Ratgeber: Cloud Computing

Dropbox und Co. richtig nutzen

Funktionsumfang und Bedienkonzept der Cloud-Dienste unterscheiden sich zum Teil deutlich. Das sollten Sie bei der Nutzung von Dropbox und Co. wissen.

Webspace clever nutzen

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Webspace clever nutzen

Cloud-basierte Speicher präsentieren sich gern als die Online-Variante eines USB-Sticks. Das Motto lautet: "Diesen Speicher haben Sie immer dabei." Das ist prinzipiell nicht falsch, allerdings ist der Umgang mit Cloud-Speichern in der Praxis doch komplizierter als das simple Einstecken eines Speichersticks.

Synchronisieren erfordert Disziplin

Übersichtlich

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Übersichtlich: Das Webinterface von Stratos HiDrive zeigt sehr strukturiert alle Möglichkeiten an, die Ihnen der Online-Speicher bietet

Dabei machen nicht nur die Anbindungsmethoden und Protokolle die Cloud-Welt komplex. Hinzu kommt, dass die einzelnen Anbieter bei ihren Cloud-Lösungen unterschiedliche Schwerpunkte legen und diese auch technisch recht unterschiedlich umsetzen.

Als Väter der Online-Speicher dürfen Dienste wie Dropbox, Sugarsync oder Box (ehemals box.net) gelten. Sie setzen auf eigene, im Hintergrund ablaufende Tools, um den Inhalt eines lokalen Ordners zu beobachten und mit der Cloud zu synchronisieren. Wer diesen Mechanismus konsequent verwendet, kann davon durchaus profitieren - um zum Beispiel den aktuellsten Stand eines Dokuments sowohl auf dem Büro- als auch auf dem Heim-PC verfügbar zu machen.

Doch vergisst der Anwender nur, die veränderte Datei vom Desktop in den Synchronisationsordner zu verschieben, hat er schon verloren: In diesem Fall bleibt die in der Cloud gespeicherte Version auf dem alten Stand.

Sicherheit geht vor

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Sicherheit geht vor: Bei HiDrive lässt sich für jeden Link dessen Gültigkeit und die maximal erlaubte Anzahl an Downloads sowie ein Passwort festlegen.

Bei den heute verfügbaren Bandbreiten und Cloud-Speichergrößen wäre es jedoch utopisch, den kompletten Inhalt eines Speicherlaufwerks oder Computers mit der Cloud synchronisieren zu wollen. Dropbox und Co arbeiten nach eigener Aussage allerdings an flexibleren und clevereren Synchronisationsmethoden.

Vorteilhaft ist in diesem Zusammenhang außerdem, dass Dropbox seine Programmschnittstellen seit einiger Zeit für externe Programmierer geöffnet hat, damit diese schlaue Smartphone- und Web-Apps entwickeln können, die den Funktionsumfang dieses Dienstes und ähnlicher Angebote erweitern.

Bis diese Bemühungen Ergebnisse liefern, müssen Cloud-Nutzer aber beim Abspeichern und Ablegen ihrer Daten Disziplin walten lassen, wollen sie nicht trotz Cloud-Komfort in Fallen laufen.

In der Cloud und lokal speichern

Im Zugriff

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Im Zugriff: Per WebDAV oder CIFS/SMB eingebundene Cloud-Speicher lassen sich wie lokale Laufwerke nutzen und werden ähnlich angezeigt.

Wird der Cloud-Speicher über das WebDAV- oder das CIFS/SMB-Protokoll wie ein externes Speicherlaufwerk ins Betriebssystem eingebunden, entfällt die automatische Synchronisation im Hintergrund. Ob es allerdings zweckmäßig ist, Dokumente von vornherein auf dem Cloud-Laufwerk zu öffnen und während der Bearbeitung dort zu speichern, hängt nicht zuletzt von der Übertragungsbandbreite ab.

Selbst mit den sehr schnellen VDSL-Anschlüssen, die optional bis zu 10 Megabit/s Upload-Geschwindigkeit bieten, gestaltet sich der Zugriff zäher als auf einem lokalen Speichermedium. Zudem besteht das Risiko, dass die Verbindung während der Bearbeitung abreißt, was viele Anwendungsprogramme nicht gerade locker nehmen - im ungünstigsten Fall wird die komplette Datei irreparabel beschädigt.

Wer hier also auf Nummer sicher gehen möchte, wird die Datei zur Bearbeitung auf ein lokales Speicherlaufwerk kopieren. Danach muss er jedoch wieder daran denken, die veränderte Version zurück auf das Cloud-Laufwerk zu kopieren. Erst recht gilt all dies, wenn Sie ein Notebook unterwegs via Mobilfunk mit dem Cloud-Speicher verbinden.

Wer sich allerdings bei so einer Kopieraktion einmal vertut, wird sich über Cloud-Dienste wie Box oder Wuala freuen, die eine Versionsverwaltung bieten, mit der sich auch ältere Stände einer Datei wiederherstellen lassen. Oder die zumindest, wie etwa bei Dropbox, versehentlich gelöschte Dateien wiederbeleben können.

Cloud und Smartphones

Nur eingeschränkt

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Nur eingeschränkt: Bei Dropbox lassen sich Download-Links an Nicht-Dropbox-Mitglieder nur für Dateien im "Public"-Verzeichnis senden.

Die von Cloud-Anbietern oder unabhängigen Programmierern angebotenen Smartphone-Apps sind ohnehin für die Nutzung über mobile Datenverbindungen ausgelegt. Um die dort üblichen Datenkontingente zu schonen, laden sie nicht den kompletten Inhalt des Online-Speichers herunter, sondern zeigen zunächst nur die Dateien an.

