Mobilfunknetze

Einzelkritik der Netzbetreiber

Platz 1: Telekom

Innerhalb von zwölf Jahren Netztest schaffte es die Mobilfunktochter der Telekom insgesamt fünf Mal auf den ersten Platz. Zuletzt 2008, da musste sich der rosa Riese den Sonnenplatz bereits mit Vodafone teilen, 2009 folgte der Abstieg auf Platz 2, 2010 sogar auf Platz 3.

Mutmaßlich hatte die Telekom als zunächst einziger Anbieter unter dem durch das iPhone ausgelösten Datenboom zu leiden. Doch die Zuspitzung 2010 hat die Telekom offensichtlich bewegt, als erster Anbieter auf den Trend zum Smartphone zu reagieren und das Netz in einer bisher nie gekannten Konsequenz auf den neuesten Stand der Technik zu bringen.

So vorbereitet gibt sich der im Test mit den zweitteuersten Tarifen antretende Betreiber keine Blöße. In fast allen Kriterien liegt die Telekom mit zum Teil deutlichem Vorsprung auf Platz 1. Und selbst wenn dies einmal nicht der Fall ist, folgt sie dem Erstplatzierten mit bis auf eine Ausnahme denkbar geringem Abstand.

Deutlich wird die Überlegenheit beim Webseitenaufruf, der um eine Sekunde schneller abgeschlossen ist als beim stärksten Konkurrenten. Der Datei-Download gelingt sogar durchschnittlich in einem Drittel der Zeit, die ein Vodafone-Kunde braucht.

Beim Upload liegt die Zeitersparnis bei 50 %, selbst Youtube-Videos starten schneller und laufen stabiler. Die Telefoniemessungen lieferten sowohl bei der Zuverlässigkeit als auch der Sprachqualität mit Abstand die besten Werte. Damit dominiert die Telekom den Netztest mit bisher nicht gekannter Souveränität.

Connect-Urteil: sehr gut (425 Punkte)

Platz 2: Vodafone

Seit Jahren präsentiert sich Vodafone als Seriensieger. Nun müssen die Düsseldorfer mit Patz 2 vorliebnehmen. Vodafone hat seine technischen Investitionen 2011 wohl auf LTE fokussiert, um dort die Marktführerschaft zu übernehmen.

Ein Vergleich der aktuellen Ergebnisse mit den letztjährigen Messwerten zeigt, dass Vodafone auch im Bestandsnetz nicht eingebrochen ist: Den massenhaften Umstieg seiner Kunden von Handys auf datenhungrige Smartphones haben die Düsseldorfer souverän verkraftet.

Der Verlust von Platz 1 liegt an dem extremen Sprung, der der Telekom innerhalb eines Jahres gelungen ist. 2012 sollte auch Vodafone wieder in GSM und UMTS investieren, um den Anschluss nicht zu verpassen. Schließlich geht es auch darum, die Premium-Preise im eigenen Netz zu halten.

Vom Kampf um Platz 1 abgesehen, liegt Vodafone für Smartphones immer noch in Schlagdistanz. Leicht hinterher hinkt der Netzbetreiber etwa bei den Gesprächserfolgsraten auf dem Land. Auch bei den Datenraten mit Smartphones folgt Vodafone der Telekom. Zwischen 6 und 27 % liegt die spürbare, aber nicht kritische Differenz. Für Smartphones bietet also auch Vodafone ein gutes Netz.

Das gilt prinzipiell auch für den PC-Datenverkehr per USB-Datenstick. Doch innerhalb der Städte muss sich Vodafone dem Erzkonkurrenten fast immer deutlich geschlagen geben. In Sachen mobiles Internet und Youtube-Video sind die Roten aber nah dran - und wer außerhalb der Städte Netzzugriff auf Knopfdruck braucht, hat bei Vodafone sogar bessere Chancen.

Connect-Urteil: gut (380 Punkte)

Platz 3: 02

Dank hoher Investitionen gelang O2 2010 der Sprung auf den zweiten Platz. Im Jahr nach der Ausbauoffensive sieht es schlechter aus. Mit den drei Milliarden, die der Netzbetreiber innerhalb von zwei Jahren in sein Netz steckte, sahen ihn viele Insider auch dieses Jahr als Aspiranten auf eine Top-Platzierung.

Dabei sind die Preise moderat geblieben, besonders die zum Test genutzte Mobile-Broadband-Flatrate ist wie bei E-Plus weit vom Vodafone- und Telekom-Niveau entfernt. Auch das hat dem Netz Kunden beschert, das sich seit dem Test 2010 eines ausgezeichneten Rufs erfreute.

