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Android 4.1

Jelly Bean: Die Neuerungen

Android Jelly Bean
Flüssigere Oberfläche, intelligente Suche und dynamische Widgets: Mit Version 4.1 alias Jelly Bean wird Android benutzerfreundlicher. Wir zeigen, was das Update bringt.

Ende Juni 2012 hat Google auf seiner Hausmesse Google I/O die Version Android 4.1 alias Jelly Bean präsentiert. Und die Updatewelle kommt langsam in Schwung. Das Jelly-Bean-Update für das Samsung Galaxy S3 beispielsweise ist vor kurzem in Europa gestartet. Unser Update-Fahrplan zeigt, wenn welche Geräte Android 4.1 bekommen sollen.

Doch was bringt Android Jelly Bean eigentlich? Wir stellen die Neuerungen vor.

Butterweiche Bedienoberfläche

Die wichtigste Verbesserung betrifft die Performance, Google spricht vom „Project Butter“. Jelly Bean reizt laut Entwickler die Mehrkernprozessoren-Technik bei Android-Smartphones und -Tablets besser aus als seine Vorgänger, weshalb das System jetzt „butterweich“ laufen soll: flüssigere Animationen, schnellere Homescreen-Wechsel, keine Verzögerungen beim Scrollen.

Jelly Bean wurde auf der Google i/o 2012 präsentiert.
Jelly Bean wurde auf der Google i/o 2012 präsentiert. ©

Und schon wenige Minuten nach dem Software-Update ist klar: Mission gelungen! Mit Jelly Bean läuft unser Samsung Galaxy Nexus (Zweikernprozessor) runder als noch mit Ice Cream Sandwich. Google verspricht also nicht zu viel, der Geschwindigkeitszuwachs ist im Alltag deutlich spürbar.

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Um die flottere Performance zu realisieren, hat Google die Bildwiederholungsrate bei Android 4.1 auf maximal 60 Frames pro Sekunde (fps) hochgeschraubt und gleichzeitig ein neues Oberflächenverhalten programmiert, das die Fingerberührungen auf dem Touchscreen schneller in Befehle umsetzt. Die Bedienoberfläche an sich hat sich im Vergleich zu Android 4.0 nicht großartig verändert, das Verhalten von Widgets und Direktverknüpfungen auf dem Startbildschirm allerdings schon.

Dynamische Widgets

Erstere sind jetzt dynamisch und passen ihre Größe und Anordnung je nach verfügbarem Platz auf dem Homescreen automatisch an. Konkretes Beispiel: Angenommen, Sie möchten das Kalender-Widget auf der ersten Startscreen-Seite neben die Uhr, die Google-Suchleiste und zwei oder drei Shortcuts quetschen, dann machen die bereits platzierten Elemente automatisch Platz und das Kalender-Widget passt seine Größe der freien Fläche an.

Wenn Sie es dennoch etwas kleiner haben möchten, können Sie das Widget auch von Hand  skalieren. Eine wirklich feine Sache, die die alltägliche Bedienung um einiges komfortabler gestaltet.

Die neuen Benachrichtigungen in Android 4.1 Jelly Bean.
Die neuen Benachrichtigungen in Android 4.1 Jelly Bean. ©

Interaktive Benachrichtigungen

Das gilt auch für die überarbeitete Status- und Benachrichtigungsansicht, die sich öffnet, sobald Sie mit dem Finger senkrecht von oben nach unten über den Bildschirm streichen. Sie können nun auch hier die Ansicht der angezeigten Benachrichtigungen vergrößern, sodass Sie mehr Informationen zu den einzelnen Ereignissen sehen.

Bei neu eingetroffenen E-Mails etwa bekommen Sie gleich eine kleine Vorschau der Nachricht, verpasste Anrufe können Sie direkt zurückrufen, ohne vorher in die Telefon-Anwendung wechseln zu müssen.

Besonders schick: Aus einer Terminerinnerung heraus können Sie mit nur einem Fingertipp eine E-Mail an alle Teilnehmer verschicken. Diese kleinen Verbesserungen bedeuten in der Praxis vor allem eins: Noch mehr Zeitersparnis.

Interaktive Benachrichtungen

Interaktive Statusleiste

Auf verpasste Anrufe, Nachrichten oder etwa Weckfunktionen direkt aus der neuen Statusleiste reagieren.

vergrößern

Intelligente Suchfunktion

Zeitersparnis ist auch das Stichwort für das neue Feature Google Now, die intelligente Such- und Assistenzfunktion von Jelly Bean. Google Now ermittelt und verknüpft anhand Ihres Standortes und Ihrer Surfgewohnheiten unterschiedliche Informationen miteinander, die für Sie relevant sein könnten.