Erst wenn man eine Datei antippt, wird sie tatsächlich auf das Smartphone übertragen. Gibt es für das Smartphone-Betriebssystem keine eigene Client-App, steht immer noch der Zugriff über das bei fast allen Diensten verfügbare Webinterface zur Verfügung. Auch darüber lassen sich die in der Cloud gespeicherten Dateien in der Regel herunterladen und auch wieder zurück in die Cloud befördern - vorausgesetzt natürlich, Betriebssystem und/oder Apps auf dem Smartphone sind überhaupt in der Lage, das jeweilige Dateiformat zu öffnen und das Bearbeiten der Datei zuzulassen.

Auf dem iPhone, das ja prinzipiell kein für den Anwender zugängliches Dateisystem bietet, sorgt die Dropbox-App für die Anbindung an die iOS-eigenen Anwendungen. Darüber hinaus findet sich in Apples App Store ein breites Angebot an Apps, die direkt mit dem populären Online-Speicher kommunizieren können - etwa die Text-Editoren "PlainText" oder "Droptext" oder das Foto-Verwaltungsprogramm "DropPhox".

Dateien austauschen

Jede Menge Anbieter

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Jede Menge Anbieter: Auch Schutzpakete wie hier "Norton 360" enthalten Funktionen für Online-Backups.

Wenn Sie den Cloud-Speicher auch dazu einsetzen wollen, die dort abgelegten Dokumente an Dritte weiterzugeben, verdienen wiederum andere Funktionen Beachtung. Grundsätzlich sollte der Dienst irgendwie dafür Sorge tragen, dass der Empfänger nur die für ihn bestimmten Daten einsehen und herunterladen kann.

Die dafür übliche Lösung besteht in mehreren Benutzerkonten, denn damit lassen sich die einzelnen Verzeichnisse im Online-Speicher bestimmten Empfängern zuordnen. Was dort enthalten ist, kann der identifizierte Benutzer herunterladen - die Inhalte der benachbarten Verzeichnisse sieht er gar nicht erst.

Nach diesem Prinzip arbeitet nicht nur die erwähnte Dropbox, auch Wuala und Box funktionieren so. Häufig müssen aber zum Beispiel Benutzer, die auf ein Dropbox-Verzeichnis zugreifen sollen, als Kunden des Dienstes angemeldet sein.

Die einzige Ausnahme ist das - allerdings wiederum für alle Dropbox-Kunden zugängliche - Verzeichnis "Public". Da ein Einstiegskonto bei Dropbox und vergleichbaren Diensten in aller Regel kostenlos ist, stellt die Anmeldung keine allzu große Hürde dar, wenngleich das Prinzip natürlich ein Mittel zur Kundengewinnung ist.

Einen anderen Weg geht zum Beispiel das HiDrive von Strato: Hier kann man Empfängern einen spezifischen Download-Link zur Verfügung stellen. Dabei lässt sich für jede so verlinkte Datei einzeln festlegen, wie oft und bis zu welchem Datum der Abruf-Link genutzt werden darf.

Backup in der Cloud

Teurer Speicher

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Teurer Speicher: Wer mehr Platz als die enthaltenen Einstiegskontingente braucht, muss kräftig nachzahlen.

Neben Synchronisation und Weitergabe ist die dritte typische Anwendung für Cloud-Speicher der "Backup". Hier steht die Überlegung im Vordergrund, dass die Rechenzentren, in denen die Online-Speicher gehostet werden, räumlich vom eigenen Büro oder der Wohnung getrennt sind. So wären die Daten selbst im Falle eines Brandes oder anderer Katastrophen dort noch geschützt.

Deshalb bieten jede Menge Tools cloud-basierte Backups an - neben den Apps der Cloud-Provider etwa auch Schutzprogramme von Anbietern wie Symantec oder F-Secure. Allerdings sind die oft kostenlos angebotenen Einstiegs-Speicherpakete in der Regel zu klein, um den kompletten Dateninhalt eines zeitgemäßen PC aufzunehmen. Dann kann man sich entweder entscheiden, nur die wichtigsten Daten in der Cloud zu sichern (was wiederum eine disziplinierte Organisation der eigenen Daten voraussetzt) oder zu teilweise recht teuren Preisen zusätzlichen Speicherplatz nachkaufen.

Neben dem verfügbaren Platz am Ziel der Speicheroperation sollte man dabei allerdings auch die Übertragungsdauer berücksichtigen: Auch hier hängt die erzielbare Geschwindigkeit vom prinzipiell begrenzten Uplink der eigenen Internetleitung ab. Der praktische Umgang mit den Backup-Tools unterscheidet sich aber nicht von deren Nutzung mit lokalen Speicherzielen.

NAS-Systeme als Puffer

Einige Probleme, die sich aus dem Einsatz eines reinen Cloud-Speichers ergeben, lassen sich mildern oder eliminieren, wenn Sie ein geeignetes NAS-System sozusagen als Zwischenspeicher oder Puffer zwischen Ihrem Netzwerk und der Cloud verwenden.

So können Sie dann zum Beispiel Dokumente auf dem NAS öffnen und bearbeiten oder ihre Backups dorthin spielen - und das NAS dann beauftragen, die wichtigsten Inhalte selbstständig in die Cloud zu duplizieren. Anders als beim Einsatz von NAS-Systemen als privatem Cloud-Ersatz arbeitet der Netzwerk-Speicher hier also mit einem Online-Speicher zusammen.

Solche Tricks beherrschen nicht alle NAS-Systeme, wohl aber die aufwendigeren Systeme von Buffalo, Iomega oder Synology.

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