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Crowdfunding

So funktioniert Crowdfunding mit Kickstarter

Projekte,Klickstarter
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Die Masse macht's: Mittels Crowdfunding sammeln inzwischen viele Erfinder von mobiler Technik Geld für ihre Projekte und Produkte. Die Plattform Kickstarter ermöglicht so auch die Finanzierung von neuem Apple-Zubehör.

Möchten Sie mit Ihrem iPhone die Außentemperatur messen? Die Lichtverhältnisse bestimmen, bevor Sie ein Foto schießen? Das iPhone mit einer Kurbel aufladen? Dann haben Sie Glück – es wird bald Produkte geben, mit denen Ihre Wünsche in Erfüllung gehen.

Möglich macht’s das sogenannte Crowdfunding, bei dem ganz normale Bürger Geld für die Umsetzung spannender Ideen zur Verfügung stellen. Die Speerspitze dieser Bewegung ist die Plattform Kickstarter.

Wo früher der zähe Weg zur Bank oder zum Risikokapitalgeber anstand, geht heute einiges einfacher: Der Schwarm – neudeutsch die Crowd – sponsert das Projekt. Viele Menschen treten mit kleineren Beträgen und mehr Enthusiasmus denn Erwartungshaltung als Geldgeber auf. Crowdfunding heißt das Zauberwort, Kickstarter der Vorreiter und Marktführer.

Das Prinzip ist einfach: Jedermann kann sein Projekt oder Produkt auf www.kickstarter.com präsentieren und die Crowd mit Videos, Bildern und Texten überzeugen. Der Projekteigner legt einen Betrag fest, den er für die Umsetzung seines Vorhabens benötigt, und startet die Finanzierungsrunde. Kickstarter-Besucher, die das Projekt unterstützen wollen, „Backer“ genannt, entscheiden sich für einen Betrag und werfen ihn in den Projekttopf.

Technikinnovationen gefördert von potentiellen Käufern

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Miniverstärker fürs iPhone. Lenkt den Schall aus dem unterem Lautsprecher nach vorne

iPlifier, Miniverstärker fürs iPhone

Lenkt den Schall aus dem unterem Lautsprecher nach vorne.

Ziel: 7.500 US-Dollar
Erreicht: 4.435 US-Dollar (läuft noch)
Produktpreis: ab 8 US-Dollar

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Das Schöne: Je nach Betrag erhält der Backer ein einfaches Dankeschön per Mail, nette Goodies wie ein vom Projektteam signiertes Shirt oder eine Einladung in die heiligen Hallen – bis hin zu einer Limited Edition des Produkts, in die der eigene Name graviert ist. Das motiviert! Zumal niemand bei Kickstarter Geld investieren kann, um irgendwann einen Ertrag zu bekommen. Hier wird gespendet.

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Kickstarter arbeitet nach dem All-or-nothing-Prinzip: Wird am Ende der Laufzeit, die zwischen einem und 60 Tagen liegen kann, der Betrag nicht erreicht, bekommt der Projekteigner kein Geld. Wird der Betrag erreicht oder gar überschritten, wird das gesamte Geld von den Konten der Backer abgebucht und kann für das Projekt verwendet werden. Kein Cent muss zurückgezahlt werden – ein wichtiger Unterschied zur üblichen Finanzierung.

Hauptquartier in Manhattan

Perry Chen aus New Orleans kam auf die Grundidee, nachdem er einige DJs für ein Jazzfestival engagieren wollte, das Geld dafür aber nicht zusammenbekam. „Wie wäre es, wenn die Leute auf eine Internetseite gehen könnten, um Geld für eine Show zu sammeln? Wenn genug Geld zusammenkäme, würde die Show zustandekommen. Wenn nicht, eben nicht.“

Danach dauerte es geschlagene acht Jahre, bis aus dieser Idee die fertige Kickstarter-Internetplattform wurde. Perry Chen und seine Mitstreiter Yancey Strickler und Charles Adler arbeiten inzwischen zusammen mit einem Team aus 46 Leuten in einem Büro in Manhattans Lower East Side, die Geschäfte laufen glänzend. Schon 38.000 Projekte mit 446 Millionen US-Dollar von 3,6 Millionen Spendern wurden finanziert.

Unfassbare Summen

Auf Kickstarter können Projekte zu den Themen Kunst, Comics, Tanz, Design, Mode, Film, Essen, Spiele, Musik, Fotografie, Literatur, Technologie und Theater angelegt werden.

Den Erfolg und die Bekanntheit hat Kickstarter sicherlich aufsehenerregenden Projekten zu verdanken, etwa der Pebble Smart Watch – eine Uhr mit E-Paper-Display, die per Bluetooth Informationen vom Smartphone abholt und anzeigt. Für die Pebble-Uhr lag das Ziel bei 100.000 US-Dollar, es kamen aber 10.266.845 (!) US-Dollar zusammen.

»Wie wäre es, wenn die Leute auf eine Internetseite gehen könnten, um Geld für eine Show zu sammeln?...«

Ein weiteres Vorzeigeprojekt ist die Spielekonsole Ouya , die mit Android läuft. Die Macher der Ouya brauchten 950.000 US-Dollar zur Realisierung ihres Traums – die hatten sie binnen acht Stunden zusammen. Am Ende des Finanzierungszeitraumes stand der Wahnsinnsbetrag von 8.596.474 US-Dollar auf dem Zähler.

So etwas geht im Land der unbegrenzten Möglichkeiten besonders gut: Hier gibt es eine potenzielle Basis von rund 240 Millionen Nutzern – so viele US-Einwohner haben einen Internetanschluss. Das Land ist technikbegeistert, es gibt viele Kulturliebhaber und eine gigantische Masse an Film- und Musikfans.

