Ratgeber

Dauertest: T-Mobile G1

Groß geworden ist Google zunächst als Suchmaschine, hat sich anschließend mit Google Maps als digitaler Kartenanbieter einen Namen gemacht und versorgt Internet-User mittlerweile auch mit kostenlosen E-Mail-Accounts.

T-Mobile G1

© Archiv

T-Mobile G1

Die Erfolgsgeschichte der US-Amerikaner in Deutschland setzte sich mit der Einführung des ersten Google-Handys im Februar 2009 fort. Das nagelneue Betriebssystem Android steckte zwar noch in den Kinderschuhen, konnte aber dennoch in der mobilen Welt Fuß fassen. Neun Monate später tummeln sich eine Hand voll Smartphones mit Android auf dem Handymarkt - und für die kommenden Monate sind etliche weitere Geräte angekündigt.

Quietschendes Gehäuse

Das von HTC hergestellte Gehäuse des T-Mobile G1 überzeugt mit einem ausgefuchsten Schiebe-Mechanismus: Steht eine Schreibaufgabe an, schiebt man das Display nach rechts weg, wobei eine mechanische Qwertz-Tastatur freigelegt wird. Zugegeben: Mit 17 Millimetern Bauhöhe ist das Smartphone dicker als die aktuellen Android-Modelle, die rein auf Touchscreen-Bedienung setzen.

Doch das sauber verarbeitete und gut bedienbare mechanische Keyboard macht diesen Nachteil für viele Vielschreiber mehr als wett. Der Druckpunkt ist klar definiert, die Tasten geben verlässlich Rückmeldung. E-Mails, SMS und Statusmeldungen lassen sich damit erfreulich schnell und angenehm tippen. Wer sein T-Mobile G1 mit der aktuellen Firmware 1.6 füttert, braucht zum Tippen übrigens nicht mehr zwingend den Bildschirm auszufahren, sondern kann sich wie bei der Konkurrenz mittels eingeblendeter Drücker direkt über den Touchscreen mitteilen.

T-Mobile G1

© Hersteller, Athanassios Kaliudis

Die Tastatur ist dank sauber definierter Druckpunkte bestens zum Tippen geeignet.

Das hat einen entscheidenden Vorteil - die Ohren bleiben verschont: Denn nach ein paar Wochen in der Hosentasche fängt das T-Mobile G1 beim Ausfahren der Qwertz-Tastatur an zu quietschen und zu knarzen, dass man unweigerlich an alte Dachböden denken muss. Mit etwas gutem Willen gewöhnt man an sich aber an die Nebengeräusche und nimmt sie kaum noch wahr.

Für die folgende Gebrauchserscheinung haben wir leider keine Hilfestellung: Obwohl der Schiebemechanismus sehr zuverlässig arbeitet, weist das ausgefahrene Display nach einiger Zeit leichtes Spiel auf und wackelt ein wenig. Dafür ist der Screen erfreulich robust: Solange sich das T-Mobile G1 die Hosentasche nicht mit dem Schlüsselbund teilen muss, dürften auch keine Kratzer auf dem Display zu beklagen sein. Tritt der Worst Case dennoch ein, können diverse Bildschirm-Pasten aus dem Fachhandel den Schaden minimieren.

Intuitives Bedienkonzept

Das T-Mobile G1 hat eine "völlig neue Betriebssystem-Ära eingeleutet", wie "MotoMaster", engagierter User im connect-Forum, konstatiert. Während Apples iPhone zum Software-Update einen Computer mit iTunes-Zugang benötigt, kann das T-Mobile G1 "over the air" über das Mobilfunknetz - und dank UMTS in einem flotten Tempo - mit der neuesten Firmware bespielt werden.

T-Mobile G1 Menü

© Hersteller, Athanassios Kaliudis

Aus dem Android Market heruntergeladene Zusatzsoftware wird im Hauptmenü gelistet.

Nicht ganz so flott ist der Ur-Android beim Booten. Unser Testgerät ist schon mehrere Wochen in der Redaktion im Einsatz und hat somit auch schon einige Zusatzapplikationen auf dem Buckel. Bis das Smartphone hochgefahren und einsatzbereit ist, verstreicht knapp eine Minute. Danach läuft alles wie am Schnürchen: Der individuell anpassbare Startbildschirm erstreckt sich über drei Flächen, die sich mit einem Fingerwisch ganz einfach nach rechts oder links verschieben lassen und mit Shortcuts beliebig gestaltet werden können.

Wer von Windows-Mobile-Geräten die Eingabe mit einem Stylus oder Fingernagel gewöhnt ist, muss hier umdenken. Der kapazitive Touchscreen reagiert nur auf die Leitfähigkeit des Körpers, sprich auf Hautkontakt. Die Umstellung sollte jedoch keine Schwierigkeiten bereiten, da sich der Touchscreen gut und präzise bedienen lässt.

