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E-Plus

So hat sich E-Plus geschlagen

Die Düsseldorfer haben massive Netzverbessungsprogramme gestartet. Und die zeigen bei der Telefonie deutlich Wirkung: Hier kann E-Plus sogar an O2 vorbeiziehen. Der vernachlässigte Datenausbau des Netzes kostet dann aber doch den dritten Platz.

Der Discount-Netzbetreiber hat mächtig Gas gegeben. Zwar halten die Düsseldorfer nach wie vor die rote Laterne, aber hier muss man differenzieren: Wenn man nur telefonieren möchte - und diese Kunden adressiert E-Plus mit seine Submarken hauptsächlich - liegen die Grünen sogar hauchdünn vor O2 und fast gleichauf mit den D-Netzen. Dabei hatte E-Plus letztes Jahr noch massive Probleme. Die neue Flatrate-Marke Base spülte auf einen Schlag viele dauertelefonierende Kunden ins Netz.

Messequipment

© Archiv

Per Notebook werden die Industrierechner mit den Datenkarten und Handys im hinteren Teil überwacht.

Wenn man nun bedenkt, dass ein Sender einer Zelle (TRX) gerade mal acht Gespräche gleichzeitig abwickeln kann, kann man sich vorstellen, dass ein Netz durch Dauergespräche in Großstädten schnell in die Knie gezwungen werden kann. Zwar haben die Netzbetreiber natürlich mehrere Sender pro Zelle am Laufen, trotzdem muss bei steigender Auslastung irgendwann nachgerüstet werden. Das geschieht in der Anfangsphase per Software: Die berechnet  in jeder einzelnen Zelle, wann die Station bei gleichmäßigem Gesprächswachstum an der Grenze ist. Zum anvisierten Zeitpunkt bestellt das Programm automatisch die Erweiterungshardware für die Station und fordert die Techniker an. Wenn nun aber das Wachstum nicht mehr linear, sondern exponentiell nach oben schnellt, sind weder genug Techniker noch Hardware gleichzeitig verfügbar, um viele Zellen umzurüsten. Also hinkt man mit dem Ausbau hinterher.

Indoor-Versorgung

Mit der Indoor-Versorgung konnte E-Plus ein weiteres Manko aus der Vergangenheit minimieren. Hier macht sich die Umrüstung zahlreicher Sender von 1800 MHz auf die klassischen D-Netz-Frequenzen von 900 MHz positiv bemerkbar - die 900er-Frequenzen werden von Gebäuden lange nicht so stark abgeschirmt. Auch die Abdeckung auf dem Land ist im 900er-Band besser. Zwar sind die klassischen D-Netze in Sachen Netzabdeckung weiterhin führend, trotzdem ist E-Plus auf einem guten Weg

Datenmessungen

Federn lassen mussten die Düsseldorfer dann aber bei den Datenmessungen. Wenn man bei E-Plus Daten übertragen will, steht einem netzweit das mit rund 60 kbit/s recht langsame GPRS ohne den Beschleuniger EDGE zur Verfügung. Das ist in etwa die Geschwindigkeit eines analogen Modems und passt einfach nicht mehr zum mobilen Internet mit seinen datenintensiven Anwendungen. In größeren Städten bietet E-Plus auch UMTS mit 384 kbit/s, allerdings ohne den Beschleuniger HSDPA, der es bei anderen Netzen auf mindestens 1,8 Mbit/s bringt.

Auch setzt E-Plus auf wenige, dafür aber hoch gelegene UMTS-Antennenstandorte. Diese sogenannten Ultra-Highsides sollten die Ausbaukosten minimieren, die Versorgung von Innenräumen ist so aber schwieriger. Da verwundert es kaum, dass E-Plus bei den stationären Datenmessungen nur auf einen UMTS-Anteil von 88,7 Prozent kommt, während Vodafone mit 99,8 Prozent glänzen kann. Auch die Datenraten von durchschnittlich 180 kbit/s bei den IMAP-Messungen sind im Vergleich zu Vodafone (1645 kbit/s) kläglich.

Wenn Sie also nur günstig telefonieren möchten, können Sie getrost beim Preisbrecher E-Plus unterschreiben, denn die Düsseldorfer haben beim Telefonieren über GSM große Fortschritte gemacht. Wenn Sie unterwegs hingegen häufig mobil Daten übertragen möchten, sollten Sie besser etwas tiefer in die Tasche greifen und bei Vodafone oder T-Mobile unterschreiben.

connect-Urteil: befriedigend (356 Punkte)

Kommentar: Die Strategie der E-Plus Manager zahlt sich aus: Durch relativ niedrige Netzunterhaltungskosten gibt's bei den Grünen günstige Tarife. Dies wurde durch die Auslagerung des Netzbetriebs sowie die konsequente und seinerzeit nachvollziehbare Zurückhaltung bei der Investition in neue Breitbandtechnologien erreicht. Die Hausaufgaben bei den Basics der GSM-Telefonie hat E-Plus gemacht, das Netz wird besser und ist durch die 900-MHz-Frequenzen nun auch auf dem Land weitgehend verfügbar. Allerdings heben Datendienste nicht zuletzt durch HSDPA bei der Konkurrenz gerade ab - hier will E-Plus nach jüngsten Aussagen nun aber nachrüsten und im nächsten Jahr Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe tätigen.

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© Archiv

Bei E-Plus fand der Scanner an mehr Stellen UMTS-Signale in der Luft als bei O2. Allerdings spricht einiges dafür, dass O2 zumindest in den Städten mehr Stationen am Laufen hat, die dann auch tiefer in die Gebäude vordringen können. Auch verzichten die Düsseldorfer derzeit noch auf HSDPA - ein Pluspunkt an dieser Stelle für O2.

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