Galaxy S4, Nexus 5, HTC One & Co.

Android rooten: So geht's Schritt für Schritt

Das Rooten eines Android-Gerätes ist oft der einzige Weg zu neuen Updates und Funktionen. Wir zeigen Ihnen das Prinzip, nachdem das Rooting auf allen Android-Geräten wie Galaxy S4, Nexus 5, HTC One & Co. funktioniert und erläutern alle Fachbegriffe, die Sie kennen müssen.

Android Bootloader

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Android Bootloader

Das Rooten von Android-Smartphones und Tablets ist nicht ganz trivial, aber eben auch kein Hexenwerk. Wir zeigen im Folgenden, wie es geht und was Sie beim Rooten wissen müssen. Anschließend nutzen Sie das volle Potenzial von Geräten wie dem Galaxy S4 (mini), dem Nexus 5, HTC One, Moto G & Co.

Doch warum sollten Sie Ihr Android-Handy oder Tablet rooten? Stellen Sie sich folgendes vor: Sie möchten auf Ihrem PC das aktuelle Windows einspielen. Doch das geht nicht, denn es gibt keine vom Hersteller des PCs freigegebene Version des Microsoft-Betriebssystems. Auch beschweren sich Ihre Programme immer wieder darüber, dass der PC ihnen den Zugriff auf manche Funktionen verweigert und nützliche Infos nicht herausrückt. Ein Unding, oder?

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Bei Android-Geräten ist genau das der Fall. Die Systempartition lässt sich nicht mit neuen Daten beschreiben und Apps können nicht als Administrator ausgeführt werden. Dass sich viele Nutzer daran gewöhnt haben, heißt aber nicht, dass man daran nichts ändern könnte. Indem Sie Ihr Android-Smartphone oder -Tablet rooten, holen Sie sich die absolute Herrschaft über Ihr Gerät zurück. "Root" ist übrigens der Administrator der Linux-Welt, aus der auch Android stammt.

Darum geht es beim Rooten

So gut wie jedes Android-Gerät kann man rooten. Konkret heißt rooten: Sie hebeln den Schreibschutz für das Laufwerk (präziser: die unter /system gemountete Partition) aus, auf dem der Hersteller das Android-Betriebssystem installiert hat.

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Dann installieren Sie das Programm su. Mit seiner Hilfe können Apps sich Adminrechte verschaffen und so auf alle Funktionen und Informationen Ihres Mobilgerätes zugreifen. Eine ähnliche Funktion gibt es auch unter Windows. Dort heißt sie "Als Administrator ausführen".

Vorteile des Rootens

Durch das Rooten funktionieren plötzlich all die interessanten Apps, die in den Appstores von Google Play und Amazon als "Nur mit Root", "Root only" etc. gekennzeichnet sind. Alleine das ist unserer Ansicht nach schon die Reise wert.

Sie können vorinstallierten Schrott entfernen, ein komplettes Backup des Gerätes anlegen, die CPU untertakten (spart Strom) oder übertakten (bringt mehr Geschwindigkeit), das Ein- und Ausschalten von mobilem Datenempfang, WLAN, GPS und Bluetooth automatisieren und vieles mehr.

Die Krönung: Für viele vom Hersteller längst aufgegebene Geräte finden Sie im Netz aktuelle Android-Versionen, so genannte Custom ROMs. Die können Sie aber nur mit Root-Zugang installieren.

Ein eventuell vorhandener SIM-Lock wird durch das Rooten übrigens nicht aufgehoben. Aber der root-Zugang kann dafür die Grundlage sein.

Verschiedene Rooting-Methoden

Letztlich geht es beim Rooten immer darum, einen Schreibzugriff auf die /system-Partition zu erhalten und su zu installieren. Der Weg dahin unterscheidet sich von Gerät zu Gerät. Deshalb können wir Ihnen keine Universalanleitung geben. Aber wir erläutern Ihnen die verfügbaren Methoden.

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Das erleichtert Ihnen das Verständnis der zahlreichen Anleitungen, die Sie zum Beispiel finden, wenn Sie im Web nach dem Namen Ihres Android-Gerätes, verbunden mit dem Stichwort "rooten" oder "rooting", suchen.

Rooten per App

Manche Geräte lassen sich mit so genannten "One-Click-Tools" rooten. Das sind Apps, die Sie wie gewohnt unter Android installieren, starten, dann auf "Rooten" drücken und schon sind Sie fertig. One-Click-Tools basieren darauf, dass findige Entwickler Sicherheitslücken im vom Hersteller aufgespielten Android entdecken, über die sie sich den Schreibzugriff auf die /system-Partition verschaffen können. Diese Sicherheitslücken werden aber immer seltener.

