Telefonica O2 kauft E-Plus

Interview mit Dr. Roman Friedrich: "Mittelfristig bessere Netzleistungen"

Ein Interview mit TK-Experte Dr. Roman Friedrich über die Fusion von Telefonica O2 und E-Plus.

Interview mit Dr. Roman Friedrich

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Interview mit Dr. Roman Friedrich

Was verspricht sich Telefonica Deutschland von dem bevorstehenden Zusammenschluss mit E-Plus?

Da das Infrastruktur-basierte Telekommunikationsgeschäft dem Gesetz der Skaleneffizienz folgt, wird es Telefonica Deutschland nach dem Zusammenschluss gelingen, mehr Datenverkehr über sein Netz zu transportieren und damit die Fixkosten pro Kunde zu senken.

Der Münchner Netzbetreiber muss wegen der anstehenden Fusion einige Auflagen seitens der EU-Kommission erfüllen. Reichen diese Auflagen aus, um einen freien Wettbewerb zu garantieren?

Die EU-Kommission ist bekannt dafür, Wettbewerbsüberlegungen sehr ernst zu nehmen. Erfahrungsgemäß wird die Wettbewerbsintensität maßgeblich von kreativen und innovativen Service Providern geprägt. Die Auflagen der EU-Kommission stellen sicher, dass es ausreichend Zugang zu Netzkapazität gibt, sodass es jetzt auf die Dienstanbieter ankommt, den Markt weiterhin dynamisch zu gestalten. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben.

E-Plus verzeichnet dank seiner Mehrmarkenstrategie seit Jahren ein beständiges Kundenwachstum. Auch O2 ist mit seiner Tochterfirma Fonic erfolgreich. Was passiert nach dem Zusammenschluss mit den Marken? Welche Submarken und Partnerschaften werden aus Ihrer Sicht bestehen bleiben?

Ein reifer Markt ist grundsätzlich davon geprägt, dass verschiedene Zielgruppen mit speziellen Marken und Marktangangsstrategien adressiert werden. Daher können wir davon ausgehen, dass wir auch in Deutschland weiterhin zahlreiche Telekommunikationsmarken sehen werden. Sicherlich werden einige Marken und Partnerschaften nach dem Zusammenschluss von Telefonica Deutschland und E-Plus neu positioniert werden. Auf welche Weise das geschehen wird, hängt von der grundsätzlichen strategischen Ausrichtung des neuen Unternehmens ab und bleibt abzuwarten.

Wie wird sich der deutsche Mobilfunkmarkt nach dem Zusammenschluss verändern? Welche Vor- und Nachteile bringt die Fusion für die Endverbraucher?

Aufgrund des Zusammenschlusses wird der deutsche Mobilfunkmarkt nun von drei großen Mobilfunk- Infrastrukturanbietern geprägt, die über ausreichend Barmittel verfügen werden, in die dringend nötige Aufrüstung der Mobilfunknetze zu investieren. Der gewaltige Anstieg der Datenkommunikation, sowohl getrieben durch Privat- als auch durch Geschäftskunden, hat in der jüngeren Vergangenheit dazu geführt, dass die Mobilfunknetze immer wieder an ihre Belastungsgrenzen geführt wurden. Der Endverbraucher wird also mittelfristig von besseren Netzleistungen profitieren können.

Verbraucherschützer befürchten mit dem Wegfall eines Netzbetreibers enorme Preissteigerungen im deutschen Mobilfunk. Ist deren Sorge berechtigt?

Ein Blick auf ausländische Telekommunikationsmärkte zeigt, dass eine Reduktion von vier auf drei Infrastrukturanbieter nicht notwendigerweise zu Preissteigerungen führt. Das Preisniveau wird maßgeblich von den Serviceanbietern bestimmt. Deutschland verfügt nach wie vor über eine ausreichende Zahl von potenten und kreativen Serviceanbietern - die Entwicklung des Preisniveaus bleibt abzuwarten.

Die Konsolidierung auf dem TK-Markt schreitet über die Grenzen hinaus voran. Was bedeutet die Marktkonzentration für den europäischen Telekommunikationsmarkt?

Der europäische Telekommunikationsmarkt ist aufgrund der nationalen Vielfalt sehr fragmentiert. Angesichts des immer stärker werdenden Wettbewerbs mit Internetspielern wie Google, Amazon, Facebook und anderen OTTs, die global agieren und damit gewaltige Skalenvorteile realisieren, haben kleine TK-Unternehmen immer größere Schwierigkeiten, im Wettbewerb zu bestehen. Ihnen fehlt häufig schlichtweg die Innovationskraft, aber auch aufgrund von gesetzlichen und regulatorischen Einschränkungen die unternehmerische Freiheit, mit gleichen Waffen zu kämpfen.

Die Konsolidierung einerseits, aber auch die Ausgestaltung eines allgemeingültigen Regelwerks, z.B. im Datenschutzbereich, ist dringend geboten, um den europäischen Playern eine Chance im globalen Wettbewerb zu geben. Auch für die Nutzer von TK-Leistungen wird es wichtig sein, über europäische Alternativen zu verfügen, um ihre Vorstellungen von Datenschutz und Sicherheit der Netze gewährleistet zu sehen.

Telefonica muss wegen der Fusion gefragte Frequenzen abgeben. Wie wird sich die EU-Auflage auf die Netzstrategie des Unternehmens auswirken?

Die Frequenzauflagen sind im Rahmen des Erwarteten. Wir sehen keine grundlegenden Auswirkungen durch die Frequenzabgabe auf die Netzstrategie von Telefonica Deutschland, die nicht durch übliche Maßnahmen adressiert werden können. Der Verbraucher wird davon nichts spüren.

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