Ratgeber: Netzabdeckung

E-Plus

Mit Discount-Tarifen und der Konzentration der Strategie auf Telefonieren und SMS geht E-Plus einen eigenen Weg, der auch ans Ziel führen kann. Gewaltige Netzumbauten und viele neue Kunden führen derzeit aber zu ernsten Qualitätsproblemen.

Derzeit nimmt E-Plus ordentlich Geld in die Hand und baut sein Netz massiv aus, denn Handyflatrates, viele neue Kunden und Billiganbieter unter eigenem Dach bedeuten jede Menge Traffic. Außerdem will sich E-Plus von den Nachteilen der 1800 Megahertzfrequenzen, die recht schlecht in Gebäuden zu empfangen sind, befreien. So kommen jetzt viele neue Sender ins Netz und zusätzliche Frequenzen werden geschaltet. Und genau diese Arbeiten am Netz machen E-Plus massiv zu schaffen. Neben Feedback von verärgerten Lesern über häufige Gesprächsabbrüche oder lausige Sprachqualität machen auch connect- und Verlagsmitarbeiter ähnliche Erfahrungen. Aus diesem Grund wurden die E-Plus-Netztestergebnisse denn auch mit besonderer Spannung erwartet.

Schwaches Ergebnis im Drivetest

Mit 89 Prozent erfolgreicher Gespräche landet E-Plus zwar im Vergleich auf dem letzten Platz, allerdings ist dieser Wert auch nicht dramatisch schlecht. Interessant sind die Gründe, warum ein Gespräch nicht erfolgreich war: So spielen Calls, bei denen die Funkverbindung abbrach (5,2 Prozent) oder nicht erfolgreiche Anrufversuche trotz vorhandenem Netz (3,5 Prozent) eine untergeordnete Rolle - hier ist immerhin Infrastruktur vorhanden. Schwerer wiegt, dass bei 20 Anrufversuchen die Handys nicht viel zu wählen hatten, da schlicht kein Netz da war. Schlimm ist auch die Quote an Anrufen mit inakzeptabler Qualität. Diese Calls blieben funkseitig zwar bestehen, allerdings war die Verbindung teilweise so schlecht, dass über viele Sekunden gar nichts ankam oder so verzerrt, dass eine Verständigung nicht möglich war. Das war vor allem bei den Bahntests ein Problem. Und selbst die Calls, die erfolgreich waren, kamen immer noch in etwas schlechterer Qualität an als bei der Konkurrenz. Gründe für diese Probleme dürften die erwähnten neuen Basisstationen sein, die offensichtlich nicht sauber ins vorhandene Netz eingebunden wurden; hier sollte EPlus die Interferenzanalysen und Handover-Einstellungen noch einmal überprüfen. Sonst nutzt es wenig, dass E-Plus-Kunden mit durchschnittlich 4,6 Sekunden am schnellsten mit dem Gesprächspartner verbunden werden.

Instabile Datenverbindungen

Ebenfalls nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat sich E-Plus bei den Datenmessungen. Knapp 76 Prozent der Mailsessions gingen reibungslos über die Bühne. Hier ist zwar O2 noch schlechter, die D-Netze sind aber mit durchschnittlich knapp 86 Prozent klar besser. Auch müssen E-Plus-Kunden am längsten warten, bis die Daten über das GSM-Netz auf den Rechner gefunkt sind. Schade, dass sich E-Plus dem Datenbeschleuniger EDGE im GSM-Netz genauso verwehrt wie der HSDPA-Technologie bei UMTS. So ist die günstige Datenflatrate für Businesskunden leider oft zu langsam und damit unattraktiv.

Bahnfahrer werden selten gestört

Zwar werden E-Plus-Frequenzen im Gegensatz zu O2 von den Repeatern in ICE/IC-Zügen durchgeleitet, trotzdem patzt der Düsseldorfer Netzbetreiber in dieser Disziplin nicht zuletzt wegen einer mageren Anrufs-Erfolgsquote von gerade mal 74,1 Prozent. Zum Vergleich: Die D-Netze fallen hier nicht unter 88,3 Prozent. Häufigster Grund der Misere waren abgebrochene Anrufe, was wieder auf Handover-Probleme oder mangelnde Funkversorgung entlang der Bahnstrecken hindeutet. Bei rund fünf Prozent der Testanrufe konnte erst gar keine Verbindung aufgebaut werden und 2,2 Prozent der Calls wurden aufgrund inakzeptabler Qualität als nicht erfolgreich gewertet. Wer also eine Bahnfahrt zum Telefonieren nutzen möchte, sollte lieber ein paar Euro mehr bezahlen und bei T-Mobile oder Vodafone seinen Vertrag unterschreiben. Das gilt auch, wenn Sie die Bahnfahrt für Internet-Arbeiten oder Mailverkehr nutzen wollen, denn da brachten die Messrechner nur 38,4 Prozent der Verbindungen zu einem erfolgreichen Abschluss - und das mit den geringsten Datenraten im Test. Die schwachen EPlus- Werte in der Bahn liegen auf O2-Niveau, allerdings haben die Münchner durch den Repeaterausschluss wesentlich schlechtere Ausgangsbedingungen. E-Plus muss also an vielen Stellen zulegen, um Kunden künftig nicht nur zu gewinnen, sondern auch zu halten.  

Pro und Contra:

- Rufaufbauzeit: Hier kann E-Plus punkten und zeigt der Konkurrenz, wie man schnell zur Sache kommt. So haben die Kunden der Düsseldorfer den gewünschten Gesprächspartner am schnellsten an der Strippe.

- Anrufstabilität: E-Plus-User müssen häufiger als andere Kunden mit Gesprächsabbrüchen rechnen. Auch wurden einige Gespräche unterbrochen, obwohl die Funkverbindung noch weiterbestand, andere Gespräche wiederum fanden in so schlechter Sprachqualität statt, dass sie nicht als erfolgreich gewertet werden konnten.

- Datenstabilität: Hier landet E-Plus zwar vor O2, doch werden die Düsseldorfer mit dem grünen Logo auch von den Bahnrepeatern berücksichtigt - was diese Leistung wieder relativiert.  

Fazit:

E-Plus hat derzeit einige Probleme. Weder die Stabilität von Sprachverbindungen noch von Datenübertragungen ist mit der von T-Mobile oder Vodafone vergleichbar. Was im Auto oder auch zu Fuß gerade noch akzeptabel und durch günstige Tarife teilweise verschmerzbar ist, wird in der Bahn zum Hemmschuh. So brechen trotz Repeatereinsatz zu viele Gespräche ab. In Sachen Netzqualität müssen die Düsseldorfer also schleunigst nachbessern und feinjustieren, um für Businesskunden eine günstige Alternative zu sein.  

connect-Urteil: befriedigend (348 Punkte)

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