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Apple zeigt iBooks 2 und Author

iPhone, iPad, iOS, iBooks 2, iBooks Author - Apple startet die nächste Revolution. Mit der neuen Bücher-Software kann jeder mutlimediale E-Books erstellen. Connect hat sich die gestern vorgestellten Neuerungen genauer angeschaut.

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Alle Beobachter sind sich einig: nein, Apple hat gestern in New York keine umwälzenden Neuerungen vorgestellt. Aber die App iBooks in Version 2 bietet zusammen mit der zeitgleich vorgestellten Publishing-Software iBooks Author viel Sprengstoff für die Veränderung unserer Lesegewohnheiten.

Doch zunächst zielt Apple nur auf den US-Markt für Lehrbücher, der mehr als 8 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr erwirtschaftet. Dazu stellte das Unternehmen am Donnerstag in New York die neue iBooks-App vor, ergänzt von der neuen Mac-Software iBooks Author und einer überarbeiteten Version von iTunes U (für University), die vor allem von Universitäten genutzt wird. Kombiniert man diese Software-Bausteine, dann wird nicht nur die Vermittlung von Lerninhalten auf eine höhere Stufe gehievt. Schüler und Studenten können in interaktiven Büchern lesen, die mit ihren multimedialen Inhalten Wissen in einer neuen Form vermitteln; jeder, der seine Romane oder Gedichte einem breiteren Publikum zugänglich machen will, benötigt nur noch wenige Klicks dafür.

Apple Marketing-Chef Phil Schiller demonstrierte die neuen digitalen Schatzkästchen in New York. Man kann sie natürlich wie ein gedrucktes Lehrbuch nutzen, das Text und Abbildungen kombiniert. Einheitliche Seitenzahlen werden unterstützt, so dass der Lehrer einfach sagen kann: "Schlagt Seite 57 in eurem Mathematikbuch auf!", und alle Schüler landen auf der gleichen Seite. Was so selbstverständlich klingt, ist bei elektronischen Büchern ein großes Problem, da der Text und damit die Seiten immer variabel an die editierbare Schriftgröße angepasst werden.

Aber die Apple-Lehrbücher gehen weit darüber hinaus. An die Stelle eines einfachen Fotos können in den neuen iBooks ganze Bildersereien oder animierte Grafiken platziert werden. Statt den Insektenkörper einfach nur zu betrachten, kann der Schüler einzelne Teile antippen, die daraufhin vergrößert und um Textinformationen ergänzt werden. In einem Atlas ist es möglich, nicht nur simple 2D-Landkarten darzustellen, sondern auch interaktive Karten, die  Informationen über einzelne Städte, deren Bevölkerungsentwicklung und weitere demographische Informationen preisgeben, wenn man sie mit dem Finger antippt. Genauso kann man eine Stadt komplett in 3D zum Leben erwecken.

Die neuen iBooks von Apple bieten für die Schulbuchverlage die Möglichkeit, sehr einfach 3D-Animationen, Videos, Slideshows oder andere interaktive Inhalte einzubinden.

Auch andere digitale Darstellungsformen werden von Apple integriert. Mit einem simplen Suchbefehl kann man das Buch nach bestimmten Schlüsselwörtern durchforsten, sie in einem Index anzeigen lassen und interaktive Inhalte, die damit verknüpft sind, einblenden. Genauso einfach ist es, am Ende eines Kapitels eine interaktive Sektion mit Multiple-Choice-Fragen einzubauen, um das Lernen zu erleichtern. Schüler und Studenten können zudem an jeder Stelle des Buches Notizen hinterlassen, die automatisch in Karteikarten abgelegt werden. Für eine Prüfungs- oder Klausurvorbereitung lassen die sich dann einfach abfragen.

Auch die Verlage profitieren

Diese neuen Lehrbücher sind in einem speziellen Lehrbuch-Bereich von iBooks 2 erhältlich, zunächst auf den US-Markt begrenzt. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis Apple sie auch für andere Märkte öffnet. Aber sind deutsche Verlage überhaupt daran interessiert? Dass hinter der digitalen Schulbuchoffensive von Apple ein Geschäftsmodell steckt, von dem alle Seiten profitieren können, zeigt Peter Kafka vom Wall-Street-Journal-Ableger AllThingsD am Beispiel des Schulbuch-Platzhirschen in den USA, McGraw-Hill. Das Unternehmen, das seine gedruckten Lehrbücher normalerweise für 75 US-Dollar verkauft, macht mit bei Apples neuem iBooks-Projekt - indem es die gleichen Inhalte digital für 15 US-Dollar anbietet (das ist auch der Maximalpreis, den Apple dafür erlaubt). Was betriebswirtschaftlich auf den ersten Blick unmöglich erscheint, wird durch eine simple Eigenschaft von elektronischen Büchern erklärt: sie sind nicht übertragbar. Während ein Geografie-Lehrbuch durch mindestens 5 Jahrgänge von Schüler zu Schüler wandert, ist die digitale Ausgabe an personengebunden und muss für jedes Jahr neu bestellt werden. Die niedrigere Marge wird durch das höhere Verkaufsvolumen kompensiert.

Bücher für alle und von allen

Die Buch-Offensive von Apple endet aber nicht an den Schulen und Universitäten. Zusammen mit iBooks 2 hat das Unternehmen eine neue Software für Mac OS vorgestellt: iBooks Author macht jeden Menschen zum Verleger. Das kostenlose Programm ermöglicht das Erstellen von Büchern in einem Baukasten-Prinzip, das genauso einfach funktioniert, wie das Basteln einer PowerPoint-Präsentation. Text, Bilder, multimediale Inhalte und das dazugehörige Inhaltsverzeichnis lassen sich ganz einfach innerhalb der App kombinieren und und im iBook Store von Apple veröffentlichen. Dass bei diesem Prozess noch einige Stolpersteine im Weg liegen, zeigt der Journalist Richard Guthjahr in seinem Blog.

Am Grundprinzip ändert das aber nichts: Autoren, Lehrer und alle anderen können ihre Texte, Fotoalben und sonstigen geistigen Ergüsse mit wenigen Klicks zusammenstellen und einfach für alle iOS-Geräte veröffentlichen - aktuell sind das nicht weniger als 300 Millionen. Ein beeindruckendes Publikum.

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iTunes U

Die dritte Neuvorstellung von Apple betrifft iTunes U, eine Software, die vorranging von Unversitäten und Schulen in den USA genutzt wird, um Lehrmaterialien zu veröffentlichen. Dabei kann es sich neben Vorlesungen auch um Podcasts oder Video-Dateien handeln. Das Angebot gibt es bereits seit 2007.

Bisher war iTunes U an die PC-Software iTunes gebunden, doch gestern wurde eine App präsentiert, die das Angebot auch einfach auf dem iPad, dem iPhone oder dem iPod touch verfügbar macht. Der iPhone-Nutzer kann Lehrmaterialien gezielt von seiner Universität aufrufen oder Inhalte universitätsübergreifend nach Fachgebieten wie etwa Wirtschaft sortieren.

Neu ist auch die Verknüpfung mit iBooks und iCloud. Notizen aus iBooks stehen in iTunes U genauso zur Verfügung wie die neuen Schulbücher, die gestern von Apple vorgestellt wurden. Dozenten und Lehrer können mit dem Apple-Baukasten ganz einfach ihre Kurse, Klausuren und Referate entwerfen, editieren und verteilen, natürlich verknüpft mit allen anderen Programmen aus dem Apple-Universum wie Keynote, Pages, Numbers - oder iBooks (Author).

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