Mit 20 000 binnen Tagen verkauften Eee PCs sieht sich Asus vom Erfolg überrannt. Ist der kleine Rechner das Produkt für die Massen?


Wen beim Stadtbummel der kleine Hunger überkommt, der sucht selten nach einem mehrgängigen Menü à la Alfons Schuhbeck. Da ist die Currywurst von der Pommesbude die passendere Lösung, um neue Energie fürs Shopping zu tanken.

Genauso braucht man nicht für jede Aufgabe gleich einen hochpotenten Doppelprozessor-Rechner, der vor zwei Dekaden noch einer mittleren Uni als Rechenzentrum gereicht hätte. Ein bisschen Office und Internet sind auf Reisen zwar hilfreich, doch Gründe, nicht gleich ein großes Notebook mitzuschleppen, gibt es wahrlich genug – sei es, dass einem Gewicht und Größe im wahrsten Sinne des Wortes zur Last fallen oder dass man die Beschädigung des Geräts oder den Verlust von Hardware und Daten fürchtet.

Genau diese Bedenken sind es, die sich zu guten Argumenten für den Eee PC 4G von Asus entpuppen, schließlich wiegt er noch unter einem Kilo. In Orginalgröße ist er links unten zugeklappt zu sehen – wahrlich ein kleiner Geselle, der auch in vielen Handtaschen sein Plätzchen finden dürfte.

Viel Notebook fürs Geld

Dabei ist der Eee PC entgegen der gängigen Lehre, dass kleine Mobilrechner besonders viel kosten, mit knapp 300 Euro ein echtes Schnäppchen. Für diesen Preis kommt der Rechner mit einer von Xandros gelieferten Linux-Distribution. Neben dem Betriebssystem sind auch gängige Programme wie ein E-Mail-Client, der Firefox-Internet-Browser, ein Media-Player, eine Office-Suite und vieles mehr vorinstalliert, sodass man nach dem Kauf direkt loslegen kann.

Im Test zeigte sich der Eee PC unseren Windows-spezifischen Dateien gegenüber sehr aufgeschlossen, egal, ob diese im Word-, Excel- oder Powerpoint-Format oder als Windows Media Audio- oder Video-File daherkamen. Wer je ein frisch gekauftes Windows-Notebook für den ersten Einsatz fit gemacht hat, ist hier erstaunt, wie einfach Computing sein kann.

Beim Arbeiten stößt man aber auch schnell  an die vielleicht hinderlichste Beschränkung des Eee-PC-Konzepts: die Display-Auflösung von nur 800 x 480 Pixeln. Im Vergleich zu PDA-Phone-Displays ist das zwar ein gewaltiger Fortschritt, gegenüber gewöhnlichen Notebooks muss man aber doch einige Abstriche machen. Hier wäre – auch angesichts der Größe des Displaydeckels – deutlich mehr drin gewesen. Das wiederum hätte jedoch wohl das preisliche Limit genauso gesprengt wie ein Plus an Massenspeicher.

Kein Speicherwunder

Von Massenspeicher muss hier geredet werden, weil der Eee PC wie das MacBook Air von Apple in der teuersten Variante mit sogenanntem Solid-State-Speicher arbeitet. Im Gegensatz zum fast zehnmal teureren Luxusrechner von Apple mit 64 Gigabyte muss der Eee PC aber mit 4 Gigabyte Speicherplatz auskommen. Das ist deutlich weniger, als man selbst von preiswerten Notebooks mit Festplatte gewohnt ist.

Immerhin: Mit allen für den täglichen Bedarf wichtigen Programmen an Bord bleiben noch 1,4 Gigabyte an freiem Speicher übrig. Wo die nicht ausreichen, hilft die SD-Card, die der Eee PC auch im von 4 bis 32 Gigabyte reichenden High-Capacity-Format (SDHC) unterstützt.

Auch wenn bei diesem jungen Standard noch mit Inkompatibilitäten zu rechnen ist, machte zumindest unser Testgerät mit gängigen SDHC-Speicherkarten keine Probleme. Weitere Sockel für Speicherkarten wie PC- oder ExpressCards unterstützt der kleine Mobilrechner nicht. Auch auf ein optisches Laufwerk hat Asus zugunsten von Größe und Preis verzichtet.

Massig Schnittstellen

Großzügig ist der Eee PC in Sachen Schnittstellen: Neben einem VGA-Anschluss, der in der Standard-Konfiguration maximal 1024 x 768 Pixel unterstützt, sind Kopfhörer, Mikrofon, Ethernet und drei Mal USB zu finden. Als drahtloses Interface kommt noch WLAN (b/g) dazu, was den Eee PC zu Hause auf dem Sofa zum idealen Feierabend-Begleiter macht.

Das Setup einer WLAN-Verbindung unter Linux fällt dem Geübten auch ohne Betriebssystemvorkenntnisse sehr leicht. Wer dennoch nach fachkundigem Rat sucht, wird im Internet schnell fündig, denn zahlreiche Seiten haben sich fast ausschließlich der Erweiterung des Wissens rund um den Eee PC gewidmet. Wer etwa ein Handy als HSDPA-Modem für den Zugang ins Internet nutzen will, sucht einfach unter www.eeenews.de nach einem N95-Thread, in dem eine kurze Beschreibung und viele Kommentare zeigen, wie einfach das ist.

Überhaupt finden sich rund um den Eee-PC zahlreiche Einträge im Internet, die etwa beantworten, mit welchem Bluetooth-Stick sich der Kurzstreckenfunk problemlos nachrüsten lässt oder mit welchem Tool der eingebaute Prozessor übertaktet werden kann. Hier hat die Linux-Gemeinde ein höchst attraktives Betätigungsfeld gefunden.

