Interview

Tobias Arns - "Deutschland wird Leitmarkt für Smart Home"

Alle reden von Smart Home. Doch wie steht es hierzulande um die Entwicklung dieser noch jungen Branche wirklich? Welchen Einfluss haben die Diskussionen um Datenschutz auf das Marktgeschehen? CONNECTED HOME hat nachgefragt bei einem, der es wissen muss: Tobias Arns, Bereichsleiter Social Media & E-Commerce beim IT-Verband Bitkom in Berlin, stand uns Rede und Antwort.

Tobias Arns

© Bitkom

Tobias Arns, Bereichsleiter Social Media & E-Commerce beim IT-Verband Bitkom e.V.

Herr Arns, wie sehen Sie den Status Quo des Smart-Home-Marktes? In welchem Entwicklungsstadium befindet er sich in Deutschland?

Der Smart-Home-Markt ist längst kein Nischenmarkt mehr. Viele namhafte Hersteller aus unterschiedlichen Branchen wie der Consumer Electronic, der IT, der Weißen Ware oder der Elektroninstallationstechnik, dazu zahlreiche Start-ups, drängen auf diesen Markt und bringen nahezu im Wochentakt Innovationen auf den Markt. Auf Basis von Schätzungen des Marktforschungsinstituts IHS Technology gehen wir davon aus, dass in rund fünf Jahren etwa zehn Prozent aller deutschen Haushalte Smart-Home-Technologien einsetzen werden. Dafür müssen in den kommenden Jahren etwa 600.000 Haushalte pro Jahr "smart" werden.

Und wie sieht das im internationalen Vergleich aus?

Im europäischen Vergleich wird Deutschland gut dastehen: Hier rechnet Bitkom auf Basis der gleichen Prognose damit, dass Deutschland zum Leitmarkt für Smart Home in Europa werden wird - also zum Markt mit der höchsten Durchdringung mit Smart-Home-Lösungen. Dafür gibt es zwei Hauptgründe: Erstens das im europäischen Vergleich frühe Engagement verschiedener Unternehmen sowohl aus dem Energie- also auch dem Telekommunikationssektor. Zweitens haben sich hierzulande viele Firmen etabliert, die sich ganz dem Smart Home verschrieben haben und es durch ihre Spezialisierung schnell vorantreiben. Diese Entwicklung gibt es in anderen europäischen Ländern nicht.

Spionage, Kontrolle durch Google und so weiter: Gerne werden vor allem mögliche Risikofaktoren in den Vordergrund gestellt. Warum ist das so und wie lassen sich diese am besten widerlegen?

Mit zunehmender Marktdurchdringung und vor allem bei einem konkretem Nutzen durch Smart Home werden die Kunden lernen, selbst zu entscheiden, welches Datenschutzniveau sie möchten und dann die entsprechende Smart-Home-Lösung kaufen. Alternativen gibt es ja am Markt genug. Wichtig ist, dass Kunden die Wahl haben: Es wird sehr kostengünstige oder kostenlose Services geben, hier werden meine Daten z.B. anonymisiert für die Verbesserung des Dienstes verwendet. Und es wird kostenpflichtige Cloud-Dienste geben: Hier speichert und verwaltet der Dienstleister meine Daten zwar, sie werden aber nur zur Steuerung und Optimierung  des Smart Home verwendet und verbleiben auf seinen Servern.

Also alles kein Problem?

Eine "Kontrolle durch Google" oder andere Unternehmen im Smart Home halte ich für ein sehr unrealistisches Szenario. Das Thema Datensicherheit halte ich für weitaus wichtiger: Natürlich möchte niemand, dass Daten, die in einem Smart Home anfallen, in die falschen Hände geraten, zum Beispiel von Kriminellen, die im schlimmsten Fall selbst aus der Ferne vorhersagen können, wann jemand zuhause sein wird und wann nicht. Hier sind die Hersteller in der Verantwortung, zu jedem Zeitpunkt gängige Standards der Datensicherheit wie beispielsweise die Punkt-zu-Punkt-Verschlüsselung beim Datentransfer in ihren Smart-Home-Produkten umzusetzen.

Ebenso sind die Kunden in der Verantwortung, die angebotenen Sicherheits-Features auch zu nutzen. Eine voreingestellte Verschlüsselung meines Heimnetzwerks bringt nichts, wenn ich sie aus Bequemlichkeit ausschalte. Prinzipiell gilt aber, dass ein Smart Home aufgrund der zur Verfügung stehenden Sensoren und der intelligenten Steuerung beispielsweise von Fenstern und Rollläden sicherer ist als ein nicht-smartes Zuhause.

Welche Rolle spielt das Thema Standards und Zertifizierung für die Entwicklung eines Smart-Home-Markts?

Wir gehen davon aus, dass diejenigen Smart-Home-Anbieter und -Systeme Erfolg haben werden, die die folgenden Punkte berücksichtigen. Erstens: Offene Smart-Home-Standards und -Plattformen werden aufgrund ihrer Interoperabilität bei Konsumenten beliebter sein als solche, die auf "Walled Gardens" basieren. Zweiter Punkt: Wichtig sind IP-basierte Schnittstellen und APIs, die die Entwicklung von Anwendungen durch Dritte fördern und die Vernetzbarkeit von Smart-Home-Komponenten verschiedener Hersteller erleichtern. Drittens: Cloud-basierte Services sind aufgrund ihrer hohen Skalierbarkeit und Wartungsfreundlichkeit für die Konsumenten kostengünstige als traditionelle Hausautomationslösungen und begünstigen daher einen Massenmarkt. Vierter Punkt: Gefragt sind keine Insellösungen, sondern eine Integrationsfähigkeit aller Smart-Home-Domänen wie Entertainment, Gebäudeautomation, Energiemanagement, Gesundheit und Sicherheit. Und schließlich muss eine hohe Datensicherheit gewährleistet sein und es müssen Datenschutzniveaus geboten werden, die deutsche Konsumenten zufriedenstellen.

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