Betreutes Rooten

Für einige Geräte existieren Windows-Programme, die sich um alle Aufgaben rund um Rooten und Flashen kümmern, zum Beispiel das Nexus Root Toolkit. Diese führen Sie Schritt für Schritt durch die Installation der notwendigen Tools und Treiber sowie das eigentliche Rooten.  Damit diese Tools funktionieren, schalten Sie als erstes die Entwickler-Funktionen auf Ihrem Smartphone bzw. Tablet frei. Das erledigen Sie in den Einstellungen unter "Über das Telefon" (kann je nach Hersteller etwas anders heißen). Dort tippen Sie sieben Mal hintereinander auf die Build-Nummer. Anschließend springen Sie zu "Einstellungen > Entwickleroptionen" und aktivieren das USB-Debugging. Dann verbinden Sie das Gerät per USB mit dem PC.

Android rooten, App für Smartphone

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Um das USB-Debugging aktivieren zu können müssen Sie zunächst die Entwickler-Funktionen freischalten.

Rooten zu Fuß

Die uns bekannten Windows-Tools sind letztlich hübsche Oberflächen für das Kommandozeilen-Programm Android Debug Bridge, kurz ADB. Mit diesem Programm können Sie vom Computer aus via USB auf jedes Android-Mobilgerät mit aktiviertem USB-Debug zugreifen und Funktionen aufrufen. Gibt es für Ihr Gerät weder ein One-Click-Tool noch ein Windows-Tool, dann kommen Sie kaum um den Einsatz der ADB herum.

Die ADB ist Teil von Googles Entwickler-Software, dem Android Software Developers Kit (SDK). In vielen Fällen lässt sich die Installation dieses großen Downloads aber umgehen.

Unter Windows installieren Sie zunächst den UniversalAdbDriver, der die meisten Android-Phones unterstützt. Außerdem benötigen Sie das JavaSDK und Minimal ADB and Fastboot. Für OSX und Linux reicht Adb FastbootInstall.

Bei wenigen Geräten können Sie mit Hilfe von ADB ohne weiteres den Schreibschutz für die /system-Partition aufheben. Dazu muss sich die Systemeigenschaft <i>ro.secure</i> auf 0 setzen lassen oder bereit auf 0 stehen. Anschließend können Sie die nur zum lesen eingehängte /system-Partition für Lesen und Schreiben mounten. Das ist eher exotisch - nur dass Sie es schon mal gehört haben, sollte diese Möglichkeit in einer Anleitung für Ihr Gerät beschrieben sein.

Von Bootloadern, Recoverys und ROMs

Wenn keine der bislang beschriebenen Möglichkeiten funktioniert, müssen Sie etwas tiefer einsteigen. Mit dem folgenden Android-Hintergrundwissen fällt Ihnen das deutlich leichter.

Wenn Sie Ihr Smartphone bzw. Tablet einschalten, startet als erstes der so genannte Bootloader. Diese Software lädt das Android-Betriebssystem oder - wenn Sie eine bestimmte Tastenkombination beim Hochfahren gedrückt halten - das Recovery. Das Recovery (zu Deutsch: Wiederherstellung) ist ein winziges Betriebssystem, das Android-Updates ("ROMs") installiert.

Sind Bootloader und Recovery nicht vor Eingriffen geschützt ("unlocked", also entsperrt), fällt das Rooten leicht. Sie laden aus dem Netz ein Custom ROM (d.h. ein modifiziertes Android) herunter. Es muss zu Ihrem Gerät passen und natürlich su enthalten.

Das Custom ROM übertragen Sie auf das Gerät. Dann starten Sie den Recovery-Modus über eine beim Hochfahren zu drückende Tastenkombination und installieren (Fachbegriff: "flashen") das ROM. 

Natürlich schützen die meisten Hersteller ihre Geräte vor solchen Eingriffen. Dann müssen Sie den Bootloader unlocken. Besonders leicht geht das bei Googles Nexus-Geräten, aber auch für viele andere Smartphones und Tablets sind entsprechende Hacks erhältlich.

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Derart vorbereitet lässt sich ein Custom Recovery flashen, zum Beispiel das weit verbreitete ClockworkModRecovery. Es erlaubt die Installation eines Custom ROMs, das dann natürlich su enthält. Mit dem Standard-Recovery des Herstellers ist das unmöglich.

Android Bootloader

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Der Bootloader startet wahlweise Android oder den Recovery-Modus.

Android rooten

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Mit einem Custom Recovery wie ClockworkMod Recovery können Sie Custom ROMs auf Ihrem Mobilgerät installieren.

Was sonst noch wichtig ist

Custom ROMs, werden in der Regel als ZIP-Datei verteilt. Entweder, Sie laden die Datei direkt mit Android herunter oder Sie übertragen sie vom PC aus dorthin, zum Beispiel mit AirDroid. In ClockworkMod Recovery gehen Sie auf "Install ZIP", um das Custom ROM zu installieren.

Durch das Rooten verlieren Sie theoretisch die Gewährleistungsansprüche. Praktisch lässt sich das Rooten fast immer rückgängig machen, bevor Sie das Gerät in die Reparatur geben. Trotzdem sollten Sie sich vor dem Rooten darüber informieren, wie Sie Ihr Gerät unrooten, den Vorgang also rückgängig machen können.

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In weiteren Beiträgen werden wir Sie über die verschiedenen Custom ROMs, das Tuning mit alternativen Kerneln, die Geheimnisse des Cache-Wipens und vieles mehr informieren.

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