Erste-Hilfe-Apps

So hilft das Smartphone bei einem Notfall

Im Notfall kann Erste Hilfe Leben retten: Mit diesen Apps frischen Sie Ihr Wissen auf, können Defibrillatoren lokalisieren und wichtige Infos für den Notfall hinterlegen.

  1. So hilft das Smartphone bei einem Notfall
  2. Lebensretter-Apps: Erste Hilfe im Notfall
Smartphone Notruf

© vchalup / Fotolia.com

Bei einem Notfall ist das Smartphone praktisch, um sofort den Notruf zu wählen. Die richtigen Apps können danach auch bei der Erstversorgung unterstützen.

Mit einem Notfall kann man schnell konfrontiert werden: Sie laufen durch die Stadt und vor Ihnen bricht jemand zusammen. Könnten Sie in diesem Fall lebensrettende Sofortmaßnahmen einleiten oder die stabile Seitenlage anwenden? Hoffentlich, denn Soforthilfe ist im Fall der Fälle essenziell: Hört ein Herz auf zu schlagen, wird das lebenswichtige Element Sauerstoff nicht mehr durch die Gefäße transportiert, der Mangel lässt die Zellen rasant absterben. Jede Minute ohne Reanimationsmaßnahmen verringert die Überlebenswahrscheinlichkeit um zehn Prozent. Wird dann innerhalb von fünf Minuten keine Herzdruckmassage durchgeführt, gibt es oft keine Rettung mehr.​

Pro Jahr kommt es in Deutschland zu ca. 100.000 Herzstillständen. Im europäischen Vergleich liegen wir damit im oberen Viertel. Diese Zahl zu reduzieren ist sicherlich schwierig, doch auch Sie können helfen, im Notfall die richtigen Handgriffe durchzuführen.​

Laienreanimation von großer Bedeutung

Bis hierzulande ein Rettungswagen mit qualifizierter Hilfe eintrifft, vergehen mindestens zehn bis 15 Minuten. Auf dem Land ist die Zeitspanne teils deutlich höher. Hilfe von Außenstehenden ist also unerlässlich, um die Überlebenschancen zu steigern. Doch genau hier gibt es ein Problem: „Die Bereitschaft der Bevölkerung, Hilfe zu leisten, ist sehr gering. Wir könnten deutlich mehr Menschenleben retten, wenn Ersthelfer schnell mit der Reanimation beginnen würden“, konstatiert Marco König, Vorsitzender des Deutschen Berufsverbandes Rettungsdienst e.V. Die EuReCa One Studie des European Resuscitation Council​ gibt ihm recht: In 27 europäischen Ländern wurden Daten von Herzstillständen und deren Versorgung erhoben. Das Ergebnis ist – jedenfalls für Deutschland – ein Trauerspiel: Nur etwas mehr als ein Drittel aller umstehenden Zeugen eines Stillstands führen eine Reanimation durch. Bei unseren Nachbarn in den Niederlanden ist die Quote der sogenannten Laienreanimation mit 73 Prozent doppelt so hoch. Doch woran liegt das?​


Im Gegensatz zu anderen EU-Ländern wird in Deutschland anscheinend nicht genug für die Verankerung von Erste-Hilfe-Kenntnissen getan. Nur wer z.B. einen Führerschein macht, muss einmal im Leben verpflichtend einen Kurs besuchen. Länder wie Dänemark unterrichten Reanimationsmaßnahmen schon während der Schulzeit. Das schlägt sich auch in der Laienreanimationsquote nieder, die ähnlich hoch ausfällt wie in den Niederlanden. Durch die geringe Hilfequote sinkt sicherlich auch der Anteil derer, die nach einem Stillstand vollkommen genesen. „Nur zwischen sieben bis zehn Prozent aller Patienten werden nach einem Herzstillstand ohne neurologische Ausfälle aus dem Krankenhaus entlassen“, so König. Zahlen, die beunruhigend niedrig sind.​

