Kommentar

Das Prinzip Watch: Apple könnte es schaffen

Gestern hat Apple seine erste Smartwatch offiziell angekündigt und man reibt sich verwundert die Augen: Die Preisspanne reicht von 400 Euro bis 18.000 Euro für die identische technische Ausstattung. Ist das dein Ernst, Apple? Aber die Watch könnte gerade deshalb ein Erfolg werden.

Apple Watch

© Apple

Apple Watch

Technisch ist die Apple Watch nicht mehr als guter Durchschnitt. Display-Auflösung, Sensorik und Akkulaufzeit entsprechen den branchenüblichen Standards und zeigen einmal mehr, dass Apple nicht zaubern kann. Punkte sammelt der iPhone-Hersteller in den Bereichen, die ihn schon immer ausgezeichnet haben: die Benutzeroberfläche sieht um Längen besser aus als Googles Android Wear und die Bedienung mit dem Drehrad (Krone) und dem zweifach abgestuften Touch-Display ist wirklich gelungen. 

Aber reicht das, um in diesem Markt erfolgreich durchzustarten? Dass die Apple Watch nur mit iPhones kompatibel ist, ist kein Hindernis, schließlich pendelt der iOS-Marktanteil in den USA jenseits der 40 Prozent. Als echte Hürde könnte sich der hohe Preis entpuppen. Die günstigste Version der Apple Watch startet bei 399 Euro, die teuerste endet bei 18.000 Euro. Beide Versionen unterscheiden sich technisch überhaupt nicht voneinander, nur das Gehäuse besteht bei der einen aus Aluminium, bei der anderen aus Saphirglas und 18-karätigem Gold. 

Aber vielleicht verhilft gerade diese auf den ersten Blick schizophrene Preispolitik dem Konzept des tragbaren Computers am Handgelenk endlich zum Durchbruch. Bisher ist die Smartwatch ein Flop, die bisher verfolgte Strategie, sie als IT-Produkt mit dem Fokus auf der technischen Ausstattung zu verkaufen, ist fehlgeschlagen. Experten monieren seit längerem, dass der Smartwatch ein echter Mehrwert, ein schlagendes Verkaufsargument fehlt. Auch Apple bietet in dieser Beziehung nur wenig Neues, und das könnte auch daran liegen, dass es schlichtweg nichts Neues gibt und auch in absehbarer Zeit nicht geben wird.

Was die Apple Watch kann, zeigt die folgende Galerie:

Deshalb spielen technische Details bei der Preisgestaltung der Apple Watch auch überhaupt keine Rolle. Wer sich jetzt hinstellt und ausrechnet, wie überteuert die Komponenten der Apple-Uhr sind, argumentiert aus einer Nerd-Perspektive und blendet aus, dass eine Smartwatch wie jede Uhr zuallererst ein Modeaccessoire ist und erst an zweiter Stelle ein technisches Produkt, das man mit dem Smartphone verbinden kann. Eine Uhr ist ein Statussymbol, mit dem der Träger seine Persönlichkeit definiert. Wer sich was leisten kann, zeigt das auch gerne am Handgelenk. Und jetzt gibt es zum ersten Mal eine Smartwatch, die auch als Statussymbol taugt.

Wer eine Rolex oder Patek Philippe trägt, wird sie kaum gegen eine Smartwatch 3 von Sony eintauschen, nur weil sie das nächste Meeting und neue E-Mails anzeigt. Bei einer 18.000 Euro teuren Smartwatch aus Gold könnte er dagegen in Versuchung kommen. Und wenn er sie sich dann tatsächlich kauft, dann dürfte das Versprechen von Exklusivität, das er mit diesem Produkt verbindet, auch auf die "günstigeren" Modelle der Apple Watch abstrahlen. Es dürfte dann auch mit einer 500 Euro teuren Smartwatch funktionieren, eben weil Marke und Produkt ein begehrenswertes Image aufgebaut haben. 

Um es auf den Punkt zu bringen: Apple ist die einzige Tech-Marke, die es schaffen könnte, ein Statussymbol zu kreieren, bei dem die Technik egal ist.

Komplett kann man die Technik bei einer Smartwatch natürlich nicht ausblenden und so bleiben auch bei der Apple Watch viele Fragen offen. Wie steht es um den Wertverlust? Die rapide technische Entwicklung sorgt dafür, dass IT-Produkte rasend schnell veralten. Während eine Rolex in zehn Jahren eher an Wert gewinnt, werden Display und Prozessor der Watch hoffnungslos veraltet sein. 

Eine Antwort darauf hat auch Apple nicht. Aber klar ist: Apple wird seine Uhr mit millionenschweren Kampagnen weltweit bewerben und die Aufmerksamkeit auf den freien Platz am Handgelenk lenken. Dafür kann die ganze IT-Branche Apple dankbar sein. Klar ist auch: Wenn Apple mit seiner Smartwatch scheitert, dann gibt es keinen Markt dafür, dann kann die gesamte Tech-Industrie dieses Konzept beerdigen.

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