Apple hat die sechste Version seines mobilen Betriebssystems vorgestellt: iOS 6 kommt mit 200 neuen Funktionen, unter anderem wurde Facebook tief im System verankert und der Kartendienst Maps vollständig überarbeitet.
Maps wurde von Grund auf neu gestaltet und beherrscht jetzt auch die sprachgeführte Navigation. Ähnlich wie mit Google Maps für Android ist es jetzt also möglich, das iPhone ohne Zusatzprogramme als vollwertiges Navigationsgerät zu verwenden – eine Online-Verbindung vorausgesetzt. Dabei wird man mit einer hübschen 3D-Ansicht durch die Straßen gelotst, aktuelle Verkehrsmeldungen sollen berücksichtigt werden.
Ein weiteres Highlight von iOS 6 ist die dreidimensionale Ansicht von wichtigen Orten. Mit der sogenannten Flyover-Funktion wird die Umgebung fotorealistisch auf iPhone und iPad eingeblendet. Ein wichtiges Detail von iOS 6 am Rande: Mit dem neuen Maps beendet Apple die Kooperation mit Google und setzt künftig auf eigene Kartendaten.
Siri kommt ins Auto
Die Sprachsteuerung Siri wurde überarbeitet. Apple hat die Fähigkeiten des digitalen Sprachassistenten erweitert, er kann etwa aktuelle Sportereignisse anzeigen und nicht nur Restaurants in der Nähe vorschlagen, sondern auch gleich einen Tisch reservieren.
Viel spannender ist aber die Auto-Integration, die die neue Navi-Funktion von iOS 6 kongenial unterstützt. In Kooperation mit den Herstellern BMW, General Motors, Mercedes, Land Rover, Jaguar, Audi, Toyota und Hyundai wird eine "Eyes Free" genannte Funktion in neue Autos eingebaut: Ein Knopf in der Nähe des Lenkrads erlaubt es, Siri zu starten, ohne die Hände vom Steuer zu nehmen. Erste Autos sollen in den kommenden zwölf Monaten auf den Markt kommen.
Facebook so tief wie Twitter integriert
Facebook wurde wie erwartet genauso in iOS 6 verankert wie Twitter in der Vorgängerversion iOS 5. Man kann Links und Fotos direkt im Browser oder der Fotogalerie teilen, ohne Facebook starten zu müssen. Über eine neue Schnittstelle (API) können andere Entwickler Facebook ebenfalls unkompliziert in ihre Apps integrieren.
"Nicht stören!"
Viele Nutzer werden sich über die „Nicht stören“-Funktion freuen, die Apple in iOS 6 einsetzt. Es handelt sich um einen zeitgesteuerten Schlafmodus, in dem das Telefon zwar noch Nachrichten empfangen kann, aber dabei das Display ausgeschaltet lässt und stumm bleibt.
Eine der spektakulärsten Neuerungen von iOS 6. Mit seinem grundlegend überarbeiteten Kartendienst Maps beendet Apple die Kooperation mit Google, die immerhin seit dem ersten iPhone 2007 bestand, und setzt künftig auf eigene ortsbasierte Dienste.
Und die haben es in sich. Auf den ersten Blick gibt es nichts, was Apple schlechter macht als der Platzhirsch Google. So sind alle Kartengrafiken vektorbasiert, für den Anwender bedeutet das: schnelles Laden und verzögerungsfreies Zoomen.
Aber das sind nur technische Hintergrunddetails. Viel wichtiger für den Nutzer dürften die neuen Navigationsfähigkeiten sein, die iPhone und iPad in ein vollwertiges Navi verwandeln. Statt wie bisher einfach nur die Route anzuzeigen, lotst ein das neue Maps in einer hübschen 3D-Ansicht duch den Verkehr.
Aber das ist noch nicht alles, Apple hat natürlich noch ein besonderes Extra im Ärmel: Sehenswürdigkeiten und große Städte werden auf Wunsch in einer fotorealistischen 3D-Ansicht gezeigt. Bei der Apple-Präsentation sah das mächtig beeindruckend aus.
Das neue Maps enthält natürlich auch weiterhin zahlreiche Zusatzinformationen. Apple hat sie sogar noch besser in die Oberfläche integriert, sodass die Bedienung noch geschmeidiger wird. Fotos vom Restaurant, ein Anruf für die Reservierung oder Bewertungen lesen – alles ist nur einen Fingerwisch entfernt.
Mit iOS 6 kommt der digitale Sprachassistent endlich auch auf das iPad. Er kann außerdem Apps starten und wird mit der neuen Maps-Anwendung verknüpft. Eine wichtige Ergänzung, denn bisher konnte Siri (in Deutschland) mit ortsbezogenen Diensten überhaupt nichts anfangen. Man kann nur hoffen, dass Apple dieses Siri-Upgrade auch hierzulande implementiert.
Außerdem kann Siri jetzt auch mit Infos zum aktuellen Sportgeschehen dienen und auf Wunsch nicht nur Restaurants auflisten, sondern gleich einen Tisch reservieren – das sind allerdings Features, die erst einmal nicht in Deutschland funktionieren dürften.
Wie erwartet verankert Apple Facebook jetzt genauso tief im System wie Twitter. Im Klartext heißt das: Wenn dem Nutzer eine Website gefällt, kann er sie direkt aus dem Safari-Browser heraus teilen. Die Facebook-App muss dafür nicht mehr geöffnet werden.
