Menü
Hintergrund

Android: Die Geschichte des Erfolgs

Android
Googles Android ist klare Nummer eins bei den Smartphone-Plattformen. Was macht den Erfolg aus? Wir zeichnen die Geschichte von Android nach.

Kein Witz: Der Erfinder von Android, der im Moment erfolgreichsten Smartphone-Plattform, startete seine Karriere beim Erzfeind aus Cupertino. Andy Rubin beginnt 1989 als Software-Entwickler bei Apple, wechselt zu General Magic, wo er an einem Konzept für einen der ersten PDA-Taschencomputer mitwirkt, und gründet nach Stationen bei weiteren IT-Firmen im Oktober 2003 in Palo Alto mit Rich Miner, Nick Sears und Chris White das Unternehmen Android Inc.

2005: Google kauft Android Inc.

Bei einer Veranstaltung an der Universität Stanford lernt Rubin Google-Gründer Larry Page kennen, den die Vision von einem offenen Betriebssystem für mobile Geräte elektrisiert. Im August 2005 kauft Google Android Inc. für 50 Millionen US-Dollar. „Das war die beste Übernahme aller Zeiten“, jubeln die Bosse des Suchmaschinengiganten einige Jahre später.

Mit dem Takeover kommt auch Rubins Partner Rich Miner an Bord (er ist heute bei der Investmenttochter Google Ventures). Andy Rubin übernimmt die Android-Entwicklungsabteilung und drückt aufs Gas – zwei Jahre später ist das Android-Beta-Kit für Entwickler fertig.

Im März 2013 hat Rubin übrigens seinen Job als Android-Chef niedergelegt, über die Gründe des Rücktritts wird derweil spekuliert. Der Erfolg von Android war da aber schon zementiert.

2007: Prominente Partner

Zurück zu den Anfängen: Selbst die revolutionäre Idee aus dem Hause Google kommt nicht ohne prominente Partner aus: Am 5. November 2007 geben die Google-Bosse Larry Page und Sergey Brin die Gründung der „Open Handset Alliance“ bekannt. Die internationale Vereinigung besteht zunächst aus 34 Unternehmen, darunter Handyhersteller, Mobilfunknetzbetreiber, Halbleiterproduzenten, Softwarefirmen und Marketingspezialisten.

Von Anfang an dabei sind die Handylieferanten HTC, LG, Motorola und Samsung, die Netzbetreiber T-Mobile (Deutschland), China Mobile, NTT DoCoMo (Japan), Sprint (USA) und Telefónica (Spanien); außerdem renommierte Chipfabrikanten wie Intel, Nvidia, Qualcomm und Texas Instruments.

„Mit nahezu drei Milliarden Nutzern weltweit hat sich das Mobiltelefon zum persönlichsten Kommunikationsgerät entwickelt. Android wird die Geschwindigkeit beschleunigen, mit der den Konsumenten neue und verlockende, mobile Dienste zugänglich gemacht werden“, heißt es in der damaligen Ankündigung. Und Google sollte recht behalten.

Ein Jahr später treten Vodafone, Asus, Huawei und Sony Ericsson dem nicht gerade exklusiven Android-Club bei. Aber um Exklusivität geht es auch nicht, ganz im Gegenteil: Google will der Technikinnovation iPhone das geballte Know-how zahlreicher Branchengrößen entgegensetzen und den Massenmarkt mit Touch-Handys erobern.

Willkommener Nebeneffekt für alle Beteiligten: Da es sich bei Android OS um eine quelloffene, freie Software handelt („Open Source“), werden für deren Nutzung keine Lizenzgebühren fällig.

2008: Das erste Android-Phone

Im Herbst 2008 kommt das erste, vom taiwanesischen Hersteller HTC gefertigte Google-Phone in die Shops – zunächst in den USA, ein knappes halbes Jahr später auch in Deutschland, wo die Telekom das T-Mobile G1 für rund 330 Euro ohne Vertrag verkauft.

Auf dem recht klobigen Handy-Organizer, der mit einer aufschiebbaren Tastatur ausgestattet ist, läuft Android 1.1, doch bereits in der Erstversion des Google-Systems sind wegweisende Features vorhanden: Neben der Benachrichtigungsleiste gibt’s die tief im System verankerte Integration hauseigener Dienste wie Google Mail, einen Homescreen mit Widgets und den Android Market, der 2009 allerdings gerade einmal mit etwas mehr als 2000 Apps bestückt ist.

