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Concertgebouw Amsterdam

Insel des Wohlklangs - In Amsterdam hat auch die klassische Musik eine starke Heimat: im fantastisch klingenden Concertgebouw.

Concertgebouw Amsterdam

© Sven Lorenz, Frank Vinken

Concertgebouw Amsterdam

Amsterdam steht in unseren Augen meist für Lebenslust und große Drogen-Toleranz - weniger für exzellente Klassik-Aufführungen. Doch auch die gibt es hier - und dank des Concertgebouws sogar in fast einzigartiger Qualität.

Concertgebouw Amsterdam

© Sven Lorenz, Frank Vinken

Seit über 120 Jahren trotzt das Bauwerk dem sumpfigen Grund. In den Achtzigern war eine Notsanierung fällig.

Dabei war dieses Konzertgebäude Anfang der 80er Jahre buchstäblich dem Untergang nahe. Damals stand es auf gut 2000 Holzpfeilern, die munter vor sich hin moderten. Risse in den Saalwänden alarmierten die Verantwortlichen, und mit einer Notoperation, der ein finanzieller Kraftakt vorausging, wurde das Versinken im sumpfigen Untergrund abgewendet. So blieb der Hafenmetropole ein Konzertsaal erhalten, der für seine Ausnahmeakustik derart oft lobgepriesen wurde, dass man darüber nicht mehr viele Worte verlieren muss.

Überdies dürften die Besucher der sage und schreibe 800 Konzerte pro Jahr für die entsprechende Mundpropaganda sorgen. Bei Erneuerungsaktionen gilt seit jeher die Prämisse, nichts an den Innenmaterialien zu ändern.

Concertgebouw Amsterdam

© Sven Lorenz, Frank Vinken

Die ganze Pracht von innen: Die elegante Gestaltung und das exquisite Resonanzverhalten im Concertgebouw erschweren die Vorstellung, dass sich ein Orchester und seine Zuhörer im Großen Saal nicht wohlfühlen könnten.

Ebenfalls unangetastet bleiben die Familiennamen von 45 Kompositionsgrößen, die in goldenen Lettern an den Wänden und Balkonen prangen. Passen die eher ungewöhnlichen Namenstafeln doch zur Saalgestaltung, die keinem klaren Stil folgt und von historistischer wie auch Art-Nouveau-typischer Optik bestimmt wird. Eindeutig ist dagegen die Inspirationsquelle für die Fassade. Hier lassen sich Parallelen zum ehemaligen Leipziger Gewandhaus erkennen, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

Concertgebouw Amsterdam

© Sven Lorenz, Frank Vinken

Concertgebouw Amsterdam - Kleiner Saal

Heute ist das Concertgebouw Amsterdam eine Insel des Wohlklangs im betriebsamen Stadtalltag. Dass dies einmal so kommen würde, war anfangs wohl kaum jemandem bewusst. Als die Bauarbeiten anno 1888 abgeschlossen wurden, stand das Gebäude nämlich von Wiesen und Wasserflächen umsäumt vor der Bebauungsgrenze. Im Lauf der Jahrzehnte wurde das Gebiet jedoch zu einem prosperierenden Viertel mit über 100000 Einwohnern. Damit steht das Bauwerk mittlerweile direkt bei den Bürgern, die ihm stets außerordentlich verbunden waren.

Für die Konstruktion und den Erhalt eines erstklassigen Konzertsaals schien einigen Söhnen Amsterdams keine Summe zu hoch. So wurde das Concertgebouw von sechs betuchten Bürgern gestiftet; die Gelder für die Notsanierung ein Jahrhundert später stammten ebenfalls vorwiegend aus Privatvermögen. Die Freigebigkeit der Spender machte sich auch deshalb bezahlt, weil sich bis heute kaum ein Spitzenorchester dem Gravitationsfeld des Gebäudes zu entziehen vermag.

In den 1960er Jahren beehrten zudem Rock-Ikonen wie Pink Floyd und Led Zeppelin den Großen Konzertsaal. Derlei Stilbruch-Intermezzi gibt es inzwischen nicht mehr: Die Eignung des Saalklangs für elektronisch verstärkte Tonkunst ist äußerst bescheiden. Summa summarum verfügt das Concertgebouw über alle Attribute, um als Juwel unter den Konzerthäusern zu gelten. Somit bildet es - im Verbund mit den nahe gelegenen Kunstmuseen - ein veritables Bollwerk gegen jegliche Pauschalisierungen und Vorurteile bezüglich Amsterdam.

  • Erbaut: 1883-1888
  • Architekt: Adolf Leonard van Gendt
  • Säle: Großer Saal, Kleiner Saal
  • Nachhallzeit: 2 Sekunden (Saal besetzt), 2,8 Sekunden (unbesetzt)
  • Highlight: Robeco Sommerkonzerte (Juli und August)

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