Sie haben zum Beispiel schon mal nach einer Pizzeria gegoogelt? Google Now hat sich das gemerkt, zeigt Ihnen passende Restaurants in der Nähe an und navigiert Sie auch gleich dorthin. Oder Sie sind Sportfan und checken regelmäßig die Ergebnisse „Ihres“ Vereins, dann teilt Ihnen Google Now den aktuellen Spielverlauf automatisch mit. Um den Assistenten zu starten, wischen Sie – egal, ob vom Sperrscreen, vom Startbildschirm oder aus einer App heraus – einfach senkrecht von unten nach oben über das Display.

Nie mehr zu spät kommen

Und da Google Now auch Ihren Terminkalender im Blick hat, kommen Sie nie mehr zu spät: Der Assistent erinnert Sie rechtzeitig daran, aufzubrechen und hat vorher selbstverständlich die aktuelle Fahrplanauskunft wegen möglicher Zugverspätungen überprüft. In der Tat ein mächtiges Feature – allerdings sollten Sie nicht allzu allergisch auf das Thema „Google und der Datenschutz“ reagieren.

Spracheingabe auch offline

Merklich verbessert hat sich mit Jelly Bean auch die Sprachein­gabe für Nachrichten und Such­anfragen. Die Fehlerquote bei der gesprochenen Eingabe ist deutlich geringer als noch bei Ice Cream Sandwich. Der eigentliche Clou ist aber, dass die Sprach­pakete lokal gespeichert sind und daher keine Internetverbindung mehr notwendig ist.

Berührungslos Daten tauschen

Auch das Trendthema NFC hat sich Google zur Brust genommen und mit der überarbeiteten Funktion Android Beam 2 die berührungslose Übertragung etwa von Kontakten, Fotos oder Videos zwischen zwei kompatiblen Geräten weiter vereinfacht.

Beispiel: Sie wollen ein Foto von Ihrem auf das Smartphone eines Freundes übertragen? Dazu aktivieren Sie beide in den Einstellungen die Beam-Funktion und legen Ihre Geräte Rücken an Rücken aneinander – das Foto landet wie von Zauberhand beim Gegenüber.

Goodbye Flash!

Adobe hat den mobilen Flash-Player aus dem Play Store genommen. Seit dem 15. August 2012 ist er nicht mehr im Play Store gelistet. Wer ihn bereits installiert hat, kann ihn zwar weiter nutzen – eine neue Version wird es aber nicht mehr geben, mit Android 4.1 stellt Adobe die mobile Version ein.

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Was bedeutet das? Wenn Sie eine Webseite mit Flash-Inhalten besuchen, werden diese nicht mehr angezeigt. Das war lange Zeit ein großer Vorteil von Android-Geräten gegenüber iPhone und iPad. Apple musste sich für seine vehemente Flash-Abstinenz einiges an Kritik gefallen lassen. Am Ende scheint Steve Jobs recht zu behalten – Flash wird zeitnah von mobilen Geräten verschwinden

Fazit: Cleveres Update, viel Geduld

Jelly Bean ist das bisher beste, weil komfortabelste, nutzerfreundlichste und cleverste Betriebssystem von allen. Insbesondere der deutlich spürbare Performance-Schub hat überzeugt. Das nicht mehr ganz aktuelle Galaxy Nexus läuft mit Jelly Bean mindestens genauso schnell und geschmeidig wie das Samsung Topmodell Galaxy S3 mit Ice Cream Sandwich – obwohl das S3 mit einem Vierkern- und das Nexus mit einem Zweikernprozessor taktet.

Die meisten Android-Geräte laufen noch mit Version 2.3.
Die meisten Android-Geräte laufen noch mit Version 2.3. ©

Mit den dynamischen Widgets und den interaktiven Benachrichtigungen hat Android, vor allem was die bequeme Alltagsnutzung angeht, noch einmal einen großen Sprung nach vorne gemacht.

Der neue Assistent Google Now wiederum kann bei uns in Deutschland noch nicht recht überzeugen, weil einige Dienste zunächst auf den amerikanischen Markt beschränkt sind. Das finde ich persönlich aber nicht weiter schlimm, denn so richtig wohl fühle ich mich ehrlich gesagt nicht, wenn Google schon vorher weiß, was ich möchte, bevor ich es überhaupt in die Suche eingegeben habe.

Und ein Kritikpunkt bleibt: Die Hersteller brauchen zu lange für die Verteilung der Updates. Bis die aktuellste Android-Version verfügbar ist, sind die meisten Geräte schon wieder veraltet. Google kennt das Problem und hat deswegen ein neues Developer-Kit herausgegeben, mit dem die Portierung neuer Versionen schneller und einfacher klappen soll. Ich bin gespannt, ob und wann die Hersteller dieses Manko endlich in den Griff bekommen.

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