Interview

ZTE: "LTE-Empfang auch bei 500 km/h"

connect sprach mit Slawomir Sadowski, Project Director, ZTE Deutschland, über die Postion des Infrastrukutur-Herstellers bei LTE und die möglichen Ausbaustrategien.

Interview mit ZTEs Project Director Slawomir Sadowdski

© ZTE

Interview mit ZTEs Project Director Slawomir Sadowdski

Gerade sind die Netzbetreiber dabei, LTE breitflächig auszubauen. Wie gut ist ZTE bei dem neuen Mobilfunkstandard aufgestellt?

ZTE hat weltweit schon viele kommerzielle LTE-Netzwerke aufgebaut. Bis zum vierten Quartal 2011 hat ZTE 30 kommerzielle Verträge geschlossen und fast 100 Versuchsnetzwerke mit führenden Netzbetreibern getestet. So nahm ZTE mit CSL, dem größten Netzbetreiber Hongkongs, zwischen 2010 und 2011 das erste Netzwerk mit 1,8 GHz, 2,6-GHz-LTE und 2,1-GHz-Dual-Carrier-HSPA in Betrieb. 

Der schwedische Netzbetreiber Hi3G startete zusammen mit ZTE im Jahr 2011 das weltweit erste 2,6-GHz-LTE-Mobilfunknetz mit TDD und FDD (Anm. d. Red.: Time Division Duplex und Frequency Divisison Duplex; im ersten Fall werden Up- und Download auf unterschiedliche Zeitschlitze verteilt, im zweiten in unterschiedliche Frequenzbänder). Gerade jetzt (Anm. d. Red.: Mai 2012) wurde die Zusammenarbeit mit Hi3G in Schweden auf eine strategische Kooperation für ein LTE-Multi-Mode-Netz ausgedeht.

Das Abkommen, das in Anwesenheit des chinesischen Premierministers Wen Jiabao und Schwedens Premierminister Fredrik Reinfeldt in Stockholm unterzeichnet wurde, sieht die Lieferung von mehreren tausend UMTS/LTE-Basistationen im Wert von 74 Mio für die Erweiterung des LTE-Netzes vor Darüber hinaus gibt es weitere Erfolgsgeschichten mit Netzbetreibern wie Telenor, Zain, U-Cell, Softbank und anderen.

Mit 800 MHz, 1,8 GHz und 2,6 GHz haben die meisten Netzbetreiber drei Frequenzbänder zur Verfügung. Wie sieht eine sinnvolle Strategie beim Ausbau aus?

Es gibt drei Wege, um die Kapazität eines Netzwerks zu erhöhen. Erstens durch die Vergrößerung der Bandbreite, etwa von 5 MHz UMTS auf 20 MHz LTE. Zweitens durch die Teilung der Zellen, etwa über die Reduzierung der Abstände zwischen Standorten, und drittens durch Hinzufügen sehr kleiner Zellen, also Pico-Cells oder Femto-Cells. Mit einem breiten Spektrum kann man die Leistungsfähigkeit eines Mobilfunknetzes stark verbessern. Als Beispiel können 800 MHz für die Grundabdeckung und die Versorgung in Innenräumen dienen, 1,8 GHz für den ländlichen Raum und 2,6 GHz für kleine Zellen in stark bevölkerten Gebieten.

Wie nah können die Zellen bei den einzelnen Frequenzen sinnvollerweise platziert sein, ohne dass sie sich stören? Wie weit dürfen sie auseinanderrücken, ohne dass es zu Funklöchern zwischen den Zellen kommt?

