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Joachim Scheible

9. Oktober 2009

Telefonieren wird zur Nebensache

Für die Netzbetreiber in Deutschland wird die Telefonie für ihre Geschäfte bald nur noch nebensächlich sein. Davon geht eine aktuelle Prognose des Marktforschungsunternehmens Steria Mummert Consulting aus.

Danach werden Telekom & Co. schon im Jahr 2013 rund die Hälfte ihrer Umsätze abseits des klassischen Telefonats erzielen. Bereits seit längerem stellten sich die hiesigen Festnetzriesen mit Medien- und Entertainmentinhalten als Anbieter von Inhalten auf dem Markt neu auf.

Laut der Prognose geht der Trend dahin, einen Mix lukrativer Multimedia-Dienste über ein IP-basiertes Netz anzubieten. Bereits im kommenden Jahr würden vor allen jene Marktteilnehmer Wachstum erzielen, die Endkunden mit innovativen Mehrwertdiensten versorgten - und zwar schneller und preiswerter als die Mitbewerber. Die großen TK-Anbieter bereiten sich darauf vor, indem sie Festnetz- und Mobilfunksparte zusammenführen.

Ziel der Netzbetreiber ist es, das rückläufige Kerngeschäft mit Gesprächsminuten zu kompensieren. Denn das Vermitteln von Telefonaten bröckelt seit den letzten vier Jahren erheblich. Nach Schätzungen des European Information Technology Observatory (EITO) wird die deutsche TK-Branche schon im nächsten Jahr nur noch rund 60 Prozent ihres Gesamtumsatzes mit dem Abwickeln von Festnetz- und Mobilfunktelefonaten erzielen. 2006 lag dieser Anteil noch bei 70 Prozent.

Stärkere Öffnung zu externen Anbietern nötig

Um das Geschäft mit neuen Dienstleistungen zu forcieren, wollen sich die großen Netzbetreiber zudem stärker als bisher für Produkte externer Anbieter öffnen und künftig deutlich häufiger mit IT-Unternehmen zusammenarbeiten. Es geht darum, Endkunden unter der eigenen Marke zusätzlich zu Telefon und Anschluss auch mit passenden Software- oder Internetdiensten zu versorgen.

Umgekehrt ist für die Partner aus der IT die Attraktivität der TK-Unternehmen groß, denn darüber bekommen sie Zugang zu deren enorm großen Kundenstamm. Die Netzbetreiber begegnen damit dem stark gestiegenen Wettbewerb durch Content-Anbieter und Endgerätehersteller, die ihrerseits mit Komplettangeboten neue Kunden gewinnen wollen.

Allerdings müssten die Netzbetreiber für den Übergang zum Multimedia-Dienstleister ihre Infrastruktur neu ordnen. Unterschiedliche Abläufe gelte es zu harmonisieren, IT-Landschaften miteinander zu verschmelzen und Begriffswelten zu vereinheitlichen. Darüber hinaus investieren die Anbieter in den kommenden drei Jahren einen noch größeren Teil ihres Budgets in besseren Service, kürzere Produkteinführungszeiten sowie geringere Transaktionskosten.



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