Ratgeber

AUDIO TItel-CD Mai 2008: Great Music 1 - die 6oer

AUDIO und Bose lassen fünf Jahrzehnte HiFi- und Musikgeschichte aufleben.

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© Archiv

Es war ein Jahrzehnt der Aufbrüche. So jedenfalls stellen sich die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts aus heutiger Sicht dar. Natürlich fällt immer das Stichwort "Achtundsechzig" - die westlichen Industriegesellschaften erbebten da in ihren Grundfesten. Selbst wenn man den Fokus ganz auf die AUDIO-Themen HiFi und Musik legt, so muss man die (gesellschafts-)politischen Prozesse eines enorm spannenden Jahrzehnts mit einbeziehen. Da hängt vieles mit vielem zusammen. 

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© Bild: Bose

1964: Mit 22 Breitbändern bestückte Bose den 2201 als "ideal pulsierende Sphäre".

Die Wahl des jungdynamischen John F. Kennedy zum US-Präsidenten 1961 wirkte in den Vereinigten Staaten wie ein Befreiungsschlag. Der Mitte der 50er noch wilde Rock'n'Roll war zu Beginn des Jahrzehnts fast zu Tode gezähmt - jetzt brandeten neue, frische Musikwellen an. Vorneweg der weiße Surf-Sound der Beach Boys. Aber auch die afroamerikanische Musik, beflügelt durch die Bürgerrechtsbewegung,  gewann an Fahrt. In der "Motorcity" Detroit gründete Barry Gordy jr 1961 die Plattenfirma Motown, bald Brutstätte zahlloser Soul-Hits. Im Übrigen auch dank fortschrittlicher Studio-Technik, die ihren enormen Anteil am Motown-Sound hatte. Das Volkseinkommen stieg, mehr Menschen konnten sich mehr Schallplatten leisten - aus einem elitären Kulturgut wurde ein Massenphänomen, ein neuer Wirtschaftszweig brach sich Bahn. 

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© Foto: Archiv

1967 mit dem "Summer Of Love" explodierte die Kreativität der Pop-Künstler. Reihenweise erschienen Alben, die heute legendär sind:

Klassik lebte wieder auf

Auch die klassische Musik beziehungsweise ihre Konserven profitierten davon. Wobei wir uns in diesem Rückblick auf die Tonträger beschränken können. Die sogenannte ernste "Neue Musik" war bis auf wenige Ausnahmen so trostlos unverständlich geworden, dass sie kaum einer hören geschweige denn kaufen wollte. Die Avantgarde sah in "Fort-Schritt" wohl nur den Schritt möglichst weit fort vom Publikum. Doch ein zu Lebzeiten auch vielgeschmähter Tonsetzer machte dank der Schallplatte eine beispiellose Karriere: Gustav Mahler (1860-1911), noch in den 50ern weitgehend unbekannt, wurde seit dem Jubiläums-Jahr 1960 einer der meistaufgenommenen Komponisten. Allein von seiner 1. Sinfonie gibt es mehr als 200 Aufnahmen. Der Musikwissenschaftler Kurt Blaukopf sprach sogar von einer "Erlösung Mahlers durch die Stereophonie". Natürlich gab und gibt es exzellente Mahler-Monos, doch erst im räumlich aufgefächerten Breitklang ließ sich die komplexe Musik richtig durchschauen. 

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© 1966: Caballe macht sich für "Verdi Rarities" stark.

Foto: Archiv

Stereo-Schallplatten gab's seit 1958. In den frühen 60ern brachte das neue Format die High Fidelity nach vorne. Denn natürlich wollten die Menschen hochwertige Wiedergabe. Firmen wie Columbia und RCA sorgten für ständigen Nachschub auf dem wachsenden US-Markt. Aus dem Bestand dieser legendären Labels, heute unter dem Dach von Sony BMG, stammen die klassischen Beiträge zur AUDIO-Titel-CD "Great Music Vol. 1".

Dirigenten wie Bruno Walter, Leonard Bernstein (beide übrigens späte Nachfolger Gustav Mahlers als Chef des New York Philharmonic) oder George Szell, sodann Jascha Heifetz, der wohl größte Geiger aller Zeiten, die damals so wunderbare Sopranistin Montserrat Caballe oder der geniale Pianist Glenn Gould - ihre fantastischen Nachschöpfungen verlangen nach erlesener Wiedergabe-Technik. Zumal sich beim Abhören der CDs eine faszinierende Aufnahmequalität offenbart. Sympathischerweise entwarf Sony BMG für seine größten Künstler "Original Jacket Collections" - hier werden die glänzend remasterten Silberlinge in die verkleinerten Original-LP-Hüllen gepackt.

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© Foto: Archiv

Das Grundig TK 320 avancierte zum Volks-Tonbandgerät. Später sogar mit VU-Metern.

HiFi in den 60ern

Anfang der 60er waren aber vor allem die Lautsprecher als wichtigstes Glied der Wiedergabekette definitiv noch nicht auf dem Niveau der Quellen. Das ließ auch einen jungen Professor für Elektrotechnik am Massachusetts Institute Of Technology (MIT) nicht ruhen. Ab 1960 entwickelten Dr. Amar Bose und sein Team an einem ganz neuen Lautsprecher-Konzept - und der Konzertsaal des Boston Symphony Orchestra wurde zeitweilig zum Zweit-Forschungslabor. 1964 gründete Dr. Bose in Natick nahe Boston dann seine eigene Firma. Nachdem sich die Bose Corporation mit NASA-Aufträgen das nötige finanzielle Polster verschafft hatte, konnte man sich weiter der Grundlagenforschung widmen.

Zu dieser Zeit hatte sich das Schallplattengeschäft längst in Richtung Pop verlagert - und seinen musikalischen Schwerpunkt auf die andere Seite des Atlantik, nach England. Schuld an der "British Invasion" auch des US-Marktes waren vier Jungs aus Liverpool, die die Pop-Welt veränderten: die Beatles. In ihrem Fahrwasser feierte der "Beat" dann einen weltweiten Siegeszug. Auf der Insel forderten Bands wie die Rolling Stones mit härterem Rhythm'n'Blues die "Fab Four" heraus.

Ab Mitte der 60er explodierte die Kreativität der Pop-Künstler. Folk-Rock (Bob Dylan: Blonde On Blonde), Psychedelia (Jefferson Airplane: Surrealistic Pillow), Hardrock (Led Zeppelin: I), Symphonic Rock (Moody Blues: Days Of Future Passed), Classic Rock (The Nice: The Thoughts Of Emerlist Davjack) - die Geburten folgten fast im Wochentakt. Selbst in Good Old Germany brachen die Dämme: Neben Schlagerfuzzis meldeten sich zunehmend die Kraut-Rocker zu Wort.

Richtig Leben war damals auch in der einheimischen HiFi-Industrie. Einer darf nicht fehlen: Mit der Bose 901 trat 1968 ein wirklich neuer Wandler auf. Ein Chassis nur strahlt nach vorne, acht nach hinten - direkter und indirekter Schall schon ab Lautsprecher gemischt. Herzlichen Glückwunsch zum 40. Geburtstag, Bose.

Das Cover zur CD finden Sie hier als kostenlosen Download. Die CD selber können Sie nachbestellen unter bestellservice@scw-media.de

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