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Claudia Pelzer im Interview

Wie kommt es, dass zum Thema Crowdsourcing ein Verband gegründet wurde?

Das Thema Crowdsourcing ist ein sehr junges und wirft dementsprechend Fragen auf. Es fehlte eine neutrale Instanz, die auf solche Themen eingeht und zwischen Crowdsourcing-Plattformen, Unternehmen, Öffentlichkeit und Nutzern vermittelt. Wir stellen Arbeitsgruppen zu den verschiedenen Kategorien und Themen zusammen, die sich kollektiv um die jeweiligen Belange kümmern werden. Wer sich einbringen will, ist herzlich eingeladen.

Welchen Einfluss hat das Web?

Einen unabdingbaren. Insbesondere Web-2.0-Mechanismen ermöglichen und fördern die Vernetzung. Die Entstehung globaler Plattformen und Kommunikationsnetze ermöglichen den Zugriff auf eine größere und diversere Crowd - eine gigantische "global Workforce", die das intellektuelle Kapital verschiedenster Kulturkreise in sich vereint. Neue Technologien und Kommunikationssysteme ermöglichen überhaupt erst das Aufteilen von Tasks oder ganzen Arbeitsabläufen. In den vergangenen Jahren hat sich durch die Entstehung neuer Benutzerschnittstellen, Micropayment-Lösungen, Flatrates, Cloudservices sowie der zunehmenden mobilen Internetnutzung eine digitale Infrastruktur entwickelt, deren logische Folge ein virtueller Workspace ist.

Was sagen Sie zu kritischen Stimmen, die davon sprechen, dass Crowdsourcing im Erwerbsbereich auf Kosten von versicherungspflichtigen Vollzeitarbeitsplätzen geht?

Ich denke, solche Panikreaktionen sind unverhältnismäßig. Auch wenn das nicht bedeutet,  dass man die Bedenken der Menschen nicht ernst nehmen sollte. Es wird eine Veränderung stattfinden, so viel ist klar. Aber dies wird nicht zu einer konsequenten Abwanderung aller Kreativ- und IT-Jobs auf Onlineplattformen führen. Unternehmensstrukturen werden zweifelsohne fluider, aber deswegen gibt es nicht weniger Arbeit. Die Herangehensweise ist lediglich eine neue, selbstbestimmtere. Nun leben wir in Zeiten des Zugangs - Arbeitskraft und Ideen lassen sich über Grenzen hinweg austauschen, alles wird offener und transparenter. Wir sollten zusehen, dass wir uns darauf einstellen und - nicht unbedingt gänzlich unhinterfragt, aber offen - an die Situation herangehen, um uns in der digitalen Welt zu positionieren. Wir leben im Zeitalter des technischen Fortschritts. Darauf nicht zu reagieren wäre meiner Meinung nach extremst fahrlässig.

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