In den Bereichen Gaming, Film, Musik und Kunst gibt es die meisten finanzierten Projekte: Kunstwerke im Museum of Modern Art, Musikalben in den Top-Ten der Charts, Filme auf wichtigen Festivals wie dem Sundance oder dem SXSW oder versehen mit Oscarnominierungen. Das schafft Publicity.

Die Topprojekte

Zu den erfolgreichsten, weil besonders schnell oder besonders überfinanzierten Projekten auf Kickstarter gehören unter anderem die bereits genannten – die Pebble Watch und die Spielekonsole Ouya.

Auch Trendthemen wie 3-D-Drucker finden ihre Repräsentanten: Der FORM1-3-D-Drucker soll erschwinglich sein und dennoch hochprofessionelle Ergebnisse liefern. Er stammt aus der Feder zweier Wissenschaftler vom Massachusetts Institute of Technology (MIT). Knapp 3 Millionen US-Dollar haben ihnen die Backer gegeben – nur 100.000 US-Dollar waren angesetzt.

Die Android-Konsole Ouya ist eine Kickstarter-Erfolgsgeschichte.
Die Android-Konsole Ouya ist eine Kickstarter-Erfolgsgeschichte. ©

Das Genre „Gaming“ zählt zu den erfolgreichsten auf Kickstarter. Neben Spielen entsteht so auch interessante Hardware, etwa die Virtual- Reality-Brille „Oculus Rift“. Ein weites Sichtfeld, eine sehr hohe Auflösung und vor allem eine niedrige Latenzzeit bei der Reaktion auf Kopfbewegungen sollen dafür sorgen, dass der Spieler in den Fantasiewelten versinken kann und Virtual Reality endlich das zeigt, was es seit Jahren oder Jahrzehnten verspricht. Fast 10.000 Backer konnte das Projekt gewinnen, fast zehnfach überfinanziert wurde es – 2.437.429 US-Dollar statt der veranschlagten 250.000 US-Dollar.

Für Smartphone-Besitzer interessant ist Thermodo. Eine winzige Kapsel wird über den Klinkeneingang an das Smartphone – iPhone, Android und Windows Phone werden unterstützt – angeschlossen. So lässt sich die Umgebungstemperatur messen, passende Apps zeigen die Temperatur und den Verlauf an. Eine coole Idee und mit 25 US-Dollar nicht teuer.

Ebenfalls in die Smartphone-Kerbe schlagen App-Projekte wie Dark Sky. Mit 40.000 US-Dollar ein kleineres Projekt, aber mit einer praktischen Idee: Die App sagt das Wetter für kurze Zeiträume und für eine exakte Position voraus. Beispiel: In 8 Minuten beginnt es zu regnen, regnet dann 15 Minuten lang – anschließend bleibt es 25 Minuten lang trocken. Interessant für Wanderer, Landwirte, Filmer und Fotografen oder alle, die auf exakte kurzfristige Wettervorhersagen angewiesen sind.

Die Regeln

Schade nur, dass man Kickstarter-Projekte nur als Einwohner der USA oder von Großbritannien aus starten kann. Finanzieren kann man sie aber – Kreditkarte vorausgesetzt – aus allen Ländern dieser Erde.

Um teilnehmen zu dürfen, muss man ein Projekt mit einem festen Ziel und Ende haben. Es muss sich in den definierten Kategorien abspielen und darf keine wohltätige Sache oder einfach nur jemandes Leben finanzieren (Rechnungen oder eine große Anschaffung).

Auch gibt es eine ganze Reihe Ausnahmen: Waffen, Drogen, Pornografie, aber auch Kosmetika, Babyprodukte und Medizinprojekte dürfen nicht über Kickstarter finanziert werden. Kickstarter prüft die Projekte auf diese Vorschriften, bevor sie auf die Seite dürfen. Ansonsten hält sich das Unternehmen weitestgehend heraus – die Rechte am Produkt bleiben beim Projekteigner. Lediglich 5 Prozent der eingenommenen Gelder gehen an Kickstarter. 3 bis 5 Prozent streichen noch einmal die Institute ein, die für den Geldtransfer sorgen – in den USA ist das Amazon. Eine Garantie für die Umsetzung der Projekte übernimmt Kickstarter nicht. Schafft es der Projekteigner nicht, seine Idee umzusetzen, ist das Geld der Anleger weg – niemand erhält das Produkt oder eine Wiedergutmachung.

In Deutschland läuft's nicht

Kickstarter ist genial. Es kann sogar süchtig machen – coole neue Projekte kennenlernen, kreative Köpfe unterstützen, neue Gadgets, Kunstwerke oder Literatur als erstes in den Händen halten. Und es ist die beinahe perfekte Finanzierungsplattform.

Die Projekteigner stehen vor klaren Verhältnissen: Kommt das Geld zusammen, können sie durchstarten – der Druck, das Geld in kurzer Zeit und mit Zins und Zinseszins zurückzahlen zu müssen, entfällt. Wenn die Finanzierung nicht erfolgreich verlief, ist es auch gleich ein Indikator dafür, dass das Produkt wohl auf dem Markt nicht gut angekommen wäre.

Alternativen in Deutschland sind zwar vorhanden, aber wenig erfolgreich. Startnext, VisionBakery, Friendfund, Pling und Inkubato teilen sich die wenigen Euros auf, die deutsche Backer bereit sind, in Projekte zu investieren.

 
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