T-Mobile G1

Der Vorreiter: T-Mobile G1

Das erste Google-Phone kam in Deutschland 2009 auf den Markt - zunächst nur bei der Telekom.

vergrößern

2009: Android Cupace (1.5)

Deutlich smarter als das T-Mobile G1 kommt im Frühjahr 2009 das HTC Magic daher, das anfänglich nur bei Vodafone zu haben ist – zum stolzen Preis von rund 570 Euro. Dafür bekommt der Kunde ein 15 Millimeter flaches Smartphone ohne Hardware-Tastatur, aber mit HSPA (bis 7,2 Mbit/s), WLAN 802.11b (maximal 54 Mbit/s), GPS, Bluetooth 2.0, 3,2-Zoll-Display und einer 3-Megapixel-Cam, die auch Videos aufzeichnen kann – allerdings nur im CIF-Format mit 352 x 288 Bildpunkten.

Magisch erscheint vielen Nutzern aber vor allem das Update auf Android 1.5, das der HTC-Zögling mitbringt: Diese Version läuft nicht nur geschmeidiger als der Vorgänger, sondern sorgt auch für schnellere Kamera-Auslösezeiten. Außerdem versüßt Google seinen Fans seit dieser Version das Warten auf eine neue Betriebssystemvariante mit appetitanregenden Zusatzbezeichnungen: Android 1.5 darf sich mit dem Codenamen „Cupcake“ (kleine Torte) schmücken, Android 1.6 geht als „Donut“ (Hefekrapfen) in die Handygeschichte ein und Android 2.0 als „Eclair“ (mit Creme gefülltes, längliches Gebäck).

Der Spleen der Techniker im Google-Hauptquartier in Mountain View geht sogar so weit, dass lange vor der finalen Feature-Übersicht der zuckrige Name für das nächste Update festgeklopft wird: Android 5.0, das Mitte Mai 2013 auf der Google-Entwicklerkonferenz I/O präsentiert werden soll, trägt den Namen eines Limettenkuchens („Key Lime Pie“).

Sicherlich wird die Android-Community bei dieser Gelegenheit nicht nur über neue Software- Trends diskutieren, sondern auch über die aktuellen Erfolgszahlen, die „ihr“ System zum Quasi- Standard der vernetzten Kommunikationswelt machen – weit vor dem Verfolger Apple und schon fast außer Sichtweite der übrigen Konkurrenten aus dem Microsoftoder Blackberry-Lager.

Nach einer aktuellen Goldmedia-Studie besitzt fast jeder zweite deutsche Smartphone-User ein Android-Gerät.
Nach einer aktuellen Goldmedia-Studie besitzt fast jeder zweite deutsche Smartphone-User ein Android-Gerät. ©

Gegenwart: Samsung liegt in Führung

Insgesamt hat das Google-System seinen Marktanteil in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert und lag im vierten Quartal 2012 bei 69,7 Prozent gegenüber 51,3 Prozent im gleichen Zeitraum des Vorjahres (Quelle: Gartner Research). Zwischen Oktober und Dezember 2012 wurden rund 145 Millionen Android-Smartphones verkauft, das sind mehr als dreimal so viel wie iPhones (43,5 Millionen, 20,9 Prozent Marktanteil).

Allerdings haben nicht alle Mitglieder der Android-Allianz Grund zur Freude: Fast die Hälfte aller abgesetzten Geräte (42,5 Prozent) sind die Galaxy-Modelle aus dem Hause Samsung, während sich die anderen Hersteller mit einstelligen Prozentzahlen bescheiden müssen.

Schon früh legt Samsung den Grundstein für diesen überwältigenden Erfolg: Im Sommer 2009 erscheint das Galaxy I7500 als smarter Pionier der Baureihe – mit einem 3,2 Zoll großen Display und einer 528-MHz-CPU von Qualcomm. „Dass die Südkoreaner Android eher dem privaten Umfeld zuordnen, ist daran zu sehen, dass sie das 549 Euro teure Galaxy I7500 unter Verzicht auf Ziffern- oder Qwertz-Tastatur mit einem Touchscreen versehen“, vermerkt connect in seinem damaligen Testbericht.

Top 10: Die besten Android-Handys im Test

Positiv fallen die Ausstattung mit den Datenturbos HSDPA und HSUPA, die gute Verarbeitung und die Akkulaufzeit auf. Auch gibt es hier reichlich Platz für Musik, Videos oder Apps, und das nicht nur auf der optionalen Micro-SD-Karte: „Neben der Marke Samsung könnte für viele Android-Interessenten ein Ausstattungsfeature eine große Rolle spielen: Der über 8 GB große Speicher sorgt neben dem extrem farbstarken Display dafür, dass das Galaxy als Unterhaltungskünstler mehr zu bieten hat, als man von Smartphones erwartet.“

So der connect-Testbericht. Heute wird diese Ausstattung schon von Einsteiger-Phones wie dem Huawei Ascend Y201 Pro übertroffen, die für weniger als 100 Euro zu haben sind – aber das ist eine andere Geschichte.