Bedienfreundlich

Doch Computer-Spezialisten sind bei Weitem nicht die einzigen, die der Attraktivität des kleinen Asus erliegen. So beklagte sich ein Kollege, nachdem er den Eee PC am Abend mit nach Hause genommen hatte, am nächsten Tag ausgiebig in der Redaktion: Seine Frau hatte sich auf dem Sofa schnell des attraktiven Computers bemächtigt und ihn bis zur nach typischerweise etwa drei Stunden aufgetretenen Erschöpfung des Akkus als Web-Terminal in Beschlag genommen.

Schlimmer noch als die Entbehrung des neuen Spielzeugs war die damit verbundene Schmach – das Edelnotebook des Redakteurs hatte nie diese Begehrlichkeiten bei der Partnerin ausgelöst. Interessanterweise trägt gerade das häufig als kompliziert geschmähte Linux hier zum Eindruck einer überaus bedienerfreundlichen Einfachheit bei. Die in vielerlei Hinsicht mächtigeren Windows-Notebooks wirken dagegen fast schon überladen.

Wobei sich auf dem Eee PC mit einem externen optischen Laufwerk auch Windows XP installieren lässt; die entsprechenden Treiber und Tools stellt Asus bereit. Doch angesichts der gebotenen Displayauflösung und Speicherausstattung sowie der selbst für die preiswerteste XP-Version nicht gerade geringen Kosten sollte eine solche Umrüstung nur in sehr speziellen Fällen in Erwägung gezogen werden.

Mechanisch macht das nicht ganz knarzfreie Gehäuse schließlich den Eindruck, als würde es seine Qualität lange beibehalten – eine Qualität, die dem geforderten Preis ein gutes Stück enteilt ist. Selbst der eingebaute Lüfter tut nahezu unhörbar seinen Dienst.

Fazit

Asus wird nicht müde zu betonen, dass der Eee PC kein Notebook ist. Diesem Urteil kann ich mich anschließen, denn zum vollwertigen Mobilrechner fehlt ihm erstens eine entsprechende Displayauflösung, zweitens Speicherplatz und drittens die Kompatibilität mit exotischen Anwendungen wie zum Beispiel Photoshop, InDesign oder Premiere. Doch davon abgesehen kann er normale Ansprüche an ein Notebook zum größten Teil erfüllen, und das zu einem Bruchteil des Preises.

Wer mit kleineren Einschränkungen unterwegs oder abends auf der Couch klarkommt, erhält mit dem Eee PC einen sehr kompakten elektronischen Begleiter für kleines Geld, der im Zusammenspiel mit einem Handy auch ein guter Ersatz für ein PDA-Phone ist. Dabei kann der kleine Asus dank seiner softwareseitig sehr reichhaltigen Ausstattung aus dem Stand benutzt werden; alle wichtigen Applikationen sind im Auslieferungszustand bereits fertig konfiguriert.

Ambitioniertere Anwender können ihn jedoch auch als Linux-Experimentierfeld benutzen. Da der Eee PC schon eine stattliche Community im Netz gefunden hat, ist breite Unterstützung für beide Zielgruppen garantiert. Wer ein Einsatzgebiet für den Eee PC hat, bekommt den Spaß so praktisch umsonst dazu.

Bezahlbare Alternativen

Ob es der aufgerufene Preis von 300 Euro ist oder das Gewicht von nur gut 900 Gramm – der Eee PC macht sich klein. Läuft er damit außer Konkurrenz? Wer sich die Frage stellt, ob es etwas zum Asus Eee PC Vergleichbares gibt, sollte sich die Rahmendaten vor Augen halten. Schon allein das eine Kilo Gewicht zeigt eine bei Subnotebooks selten gesehene  Leichtigkeit.

Apples MacBook Air liegt in dieser Klasse, ebenso das TZ-31 von Sony oder Toshibas Portégé R500 und nicht zuletzt die P-Serie von Fujitsu Siemens. Doch für diese richtigen Subnotebooks werden auch richtige Preise verlangt: 1500 Euro auszugeben ist bei diesen Luxusleichtgewichten kein Problem, je nach Ausstattungsvariante darf es auch das Doppelte sein. Nur für 300 Euro sind diese Preziosen nicht zu haben.

Bei der Suche nach einer Alternative muss man also entweder beim Preis oder beim Gewicht Abstriche machen. Zieht man die zweite Variante vor, käme etwa das zwei Kilo schwere Acer Aspire 2920 in Betracht (Test in connect 1/08), das ein 12-Zoll-Display mit 1280?x?800 Pixeln Auflösung und einen eingebauten DVD-Brenner mitbringt. Mit 800 Euro ist es deutlich günstiger als die Ultra-Leichtgewichte, allerdings noch um einiges vom Eee PC entfernt: Dieser wiegt und kostet nicht mal halb so viel.

Nur Second-Hand ist günstiger

Will man den Preis weiter drücken, bleibt nur der Weg über ein Second-Hand-Gerät – immerhin gehen bei Ebay immer wieder gebrauchte Notebooks in der Preisklasse um 300 Euro weg. Angeboten werden allerdings verdächtig häufig Rechner mit Pentium-M-Prozessor, was auf Modelle von Mitte 2006 und früher schließen lässt.

Wer weiß, dass Lithium-Ionen-Akkus mitunter schon nach anderthalb Jahren den Geist aufgeben, wird sich auch von Aussagen wie „Der Akku wurde von uns 20 Minuten auf Laufzeit überprüft. Die genaue Akku-Laufzeit ist uns nicht bekannt“ kaum beruhigen lassen. Im Zweifel sollte man lieber etwas tiefer in die Tasche greifen und dem Eee PC oder neuen Alternativen den Vorzug geben.

Bernd Theiss 10.10.2008

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