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Test: Geschwindigkeit des iPad2 Apples iPad2 auf Speed

von  
Portrait David Göhler
Die Leistung des iPad 2 von Apple
Die Leistung des iPad 2 von Apple
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Eigentlich ist das alte iPad flott. Eigentlich. Nach 10 Minuten mit dem iPad 2 ist dieser Eindruck dahin. Und das ist kein Gefühl, sondern zeigt sich in harten Fakten.

Steven Jobs, Chef von Apple, war immer schon groß im Sprücheklopfen. Bei Geschwindigkeitsvergleichen kommt er gerne mit dem Faktor "x-mal schneller als" daher, die sich bei genauer Betrachtung dann deutlich geringer ausnehmen (interessanterweise darf man den Apple-Boss bei Akku-Laufzeiten ernst nehmen, aber das ist ein anderes Thema). Daher haben wir beim iPad 2 mit dem Doppelkern-Prozessor und der 9 mal schnelleren Grafik erst einmal keine großen Erwartungen gehabt. Denn die Desktop-Erfahrung zeigt: Zwei Kerne sind nur doppelt so schnell, wenn die Software daraus einen nutzen zieht, zwei verwenden zu können.

Der Geekbench misst getrennt die Leistung eines iOS-Gerät nach Ganzzahl-Arithmetik (Integer), Fließkommazahlen (Floating), Speicherdurchsatz (Memory) und Videodurchsatz (Streaming). Die Unterschiede zwischen iPad 1 und iPad 2 sind dabei recht deutlich.

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Doch schon nach wenigen Tippern und Wischern kommt das Gefühl auf: das Ding ist flott. Bei Safari merkt man es deutlich, die Tagesschau-App fühlt sich flüssiger an, auch eine connect- oder Video-HomeVision-App legt noch mal zu. Das iPad 2 fährt nach dem Einschalten schneller hoch (22 statt 29 Sekunden) bei identischer App- und Datenbestückung (gleiches Backup zurückgespielt auf iPad 1 und iPad 2).                 

Systemmessungen

Die Frage ist natürlich: In welchen Bereichen hat sich was getan? Wir haben etliche Browser und Systembenchmarks losgelassen, die ein eindeutiges Bild malen. Geekbench http://www.primatelabs.ca/geekbench/download/ misst die Integer-, Floatingpoint-, Speicher- und Streaming-Leistung eines Geräts. Es gibt den Benchmark für Windows, Kinux, Mac und iOS-Geräte. Er zeigt nebenbei deutlich, das ein MacBook Pro mit Core i5 um den Faktor 6 bis 10 mal schneller als ein iPad ist. 

Das iPad 2 erreicht beim Geekbench 751 Punkte (mehr Punkte sind besser), das iPad 1 kommt auf 436 Zähler (der Mac schafft 4961 Punkte). Am größten ist die Steigerung bei der Fließkomma-Leistung (glatt verdoppelt), gefolgt von Integer- und Speicherdurchsatz (gut zwei Drittel mehr Speed). Nur beim Streaming (was auch das Dekodieren von Filmmaterial angeht) ist die Performance identisch - wahrscheinlich weil dabei spezielle Hardware im Spiel ist, die nicht von der Leistung der CPU abhängt. 

Browser-Benchmarks

Im Webbrowser haben wir zahlreiche Benchmarks genutzt, um die gefühlten Geschwindigkeit auch messen zu können. Dabei kamen Peacekeeper von FutureMark, SunSpider zum Test der Javascript-Geschwindigkeit und der BrowserMark Mobil  zum Einsatz. Mit ACID3 und HTML5Test haben wir die CSS-Kompatibilität getestet. Dabei zeigt sich, dass der mobile Safari mit 100/100 Punkten bei ACID3 sehr CSS-konform daherkommt. Beim HTML5Test erreicht er 206 von 400 Punkten - das klingt nach wenig, aber ein Firefox 4 (Desktop) kommt auch nur auf 255/400, ein Chrome 10 auf 288/400. So gesehen macht der Safari 5 auf dem iPad unter iOS 4.3.1 keine schlechte Figur.

