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O2 übernimmt E-Plus

Bringt die O2-E-Plus-Fusion bessere Mobilfunk-Versorgung?

LTE-Antenne Halle-Neustadt O2
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Wenn Telefonica (O2) E-Plus übernimmt, ensteht nicht nur ein Netzbetreiber mit den meisten Kunden, sondern auch mit der größten Frequenz-Bandbreite. Was bedeutet das für die Versorgung? Und wie einfach lässt sich ein gemeinsames Netz bauen?

Das große Telekommunikations-Unternehmen kleinere schlucken ist nichts neues, man denke nur an die Übernahme von Arcor durch Vodafone. Doch eine Übernahme wie die von E-Plus durch Telefónica Deutschland hat es hier bislang nicht gegeben. Etwa 43 Millionen Kunden würden unter dem Dach von O2 zusammenkommen, damit wären die Mobilfunksparte der Deutschen Telekom und die von Vodafone auf Anhieb überholt.

Über den Zusammenschluss wurde in den letzten Jahren immer wieder spekuliert, und doch sorgte die Ankündigung für Überraschung. In ersten Reaktionen der connect-Leser spielt die Netzqualität eine große Rolle und spiegelt wieder, was connect im letzten Netztest festgestellt hat. Viele hoffen auf eine bessere Versorgung. Die Hoffnungen könnten sich durchaus erfüllen, allerdings ist die Zusammenlegung von zwei Mobilfunknetzen kein leichtes Unterfangen.

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Netzbetreiber mit der größten Bandbreite

Stimmen Regulierungsbehörde und Kartellamt ohne Bedingungen zu, so würde die neue O2 der Netzbetreiber mit der größten Bandbreite werden. Bandbreite ist die Währung, die für Netzbetreiber besonders wichtig ist, denn sie entscheidet, wie viele Kunden mit welcher Qualität versorgt werden können. Für O2 besonders entscheidend.

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Im D-Netz (GSM 900) hätten die Münchner auf einen Schlag fast die gleiche Bandbreite zur Verfügung, wie die Telekom und Vodafone. Damit könnte das bisher etwas schwächelnde Sprachangebot in ländlichen Regionen schnell und vor allem preiswert ausgebaut werden, denn im D-Netz benötigt man nur ein Viertel der Mobilfunkstandorte um eine bestimmte Fläche zu versorgen und mit der nötigen Bandbreite kann man auch viele Kunden versorgen.

Gemeinsames Netz mit Hürden

Die Zusammenlegung der bisher noch getrennten Mobilfunknetze kann indes für Schwierigkeiten sorgen, denn das E-Plus-Netz ist von Nokia Siemens Networks (NSN), Ericsson und ZTE gebaut, während O2 bisher auf NSN und Huawei setzt.

Allgemein versucht aber jeder Netzbetreiber die Anzahl seiner Techniklieferanten möglichst klein zu halten und innerhalb einer Technik und Region ein möglichst homogenes Netz zu betreiben.

Das macht es wahrscheinlicher, dass bei einem neuen gemeinsamen O2-Netz viele Technikkomponenten an einzelnen Standorten ausgetauscht werden, als das einfach versucht wird, die bestehenden Netzte von E-Plus und O2 als ein gemeinsames weiter zu betreiben.

Ob O2 dabei unterschiedliche Anbieter im Norden und Süden einsetzt, oder das LTE-Netz von Anbieter A und das 2G- und 3G-Netz von Anbieter B bezieht, bleibt abzuwarten. Vielleicht gelingt es sogar einem Anbieter mit einem besonders günstigen Angebot für Technik und Betrieb, das ganze O2-Netz zu versorgen.

Weniger Standorte und Bandbreite für alle Anforderungen

Eine Konsolidierung der Mobilfunkstandorte scheint wahrscheinlich. Moderne, kompakte und leistungsfähige Mobilfunktechnik lässt die reine Anzahl der Standorte für die Versorgungsgüte als zweitrangig erscheinen, man konzentriert die Bandbreite einfach.

Und O2 hat bei abgeschlossener Übernahme extrem viel Bandbreite um mit GSM900 für Sprache auf dem Land, mit LTE800 für Daten auf dem Land, mit LTE1800 für Daten in dichtbevölkerten Städten  und mit LTE2600 für Daten an Hotspots wie Bahnhöfen, Kongresshallen und Flughäfen zu sorgen.

Die Überlegenheit könnte so groß werden, dass den Technikchefs von der Deutschen Telekom und Vodafone angst und bange wird. Relativieren könnte sich das, wenn die Regulierungsbehörde fordert das O2 - im Sinne eines unverzerrten Wettbewerbs - Frequenzblöcke abzugeben oder den Deal gar ganz blockiert.

 
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