Am unteren Bildschirmrand ist eine Lasche zu sehen, mit der eine Art virtuelle Schublade aufgezogen wird. Darin finden sich alle vor- und nachinstallierten Applikationen und Einstellmöglichkeiten übersichtlich mit selbsterklärenden Icons alphabetisch sortiert. Auch die Statusleiste im oberen Bildschirmbereich wird einfach nach unten aufgezogen und gibt Auskunft über aktive Anwendungen, neu installierte Software oder verpasste Anrufe.

Das Bedienkonzept ist schnell verstanden; der Überblick bleibt stets erhalten und man landet praktisch nie in einer Sackgasse. Etwas unglücklich ist das Navigationskügelchen: Da es sehr leichtgängig ist, kommt es anfangs zu ungewollten Eingaben. Alles in allem macht Android im Alltag dennoch eine gute Figur - auch wenn es in den ersten Tagen einige Hürden zu nehmen gilt. Das T-Mobile G1 als Business-Phone?

T-Mobile G1

© Hersteller, Athanassios Kaliudis

Das T-Mobile G1 auch über das Navigationskügelchen bedienbar.

Eine solche Hürde ist der E-Mail-Account bei Googlemail. Zwar ist dieser seit der Firmware 1.5 nicht mehr zwingend erforderlich. Doch wer sich Google verweigert, der muss auch auf den Android Market - und somit auf die Vorzüge des offenen Betriebssystems, nämlich das Softtuning durch Apps - verzichten. Möchte man also das wachsende Angebot im Online-Shop nutzen, muss man sich mit Google anfreunden, auch wenn "das Abnicken der ewig langen Geschäftsbedingungen ganz schön nervig ist" (Bernd Theiss, connect-Redakteur).

Ohne Googlemail gibt's übrigens auch keine Outlook-Synchronisation - die nächste Hürde, die es zu nehmen gilt. Damit alle vorhanden E-Mail-Postfächer, Kalender und Kontakte auch auf dem Google-Handy synchron laufen, sollten alle Mail-Accounts auf den Google-Server umgeleitet werden. Zwar können auch GMX- oder Web.de-Mails auf das T-Mobile G1 gepusht werden; Kontakte und Kalender synchronisiert das Smartphone jedoch nur mit dem Google-Account.

Für den Abgleich des Outlook-Postfachs mit dem Googlemail-Account bieten sich unterschiedliche Software-Lösungen an. Unter companionlink.com/android etwa kann eine zweiwöchige Testversion der Sync-Software "Companionlink" heruntergeladen werden (die Vollversion kostet umgerechnet knapp 27 Euro). Dieses Tool synchronisiert alle Outlook-Kontakte und -Termine mit Ihrem E-Mail-Account bei Googlemail. Das T-Mobile G1 und der Google-Server tauschen sich schließlich über das Mobilfunknetz aus (Push-Dienst) und voila - wir haben erfolgreich synchronisiert.

T-Mobile G1-Benutzer, die ihre Mails von einem Exchange Server abholen möchten, finden dafür im Android Market unter anderen die Anwendung "Touch Down" von Nitro Desk - als Vollversion für rund sieben Euro erhältlich. Und wenn man schon gerade im Market die Business-Fähigkeiten seines Google-Phones aufmöbelt, empfehlen sich diverse Viewer für Office-Anwendungen, denn in der Grundausstattung gibt sich Google hier spartanisch - "RepliGo" etwa ist ein ausgereifter PDF-Viewer mit Lesezeichen und Suchfunktion.

Android kann überzeugen

T-Mobile G1

© Hersteller, Athanassios Kaliudis

Der Android Markt bietet ein umfanreiches Angebot an Zusatzsoftware.

Während böse Zugen behaupten, Android sei die billige Alternative zu iPhones Mac OS, hat die Newcomer-Plattform im connect-Dauertest als stabiles Betriebssystem mit innovativer Bedienoberfläche überzeugen können. Über die Nähe zur Mutter Google und deren Datensammelwut muss man sich in jedem Fall im Klaren sein. Verbesserungspotenzial zeigt sich beim Akku: Bei intensiver Nutzung muss das Smartphone am Stromnetz übernachten.

Im T-Mobile-Shop geht das T-Mobile G1 momentan für knapp 330 Euro über die Ladentheke. Laut einem Preisvergleich von guenstiger.de kann man das Google-Handy online schon ab 239 Euro haben - das ist deutlich günstiger als das iPhone und somit eine preiswerte Alternative. Für die optimale Nutzung muss man aber auf jeden Fall einen passenden Datentarif buchen.

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