Das Erfolgsgeheimnis

Wie aber hat es das Google-Konglomerat so schnell geschafft, vom Außenseiter zum Marktführer zu werden und den 2007 mit viel Vorschusslorbeeren gestarteten Smartphone-Innovator Apple in die Knie zu zwingen? Zunächst einmal durch pure Masse: Während derzeit nur drei iOS-Smarties im Handel sind (die iPhones 4, 4S und 5), gibt es über 100 Androiden mit unterschiedlichen Softwareständen.

Aktuell ist die Version 4.2; in Elektroniksupermärkten sind aber auch noch Geräte mit der veralteten Version 2.3 („Gingerbread“) zu finden, die vor mehr als zwei Jahren eingeführt wurde. Dass diese Variantenvielfalt eine effiziente Update-Politik erschwert, dürfte jedem Käufer klar sein.

Dafür gewährleistet der offene Ansatz der Android-Allianz, dass es Geräte für jeden Anspruch und Geldbeutel gibt, was auch die Nachfrage in Ländern wie China, Indien oder Brasilien sicherstellt. Zur Popularität des Google-OS trägt zweifellos auch bei, dass es sich im Alltag weitaus generöser zeigt als der Kontrahent iOS von Apple.

So kann man Daten aller Art per USB-Kabel oder Speicherkarte auf jeden Androiden übertragen, und der Startscreen lässt sich bequem personalisieren. Bei den Apps liefert sich Google ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Apple: Aktuell sind im Play Store etwa 900 000 Miniprogramme verfügbar. Fast jedes fünfte ist ein Spiel. Viele dieser Games sind sehr einfach und laufen auch auf Geräten, mit denen No-Name-Hersteller aus der Volksrepublik das eigene Volk bedienen.

Im Herbst 2012 erreichte der Google Play Store die Marke von 25 Milliarden App-Downloads (Anmerkung: Die amerikanische Billion ist eine Milliarde).
Im Herbst 2012 erreichte der Google Play Store die Marke von 25 Milliarden App-Downloads (Anmerkung: Die amerikanische Billion ist eine Milliarde). ©

Gleichzeitig nehmen die chinesischen Großkonzerne Huawei und ZTE verstärkt die Märkte in Nordamerika und Europa ins Visier, wo sie neuerdings sogar im High-End- Segment angreifen. Noch fehlt diesen Marken die Strahlkraft von Samsung & Co – aber wie schnell sich der Wind drehen kann, mussten in den letzten Jahren schon mehrere Mitglieder der Android-Allianz erfahren.

Um den Wiedererkennungswert zu steigern und die Kundenbindung zu erhöhen, veredeln die meisten Anbieter ihre Android-Phones mit einer eigenen Oberfläche: Bei Samsung heißt sie Touchwiz, bei HTC Sense und bei LG Optimus UI.

Touchwiz, Sense & Co.: Android-UIs im Vergleich

Motorola setzte lange auf Motoblur. Seit Google den Erfinder des Klapphandy- Klassikers Razr für zwölf Milliarden US-Dollar übernommen hat, erwarten Insider von Google ein Topmodell unter eigenem Namen, das die bisher von Samsung oder LG gefertigten Nexus-Modelle in den Schatten stellt.

Passend dazu geistern Gerüchte um ein neues Superphone durchs Internet, das in diesem Frühsommer die nächste Evolutionsstufe Android 5.0 zünden soll. Ob und wann das Gerät mit dem Decknamen Motorola X tatsächlich erscheint, ist aber noch ungewiss.

Jagd auf den Tablet-Thron

Während das grüne Android-Männchen bei den Smartphones die Verfolger in Schach hält, hängt der Apfel in Form des iPad bei den Tablets trotz der frühen Einführung einer speziellen Android-Variante (Android 3.0 „Honeycomb“) unerreichbar hoch. „Android hat zwar in diesem Segment sehr stark zugelegt, aber ohne Apple die Marktführerschaft streitig zu machen“, so Wafa Moussavi-Amin, Managing Director der Unternehmensberatung IDC.

Zudem sei 2012 mit Microsoft ein weiterer potenter Anbieter in den Markt eingestiegen. „Wir erwarten, dass Microsoft dank des Business-Bereichs seinen Marktanteil in den nächsten drei Jahren als einziger Anbieter ausbauen kann, während Android stagnieren wird.“

Spannend bleibt, was die Android-Allianz noch aus dem Hut zaubern wird – vom Kühlschrank bis zum vernetzten Auto. „Mit einer Milliarde Nutzer kann man schon etwas anfangen“, so Google-Chairman Eric Schmidt über die Zielvorgabe seines Konzerns für 2013.

comments powered by Disqus
x