Dafür genügt es, wenn man sich ein einziges Mal – nämlich bei der Ersteinrichtung des iPhone oder iPad – mit seinen Facebook-Daten anmeldet. Danach werden alle Freunde-Infos wie Foto, E-Mail oder Telefonnummer auf Wunsch in das Adressbuch von iOS übernommen.
Apple hat Facebook sogar mit dem App Store verknüpft. Anwender können Apps liken und Entwickler können eine neue API nutzen, um Facebook in ihre Apps zu integrieren.
Im Foto-Stream ist es möglich, Galerien einzurichten, die automatisch mit Freunden geteilt werden. Dazu muss man nur Fotos auswählen, auf "teilen" tippen und die entsprechende Person auswählen. Die bekommt neue Fotos danach in Echtzeit auf das Gerät gepusht. Dabei muss es sich natürlich um ein iPhone, ein iPad oder einen Mac (mit OS X Mountain Lion) handeln.
Wenn neue Fotos eintreffen, werden die Freunde auf Wunsch in Echtzeit darüber benachrichtigt. Danach können sie die Fotos nicht nur anschauen, sondern auch kommentieren.
Ganz wichtig: Apples Videotelefonie Facetime funktioniert im Mobilfunknetz. Bisher musste man für Videogespräche zwingend in einem Wlan-Netz eingebucht sein.
Apple hat überall ein bisschen gefeilt und die Bedienung noch einfacher gemacht, das zeigt das neue Optionsmenü bei eingehenden Anrufen. Wenn man einen Anruf ablehnt, kann man mit einem Fingerwisch eine SMS mit automatisierten Inhalen absetzen, etwa „Ich kann gerade nicht telefonieren, rufe Dich später zurück“. Es ist auch möglich, sich an den abgelehnten Anruf erinnern zu lassen.
Genauso eine kleine, aber feine Funktion ist der neue Menüeintrag "Do not Disturb (Nicht stören)". Dahinter verbirgt sich um ein zeitgesteuerter Schlafmodus, in dem das Telefon zwar noch Nachrichten empfangen kann, aber dabei das Display ausgeschaltet lässt und stumm bleibt.
Der neue VIP-Filter für E-Mails ist auf den ersten Blick wenig sinnvoll. Aber man kann damit genau festlegen, über welche eingehende E-Mails man informiert werden möchte. So geht das Display nicht immer an, wenn wieder ergendeine unwichtige Mail eintrudelt.
Der Safari-Browser ist in iOS 6 mit der iCloud verdrahtet. Tabs die man auf dem iPad geöffnet hat, werden auch mit dem Mac oder iPhone synchronisiert, sodass man nahtlos weitersurfen kann, wenn man das Gerät wechselt. Ebenfalls neu: Der Vollbild-Modus auf dem iPhone. Er wird aktiviert, wenn man es ins Querformat dreht.
Eine der spannendsten Neuerungen haben wir uns für den Schluss aufgehoben. Das neue Passbook gibt einen Ausblick auf die Smartphone-Zunkunft, die sich am besten mit zwei Schlagwörtern skizzieren lässt: Vernetzung und Integration.
Die App bündelt an einem Ort ganz unterschiedliche Dienste und Informationen: Boarding-Karten, Kino-Tickets, Treue-Karten. Das ist natürlich keine große Kunst, aber der Clou ist: Wenn die Kinovorstellung ansteht, kommt eine Termin-Erinnerung, ein Wisch, und das vorher in der App gekaufte Ticket mit QR-Code erscheint. Eine mit Passbook vernetzte Bord-Karte zeigt nicht nur den Sitzplatz im Flugzeug, sondern informiert auch, wenn sich das Abflug-Gate ändert.
Weitere Neuheiten sind:
Facetime-Telefonate über das Mobilfunknetz. Bisher funktioniert Facetime nur über Wlan
iCloud-Tabs gleicht Browser-Tabs geräteübergreifend ab. Die Funktion wird auf iPhone und iPad mit iOS 6 und auf dem Mac mit OS X Mountain Lion eingeführt
der Safari-Browser zeigt im Querformat alle Inhalte im Vollbild-Format an
die E-Mail-Software bekommt einen VIP-Filter. Personen, die als VIP markiert sind, werden in iOS 6 priorisiert behandelt
ein neues Optionsmenü bei eingehenden Anrufen: Wenn man einen Anruf ablehnt, kann man mit einem Fingerwisch eine SMS mit automatisierten Inhalen absetzen, etwa „Ich kann gerade nicht telefonieren, rufe Dich später zurück“. Es ist auch möglich, sich an den abgelehnten Anruf erinnern zu lassen.
geteilte Fotostreams. Es ist mit iOS 6 möglich, gesonderte Fotostreams einzurichten und andere iOS-Nutzer dafür freizuschalten. Alle Fotos, die dorthin verschoben werden, werden automatisch auf die iPhones aller angeschlossenen Nutzer gepusht.
iOS 6 ist als Beta ab sofort für Entwickler verfügbar, zum Endkunden kommt das neue Betriebssystem im Herbst dieses Jahres. Alle iPhones ab dem 3GS werden unterstützt, genauso wie das iPad der zweiten und dritten Generation.