Da bei LTE verschiedene Zellen das gleiche Frequenzspektrum nutzen, werden störende Interferenzen umso stärker, je näher die Standorte zusammen liegen. Es gibt Methoden, um Interferenzen zu reduzieren, etwa das richtige Ansetzen der Leistung und die Koordination zwischen den Standorten. Auch die Richtwirkung spezieller Antennen, das so genannte Beamforming, bringt hier etwas. Bei vergleichbaren Zellgrößen, also zwischen Macro- oder Pico-Zellen, lassen sich Interferenzen normalerweise sehr gut in den Griff bekommen. Und weil als Kodierverfahren OFDM benutzt wird, sind Abdeckungsprobleme, wie wir sie von GSM im Upload kennen, bei LTE deutlich geringer.

Können die Netzbetreiber für den Ausbau mit LTE-Basisstationen überwiegend auf GSM- oder UMTS-Standorte setzen?

Ja, die maximale Wiederverwendung vorhandener Standorte und Ausrüstung ist eines der Hauptziele der Uni-RAN-Lösungen von ZTE. So kann ein neues ZTE-Rack mit 75 x 70 Zentimetern Grundfläche bis zu neun Radios beherbergen. Diese neun Radios können für drei Bänder (800, 1800 und 2100 MHz) und drei Technologien (GSM, UMTS, LTE) eingesetzt werden. Nach einem Update alter GSM- und UMTS-Technik kann damit auf LTE erweitert werden und dennoch Platz, Miete und Energie gespart werden.

Jeder Mobilfunkstandort kann mehrere Sektoren mit der Maximalbandbreite versorgen. Wie viele Sektoren haben ZTE-Zellen maximal?

Die meisten Standorte sind in drei Sektoren aufgeteilt. Mitunter werden aber auch schmaler strahlende Antennen für sechs Sektoren verwendet. Durch Interferenzen zwischen den Antennen verdoppelt sich der Datendurchsatz aber nicht ganz.

MIMO, also die Nutzung mehrerer Antennen in einem Band, ist eines der großen Themen bei LTE. Wie darf ich mir das bei den Mobilfunkzellen vorstellen? Hat eine Station unterschiedlich polarisierte oder weit auseinanderliegende Antennen? Können die beiden Antennen auf der Netzseite auch von unterschiedlichen Mobilfunkstationen kommen?

Normalerweise baut LTE für MIMO auf die verbreiteten kreuzpolarisierten Antennen. Bei der Modernisierung der Standorte bietet es sich an, kreuzpolarisierte Mehrband-Antennen einzusetzen, weil man so weniger Antennen braucht. Als Innovation hat ZTE eine aktive Antenne mit integrierter RF-Elektronik und acht kreuzpolarisierten Elementen im Programm, deren Richtwirkung als sogenanntes Beamforming elektronisch gesteuert werden kann.

Mit welcher Geschwindigkeit darf sich ein LTE-Empfänger innerhalb eines gut ausgebauten Netzes bewegen, ohne dass es zu Verbindungsproblemen kommt?

Im Moment sind maximal 350 km/h möglich. Aber unsere Forschungs- und Entwicklungsabteilung entwickelt und testet mit China High Railway mit dem Ziel, bis zu 500 km/h zu erreichen.

Wie schätzen sie das Potenzial ein, per Software Defined Radio (SDR) Mobilfunkzellen zwischen den Mobilfunkstandards umzuschalten? Ist es denkbar, dass in einem Frequenzband an verschiedenen Orten unterschiedliche Standards genutzt werden?

ZTE ist Pionier in Sachen Multi-Standard-Radio. Das weltweit erste Netzwerk, das auf SDR beruht, hat CSL Hong Kong von ZTE. Heute bietet unsere gesamte Radiotechnik mehrere Bänder und mehrere Standards. Über SDR lassen sich die Gesamtbetriebskosten (TCO: Total Cost of Ownership) stark reduzieren, weil die Evolution eines Netzwerkes so einfach ist. So lässt sich bei SDR-1800-Hardware die ursprünglich reine GSM-1800-MHz-Lösung auf GSM plus LTE bei 1800 MHz erweitern. Das ist einer der einmaligen Verkaufsvorteile, den ZTE den Netzbetreibern weltweit bietet.

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