Doch Mobilfunk ist ein Shared Medium, das sich alle Nutzer teilen müssen. Und je mehr Menschen aus dem gleichen Topf löffeln, um so kleiner wird die Portion für den Einzelnen. Bei O2 macht es den Eindruck, als könnten die Ressourcen zur Zeit knapp sein - oder das im letzten Jahr überzeugende Netz braucht besseren Service.

Die im Vergleich niedrigen Erfolgsraten bei Telefonaten in großen Städten jedenfalls sind alarmierend. Im Test machten mehr als sieben von hundert Telefongespräche Probleme. Für ein Lastproblem spricht die höhere Erfolgsrate auf dem Land, denn hier müssen sich weniger Menschen eine Mobilfunkzelle teilen.

Auch um die Smartphone-Datenraten steht es nicht zum Besten. Insbesondere die Grenze, unter der das langsamste Drittel liegt, ist inner- und außerhalb der Städte sehr niedrig. Bei den Mobile-Broadband-Messungen mit USB-Datenstick werden die Unterschiede zum Netztest-Spitzenreiter noch eklatanter, mehr als der dritte Platz ist so nicht drin. 

Connect-Urteil: ausreichend (291 Punkte)

Platz 4: E-Plus

Seit Einführung von UMTS hat E-Plus einen schweren Stand. Jetzt machen sich Investitionen bemerkbar. Rund 500 Millionen Euro jährlich wollte E-Plus schon zu Zeiten des letzten Netztests in seine Infrastruktur investieren. Auch wenn die Messwerte nicht 1:1 mit dem Vorjahr zu vergleichen sind, ist die Anstrengung schon jetzt an erhöhter Breitbandverfügbarkeit in den Städten und an höheren durchschnittlichen Datenraten außerhalb zu erkennen.

Doch E-Plus darf nicht nachlassen, denn mit viel Aufwand beworbene Flatrates tragen sicher zu steigendem Traffic bei - bei 40,83 Euro für eine Daten- und Sprach-Flatrate für Smartphones kann keiner, bei knapp 20 Euro für die Internet-Flat nur O2 mithalten.

Mit O2 liefert sich E-Plus bei Smartphones ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Das verliert E-Plus insgesamt knapp, besonders bei Daten außerhalb der Stadt liegen die Grünen zurück. Bei den Stadt-Land-Gesprächen können sie sich gegenüber dem Vorjahr verbessern. Und allein auf die Smartphone-Messung der Großstädte bezogen liegt E-Plus sogar vor O2.

Nur geringen Abstrichen um die 0,2 Mbit/s bei den Datenraten stehen deutlich zuverlässigere Sprachverbindungen gegenüber. Nach den eingeschränkten Smartphone-Datenraten können erwartungsgemäß auch die mit UMTS-Datenstick gemessenen Geschwindigkeiten nicht überzeugen. Vergleichsweise schwach präsentieren sich die Messungen auf Autobahnen. Mit konsequent weiter betriebenem Ausbau kann E-Plus 2012 einen großen Sprung nach vorn schaffen. Dann wird es nochmal richtig spannend.Connect-Urteil: ausreichend (278 Punkte)

Fazit

Die Messergebnisse des connect Netztest 2011 im Überblick.

© connect

Die Messergebnisse des connect Netztest 2011 im Überblick.

Der Smartphone-Markt boomt, das sollte den Netzbetreibern Spaß machen. Doch wahrscheinlich wird das durch mehr Smartphones und Datenflatrates gestiegene Handelsvolumen durch sinkende Preise aufgefressen.

Gleichzeitig setzt der Boom den Netzen zu. So hat E-Plus nach eigenen Angaben im letzten Jahr 500 Millionen in Infrastruktur investiert und muss doch noch mindestens ein weiteres Jahr auf den Durchbruch warten.

O2 hat nach dem auf noch größere Investitionen folgenden exzellenten Ergebnis 2010 stark an Boden verloren. Selbst der Düsseldorfer Netzbetreiber Vodafone, der seit 2007 auf Sieg abonniert war, muss sich diesmal der Telekom deutlich geschlagen geben.

Deren Technikchef Dr. Bruno Jacobfeuerborn hat mit wenig Getöse, aber bisher nicht erlebter Konsequenz, seine Mannschaft das UMTS-Netz auf höchstmögliche Geschwindigkeit ausbauen lassen. So holt sich die Telekom mit Abstand den Sieg des Netztests Deutschland 2011, die Gratulation geht nach Bonn. 

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