechen das Thema Verschleiß an - wie lange hält Ihre Drohne denn schon?

Hemme: Ich bin mit meiner aktuellen Drohne bereits mehr als 46 Flugstunden unterwegs. Und so lange man das Gerät nicht in einem See versenkt oder groben Unfug damit anstellt, ist die Drohne meiner Erfahrung nach sehr robust.

Das Einzige, was bei Bruchlandungen hin und wieder ersetzt werden muss, sind die Zahnrädchen der Propeller. Auch den Body der Drohne kann man leicht reparieren. Dafür nimmt man am besten speziellen Styropor-Kleber oder Kreppband für Reparaturen vor Ort. Aber auf keinen Fall Sekundenkleber verwenden, denn der löst das Styropor des Bodys auf.

connect: Sie studieren Mechatronik. Gibt es da eine Verbindung zum Hobby Drohnenpilot?

Hemme: Ja, die gibt es. Mechatronik ist eine Mischung aus Maschinenbau und Elektrotechnik, weshalb die Drohne doppelt interessant für mich ist, denn in dem Fluggerät kommen viele mechatronische Bauteile zum Einsatz.

connect: Können Sie sich vorstellen, später noch größere Fluggeräte wie Hubschrauber oder Flugzeuge zu fliegen? Oder sehen wir Sie vielleicht bald als Piloten im Cockpit?

Hemme: Wenn sich die Möglichkeit ergeben sollte, würde ich auf keinen Fall Nein sagen.

connect: Beziehen sich Ihre Lieblings-Apps auch aufs Fliegen?

Hemme: Ich spiele gerne Flugsimulatoren wie "Mayday". Da muss man ein Flugzeug landen, ohne dass den Passagieren etwas passiert. Eine empfehlenswerte App ist "Drone Control": Mit ihr lässt sich die Drohne sehr gut steuern, und man kann mit ihr unter anderem die Firmware der Drohne up- und downgraden.

connect: Ein paar Profi-Tipps für unsere Leser?

Hemme: Ich empfehle jedem, der sich so eine Drohne zulegen möchte, sich vorher auf der Seite von Parrot zu informieren. Dort finden sich ein paar Einsteigervideos, die am Anfang wirklich hilfreich sind. Ansonsten sollte man zunächst schön behutsam mit der Drohne fliegen, damit man nicht gleich im ersten Baum hängen bleibt.

Hilfreich ist es auch, die Steuerung loszulassen, sobald man in eine brenzlige Situation gerät, denn dann übernimmt der Autopilot die Steuerung und stabilisiert die Drohne wieder. Anfänger sollten ihre ersten Flugversuche unbedingt mit der Indoor-Hülle machen, weil diese die Propeller verdeckt. So nehmen sie nicht sofort Schaden, wenn man mal aneckt. Und sobald es draußen windiger wird, sollte man auf jeden Fall mit der Outdoor-Hülle fliegen.

connect: Haben Sie nach der Weltmeisterschaft noch weitere Ziele? Gibt es da eine Szene oder Wettkampfveranstaltungen?

Hemme: Das kann ich momentan noch nicht so genau sagen. Die Weltmeisterschaft in Las Vegas war ja der erste Wettkampf dieser Art, der von Parrot organisiert wurde. Ich bin aber offen für neue Wettkämpfe und Herausforderungen.

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