Ratgeber Raumakustik

Die Bassfallen

Das größte Problem der Raumakustik sind tieffrequente Resonanzen, die den Bass aufdicken. Teil III des Raumakustik-Ratgebers zeigt Wege, sie loszuwerden.

Wasserfalldiagramm

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Wasserfalldiagramm

Er habe kaum noch Lust zum Musikhören, schrieb Leser K.: Obwohl er nur kleine Kompaktboxen mit 13-Zentimeter-Tieftönern verwende, würden sich schon bei kleineren Lautstärken die Bässe aufblähen und so den Rest der Musik fast überdecken. Außerdem würden sich die Nachbarn immer wegen der lauten Bässe beschweren.

Leser K. leidet unter einem häufigen Problem der Wohnraumakustik: Die Eigenresonanzen ("Moden" genannt) seines Wohnzimmers liegen derart ungünstig, dass sie sich addieren und lange nachschwingen. Das Wasserfalldiagramm zeigt einen solchen Desaster-Raum. Zwei mächtige Moden, eine bei 40 Hertz und eine bei 80, verhindern hier eine saubere Wiedergabe. Und man sieht sofort die Problematik solcher Räume: Der 40-Hertz-Ton ist nicht nur im Vergleich zum Restpegel zu laut, er hallt auch sehr lange nach - erkennbar daran, dass der "Bergrücken" bis vorn hin nicht kleiner wird. Da sollte man dringend etwas tun - oder in einem anderen Raum Musik hören. 

Für die Akustik in Wohnhörräumen ist es sinnvoll, die Probleme in zwei Bereiche einzuteilen: oberhalb und unterhalb 200 Hertz. Wie man "oben" mit überschaubarem Einsatz bessere Ergebnisse erzielt, haben Teil I und II dieser Serie gezeigt. Beim Bass ist der Aufwand leider sehr viel höher. Wer viel Absorption braucht, muss leider auch "viel" machen.

Viele HiFiisten liebäugeln mit elektronischen Entzerrungen, in der Hoffnung, man könne all diese Probleme mit einem Gerät erledigen.  Falsch. Digital- Equalizer a la Lyngdorf (stereoplay 10/07) funktionieren zwar recht gut, aber leider nur an einer Stelle im Hörraum. Vor allem können sie den Pegel bei einzelnen Raumresonanzen nur absenken; ihren Nachhall im Raum aber verringern sie nicht.

Da müssen mechanische Bedämpfungen her. Die Wohnraumakustiker nutzen in der Regel die drei hier vorgestellten Absorber-Typen: Kantenabsorber, Plattenabsorber und Helmholtz-Bassfallen. Doch zuerst muss einmal festgestellt werden, bei welchen Frequenzen Ihr Hörraum denn überhaupt dröhnt.

Dazu haben wir unter www.stereoplay.de/Bassfalle die wichtigsten Bass-Frequenzen zwischen 20 und 150 Hertz als als WAV-Datei ins Netz gestellt. Einfach auf eine CD brennen und im Player Ihrer Anlage abspielen. So kommen Sie den Bass-Eigenarten Ihres Raumes schnell auf die Schliche. Wenn Sie die Dröhnresonanzen ermittelt haben (meist sind es zwei oder drei besonders störende Frequenzen zwischen 40 und 120 Hertz), entscheiden Sie, welche Form der Absorption die bessere ist. Liegen die Dröhnfrequenzen oberhalb 70 Hertz, können Sie ruhigen Gewissens mit Schaumstoff-Absorbern arbeiten. Allerdings gilt bei ihnen besonders der Spruch: Wer viel Dröhn hat, muss viele Absorber in die Ecken stellen.

In manchen Fällen eleganter und vor allem auch unter 70 Hertz erheblich effektiver sind Helmholtz-Resonatoren, sogenannte Bassfallen. Sie funktionieren wie Bassreflex-Gehäuse, nur dass sie keinen Bass produzieren, sondern eliminieren. Im Gegensatz zum sehr breitbandig agierenden Kantenabsorber kann man die Bassfalle exakt auf die spezielle Freuenz einstellen und bekommt so sehr hohe Effizienz.

Eine Bassfalle lässt sich nach der Formel relativ simpel selbst herstellen. Wichtig ist: Das Gehäuse sollte absolut stabil sein (darf nicht mitschwingen), die Kiste sollte wenigstens 50 Liter Nettovolumen haben und muss in der Ecke oder wenigstens an der Wand stehen. Eine schöne Idee ist die Bassfalle zwischen Sofa und Rückwand: Sie bekommen eine Ablagefläche, der Abstand zur Wand wird größer (klingt wegen der Reflexionen besser), und es wird wirkungsvoll Dröhnbass vernichtet.

Um einen Effekt wie bei den Messungen links oben zu erreichen, müssen aber wenigstens vier Bassfallen eingesetzt werden. Und bitte nicht alle in einer Ecke: Für den Top-Klang verlangt unser Ohr Symmetrie.

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