Makuladegeneration-Behandlung

Teleskop-Kontaktlinsen erlauben Blick in die Zukunft

Ein US-Forscherteam hat Teleskop-Kontaktlinsen entwickelt, die die Makuladegeneration-Behandlung erleichtern können. Das Prinzip wirkt futuristisch und könnte eines Tages Google Glass oder Oculus Rift wie Relikte aus einer fernen Vergangenheit aussehen lassen.

Makuladegeneration:  Fortschritt bei Teleskop-Kontaktlinsen

© Optics Express

Makuladegeneration: Fortschritt bei Teleskop-Kontaktlinsen

Ein DARPA-finanziertes Forscherteam der University of California San Diego in den USA hat neuartige Teleskop-Kontaktlinsen entwickelt, die es in sich haben. Ausgeklügelte Technik kann Nutzer mit altersbedingter Makuladegeneration (AMD, "Gelber Fleck") zwischen normaler und vergrößerter Sicht umschalten lassen, um künftig besser sehen zu können. Die neuen Teleskop-Kontaktlinsen können eine angenehme Möglichkeit für in AMD-Behandlung befindliche Patienten sein, um ihr Sehvermögen komplett wiederherzustellen. Statt etwa einer Retina-Prothese brauchen Nutzer der Teleskop-Kontaktlinsen nur eine zusätzliche Flüssigkristall-Brille, um zwischen den Ansichten umzuschalten.

Makuladegeneration ist eine Erkrankung der Netzhaut, die in fortschreitendem Stadium für Blindheit sorgt. Konventionelle Sehhilfen haben keine Auswirkungen auf die Rückbildung der Netzhaut, da es nicht ausreicht, lediglich den Fokus der Sehkraft zu zentrieren. Geeignete Sehhilfen sind meist sehr unpraktisch, schränken soziale Interaktionen ein und müssen mühsam an den jeweiligen Patienten angepasst werden. Aktuelle Behandlungsformen umschließen Operationen mit Injektionen von Gefäßwachstums-Hemmern, Lasertherapien und anderen riskanten Maßnahmen. Wer sich weiter in das Thema lesen möchte, dem sei der Wikipedia-Eintrag zur Makuladegeneration empfohlen.

Die von US-amerikanischen und schweizerischen Forschern erdachten Kontaktlinsen bestehen aus Polymethylmethacrylat (PMMA) und beherbergen eng aneinander liegende und runde Spiegelschichten auf einer Linse, die an den Rändern einen Teleskop-Effekt erzielen. Das Zentrum erlaubt eine nicht vergrößerte Sicht, während die peripheren Bereiche eine Vergrößerung um den Faktor 2,8 ermöglichen. Um zwischen vergrößerter und nicht vergrößerter Sicht umzuschalten, trägt der Nutzer eine Flüssigkristallbrille, die ursprünglich für 3D-Fernseher hergestellt wurde. Die Gläser brechen sowie ändern die Orientierung polarisierten Lichts und blockieren selektiv Informationen entweder für den Linsenrand (vergrößert) oder die -mitte (nicht vergrößert).

In Tests zeigte sich, dass sowohl vergrößerte Sichtbereiche als auch normale stets klar erkennbar waren. Der Blickwinkel war zudem breiter als es bei bisherigen Lösungen für AMD-Patienten der Fall ist. Dennoch benötigt die Teleskop-Kontaktlinse weitere Verbesserungen, denn laut den Forschern führten Farbkorrekturen im System noch zu schwindender Bildqualität und nachlassendem Kontrast. Ebenso sei das verwendete Material noch nicht für längere Nutzungsdauern optimiert. Die Forschungen an der Teleskop-Kontaktlinse werden von der "Defense Advanced Research Projects Agency" (DARPA) finanziert, einer Behörde des US-Verteidigungsministeriums. Infos zu den Linsen aus diesem Bericht finden sich bei Optics Express.

Die in diesem Artikel beschriebenen Kontaktlinsen erlauben einen vagen Blick in die Zukunft. Während Google Glass oder Oculus Rift noch auf prothesenähnlichen Seh-Apparaten basieren, tüfteln Forscher bereits daran, High-Tech in Kontaktlinsen unterzubringen. Eine handlichere Brille als Glass könnte künftig etwa Informationen direkt auf eine speziell gefertigte Kontaktlinse projizieren. Oder: Sollte das erwähnte Forscherteam Fortschritte machen und Display-Hersteller auf dem Gebiet der Nano-Technik ebenso vorankommen, ist es wohl nicht mehr weit, bis wir Informationen mit einem Heads-Up-Display konsumieren - ohne dass es jemand wie bei Google Glass direkt merkt und sich gestört fühlen könnte.

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