Der Browsermark liefert speziell für mobile Browser gut vergleichbare Benchmark-Ergebnisse
Der Browsermark liefert speziell für mobile Browser gut vergleichbare Benchmark-Ergebnisse ©

Sunspider misst ausschließlich die Javascript-Performance. Diese ist beim mobilen Safari auf dem iPad mit der neuen 4.3-Version deutlich gestiegen und steht auch nur dem eingebauten Safari zur Verfügung. Andere Anwendungen wie iCabMobile oder Apps, die Webseiten in der App anzeigen, profitieren nicht davon. Das neue iPad 2 durchläuft eine Schleife beim Sunspider mit 2.471 ms, das ältere iPad 1 braucht dafür 3.714 ms. 

Im Browsermark zeigt sich ein ähnliches Bild. Das neue iPad 2 kommt auf 69.747 Punkte, das alte lediglich auf 47.275 Zähler. Auch hier zeigt sich, dass das neue iPad 2 etwa 50 Prozent schneller ist. Das Verhältnis ändert sich auch bei Peacekeeper nicht, der mit dem normalen Safari auf dem iPad gar nicht laufen will (er lehnt es ab, mobile Browser zu testen). Dazu haben wir iCabMobile verwendet, da man bei diesem alternativen Webbrowser vorgeben kann, als was für ein Webbrower er sich ausgeben soll. Wir gaben Safari 5 (Mac) gewählt. Auf dem neuen iPad 2 erreicht Peacekeeper 673 Punkte, beim iPad 1 sind es dagegen nur 415 - wieder ein Steigerung um 50 Prozent. 

Grafik-Benchmarks

Eine bis zu 9-fache Steigerung der Grafikleistung hat Steve Jobs beim iPad 2 versprochen. Allerdings hat er nicht verraten, welchen Spezialfall er herausgepickt hat. Auch hier setzt man besser auf Benchmarks wie den GLBenchmark , der diverse Aspekte der 2D- und 3D-Grafik von mobilen Geräten unter OpenGL ES testet (auch unter Android). 

Der GLBenchmark testet die 3D-Performance von mobilen Geräten wie dem iPad
Der GLBenchmark testet die 3D-Performance von mobilen Geräten wie dem iPad ©

Der Test zeigt eindrucksvoll, dass die iPad-2-Grafik deutlich zugelegt hat. Auch hier arbeitet eine Doppelkern-Einheit (im iPad 1 werkelt nur ein Core). Die Füllrate steigt am meisten von 168 Mio einfachen Texeln auf 860 Mio. beim iPad 2.

Auch in den an 3D-Spiele angelehnten Szenen "Pro" des GLBenchmark zeigt sich eine deutliche Steigerung von 677 auf 1136 Frames (bei Einsatz des Grafikchips zum Rendern). Bezeichnenderweise ist die gleiche Szene bei Einsatz der CPU (statt des Grafikchips) mit 1722 und 1098 Frames noch schneller. 

Bei Szenen mit 8 Lichtquellen, die sich permanent ändern, steigt die Leistung um den Faktor fünf von iPad 1 zu iPad 2.

Man könnte beim GL-Benchmark noch viel mehr ins Detail gehen - letztlich lässt sich aber resümieren, dass die neue Grafik Spielen deutlich mehr Leistung anbieten kann und man daher Spiele auf dem iPad2 in deutlich besserer Qualität als bisher erwarten darf. 

Zum Vergleich: Das Xoom von Motorola liegt bei GLBenchmark eher auf dem Niveau des iPad 1 (mal etwas langsamer, mal etwas schneller), kommt aber gar nicht an die Leistungen des iPad 2 heran. 

Fazit

Betrachtet man nur die Geschwindigkeit des iPad 2 gegenüber seinem Vorgänger, hat sich viel getan. Das neue Gerät ist gefühlt und getestet deutlich schneller. Selbst der Start von Apps geht flotter. In allen Bereichen hat die Flunder deutlich zugelegt. Was jetzt noch fehlt, sind Spiele, die die Performance auch richtig nutzen. Wenn dabei – wie es scheint – die Akkulaufzeit nicht leidet, hat Apple einen erstaunlich guten Job gemacht. 

 
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