Apps sensibilisieren für Erste Hilfe 

Mit dem Smartphone lässt sich dieses Dilemma sicher nicht lösen, doch einen Beitrag können die Allrounder leisten. Mit geeigneten Apps können Sie Ihr Wissen auffrischen. Hilfe leisten ist nämlich nicht schwer, wobei Apps einen richtigen Kurs natürlich nicht ersetzen. Doch dass Smartphones eine effektive Möglichkeit sind, Menschen an lebensrettende Maßnahmen heranzuführen, findet auch König: „Jedes Medium, das für Erste Hilfe sensibilisiert, ist gut. Apps haben den Vorteil, dass sie genau die Generation ansprechen, die gut dafür geeignet ist, Erste Hilfe zu leisten.“​

Die App des DRK (nächste Seite) bietet sogar einen mobilen Notfall-Assistenten, der auch bei der Wiederbelebung hilft. „Bevor gar nichts geschieht, ist so ein Assistent, der Menschen zum Eingreifen motiviert, eine gute Sache“, so König. Wichtig ist bei der Herzdruckmassage vor allem der richtige Rhythmus von 100 bis 120 Kompressionen pro Minute. Das betont auch König. „Selbst Profis haben​ manchmal Probleme, den Takt einzuhalten.“ Wenn die App mittels Metronom dabei assistiert, ist das ein Plus. Alternativ kann man sich auch das Lied „Stayin Alive“ der Bee Gees in Erinnerung rufen und im Takt drücken. Zumal der Refrain für sich spricht …​

Android SOS-Funktion

© Screenshot WEKA / connect

Einige Android-Smartphones ab der Systemversion 5.0 haben eine SOS-Funktion implementiert: Nach dreimaligem Drücken des Powerbuttons – also des Einschaltknopfes – wird eine SMS mit einem Hilferuf und den Standortdaten an bis zu vier hinterlegte Kontakte gesandt. Wahlweise schießt das Handy auch Fotos mit Front- und Hauptkamera und nimmt eine fünfsekündige Audiodatei auf. Beides geht dann ebenfalls an die Notkontakte, die entsprechend Hilfe organisieren können. Dieses Feature muss man allerdings zuerst aktivieren, was am Beispiel von Samsung wie folgt funktioniert: Gehen Sie in die „Einstellungen“, dann auf „Erweiterte Funktionen“ und „SOS-Nachrichten senden“. Bei anderen Herstellern kann dieses Vorgehen variieren.​

Apps, in denen die Krankendaten für den Notfall hinterlegt sind, sieht König eher kritisch. Wer weiß, ob die Informationen aktuell und korrekt sind? Auch unsere Bedenken zum Datenschutz teilt er. Wenn die Informationen ohne Sicherung vom Sperrscreen des Smartphones abgerufen werden können, ist das bei einem Diebstahl bestimmt nicht vorteilhaft. Wichtige Angaben wie die Blutgruppe überprüft das Krankenhaus bei Bedarf sowieso noch einmal. „Die Krankenkassenkarte ist im Notfall völlig ausreichend“, meint König. Zumal momentan ein Projekt in der Erprobungsphase ist, bei dem ein persönlicher Notfalldatensatz auf der Gesundheitskarte gespeichert wird. Jede Berufsgruppe hat dann ihre eigene PIN, mit der sie auf unterschiedliche Bereiche der Notfalldaten zugreifen kann. 2018 wird das Vorhaben voraussichtlich umgesetzt.​

Als wichtige Applikationen erachtet Marco König auch AED-Apps (AED steht für Automatisierter Externer Defibrillator), wie wir sie​ auf der nächsten Seite vorstellen. Mit ihnen findet man im Notfall schnell einen Defibrillator, dessen Einsatz sehr hilfreich ist. Ebenfalls erwähnenswert ist das Projekt „Mobile Retter“: Qualifizierte Laien wie Pfleger oder Feuerwehrleute erhalten nach kostenlosem Training Zugang zu einer speziellen Helfer-App. Bei einem Notruf benachrichtigt die App sofort einen in der Nähe befindlichen Retter. Dadurch stehen die Chancen gut, dass er vor dem Eintreffen des Krankenwagens Hilfe leisten kann. Bislang sind sechs Regionen an dem Projekt beteiligt, darunter Ingolstadt und das Emsland.​

Fest steht: Mit mehr Wissen und Hilfsbereitschaft ließen sich deutlich mehr Leben retten. Nun liegt es an Ihnen …​

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Quelle: connect
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