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Joachim Scheible

19. März 2008

Telekommunikation: Wachstumsmotor der EU

Mit einem Wachstum von 1,9 Prozent im Jahr 2007 spielt die Telekommunikation weiterhin eine Schlüsselrolle in der eu- ropäischen Wirtschaft.

Laut dem heute veröffentlichten 13. Implementierungsbe- richt zum europäischen Binnenmarkt für elektronische Kom- munikation ist der Gesamtumsatz dieses Sektors im ver- gangenen Jahr um vier Milliarden auf 293 Milliarden Euro gestiegen. Mit 44 Prozent stellt die Telekommunikation den größten Einzelbereich des gesamten ITK-Sektors dar.

Während sich der Mobilfunk weiterhin ausdehnt und auch die Festnetz-Breitbanddiensteein fortgesetzt starkes Wachstum aufweisen, sind die Umsätze aus der Festnetz-Sprachtele- fonie 2007 weiter zurückgegangen.

Dazu konnten sich die Verbraucher über Preissenkungen vor allem bei Mobil- funk-Sprachtelefondiensten freuen. Daneben gab es eine größere Vielfalt vonAngeboten wie mobile Breitbandverbindungen und noch schnellere Festnetz- dienste,insbesondere Glasfaseranschlüsse.

Auf den meisten EU-Märkten sind steigende Absatzzahlen und fallende Preise zu verzeichnen, was den Schluss zulässt, dass der durchschnittliche europäische Verbraucher bei den elektronischen Kommunikationsdiensten 2007 insgesamt besser da stand als im Jahr zuvor.

Mobilfunk: Versorgungsgrad bei 111,8 Prozent

Die Mobilfunkumsätze sind von 133 Milliarden Euro im Jahr 2006 auf rund137 Milliarden Euro in 2007 gestiegen, was einer Zunahme von 3,8 Prozent entspricht. Diese Steigerung hatte im Vorjahr allerdings noch 4,1 Prozent betragen. Der Versorgungsgrad hat ebenfalls weiter zugenommen und nun einen theoretischen Wert von 111,8 Prozent derBevölkerung erreicht, gegenüber 103,2 Prozent im Vorjahr.

Die geringere Umsatzsteigerung ist laut der EU-Kommission Ausdruck des ver- schärften Wettbewerbs und sinkender Endverbraucherpreise in Verbindung mit einer Marktsättigung in den meisten Ländern und sinkenden Terminierungs- entgelten. Während die Preise bei geringer Nutzung um etwa zehn Prozent sanken, fielen sie bei mittlerer und starker Nutzung um fast 14 Prozent.

Mit etwa 14 Prozent des Gesamtumsatzes stellt der SMS-Dienst weiterhin eine größere Einnahmequelle als andere Datendienste dar, die in 2007 dennoch ein beträchtlichesWachstum verzeichneten und nun sieben Prozent des Umsatzes ausmachen, gegenüber fünf Prozent im Jahr 2006.

Der Mobilfunk der 3. Generation hat sich im Jahr 2007 rasant entwickelt: Derzeit gibt esin den Mitgliedstaaten 86 Betreiber, die kommerzielle 3G-Dienste anbie- ten, gegenüber 70 imVorjahr. Der 3G-Versorgungsgrad ist von elf Prozent zum Jahresende 2006 auf geschätzte 20 Prozent zum Jahresende 2007 gestiegen, was über 88 Millionen Nutzer ausmacht. Datenkarten für den mobilen Breitband- zugang werden zu einer wichtigen Umsatzquelle.

Weiter Rückgang bei Festnetz-Sprachtelefonie

Wie schon im Jahr 2006 sind die Umsätze mit Festnetz-Sprachtelefondiensten weiter um etwafünf Prozent zurückgegangen, der Gesamtumsatz wird auf 79 Milliarden Euro geschätzt. Dassinkende Verkehrsaufkommen kann der fortge- setzten Umstellung auf IP- undMobilfunkdienste zugeschrieben werden.

Die Anteile der etablierten Betreiber am Festnetzmarkt haben sich beinahe sta- bilisiert, außer bei den Auslandsgesprächen, die weiter rückläufig sind. Dagegen konnten in einigen Ländern die etablierten Betreiber auf einem noch immer stark konzentrierten Markt ihre Marktposition ausbauen. Dennoch hat die Zahl der von neuen Marktteilnehmern bereitgestellten direkten Teilnehmeranschlussleitungen zugenommen.

Die Umsätze mit Datendiensten im Festnetz, vor allem mit Breitbanddiensten, erfahrenweiterhin ein starkes Wachstum. In diesem Bereich beträgt der Gesamt- umsatz rund 62 Milliarden Euro, gegenüber 58,5 Milliarden Euro im Jahr 2006. Die Zahl der Festnetz-Breitbandanschlüsse lag am 1. Januar 2008 bei über 99 Millio- nen, gegenüber 80 Millionen im Januar 2007. Der mittlere Versorgungs- grad stieg in der EU von 16,3 Prozent im Januar 2007 auf 20,0 Prozent im Januar 2008.

Breitband: Ländliche Gebiete im Nachteil

Beträchtliche Unterschiede bestehen zwischen der Breitbandversorgung städti- scher undländlicher Gebiete. So liegt beispielsweise die DSL-Verfügbarkeit in ländlichen Gebieten mit71,3 Prozent unterhalb des nationalen Durchschnitts von 89,3 Prozent (94 Prozent in den Städten).

Bei Kabelanschlüssen ist der Unterschied sogar noch größer, denn es gibt sie nur in 7,4 Prozent der ländlichen Gebiete, gegenüber einem nationalen Durchschnitt von 35,6 Prozent. Besonders groß ist der Abstand bei der Verfügbarkeit von DSL- und Kabelanschlüssen zwischen ländlichenGebieten und dem Landesdurchschnitt in der Slowakei, Lettland und Deutschland.

DSL ist noch immer die deutlich vorherrschende Breitbandzugangstechnik in der EU, die beietwa 80 Prozent aller Anschüsse eingesetzt wird. Angesichts einer Wachstumsrate von 22,4 Prozent im Jahr 2007, gegenüber 34,5 Prozent im Jahr 2006, hat sich die relative Position der DSL-Anschlüsse im Vergleich zu anderen Techniken aber gewandelt.

Die Zunahme der Kabel-Breitbandanschlüsse lag im Januar 2007 bei 21,7 Prozent und warbesonders stark in Deutschland, Polen, Großbritannien, Spanien, Ungarn undBelgien. In den Mitgliedstaaten mit dem größten Anteil von Glasfaseran- schlussleitungen,Schweden, Litauen und Estland, hat der Marktanteil dieser Technik im Vergleich zuEnde 2006 zugenommen. Der Drahtloszugang ist eine wichtige Zugangstechnik vor allem in derTschechischen Republik, Irland und der Slowakei.


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