Festnetzmarkt

Firmenportrait 1&1

Der deutsche Mobilfunkmarkt ist schon kein Zuckerschlecken. Doch im Vergleich zur Festnetzbranche verdienen die Mobilfunker ihr Geld im Schlaf. Denn das DSL-Geschäft, das den Festnetzmarkt revolutioniert hat, stagniert.

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Bis auf Vodafone müssen die meisten Anbieter einen Rückgang im Neukundengeschäft verzeichnen. Bei derzeit insgesamt über 21 Millionen DSL-Nutzern ist schon von Marktsättigung die Rede. Schlimmer trifft die Unternehmen, dass die Gewinnmargen aufgrund der aggressiven Preise immer weiter abnehmen. Konsolidierungen sind die Folge: Zuletzt wurde die deutsche Telekom-Italia-Tocher Hansenet durch den Wettbewerber Telefonica O2 Deutschland geschluckt.

Die Nummer 2 hinter der Deutschen Telekom

Doch auch im hart umkämpften Festnetzmarkt gibt's einen Fels in der Brandung: 1&1, der Internet-Anbieter aus dem dünn besiedelten Westerwald, trotzt den Krisenzeiten. So konnten die Montabaurer nach einer Dürreperiode wieder deutlich zulegen.

Die starke Dachmarke United Internet, der neben 1&1 auch die hauseigenen Freemail- und Portal-Dienste GMX und Web.de angehören, konnte den Umsatz auf über 409 Millionen Euro im letzten Quartal steigern. Von Januar bis September 2009 erzielten die United-Internet-Marken rund 1,23 Milliarden Euro Umsatz, was in der Branche kein Pappenstiel ist. Mit über 9,17 Millionen Kunden gehört United Internet zu den weltweit größten Service-Providern. Die 1&1-Töchter Web.de und GMX zählen 26,8 Millionen aktive E-Mail-Accounts. Mit über 24 Millionen Portalnutzern pro Monat besitzt der Internet-Anbieter die zweitgrößte Reichweite hinter der Deutschen Telekom.

Auch im DSL-Bereich ist 1&1 dem Marktführer auf den Fersen: Mit dem Zukauf der 700 000 Freenet-DSL-Kunden im Frühjahr stiegen die Montabaurer mit 3,6 Millionen Breitbandnutzern insgesamt zum zweitgrößten DSL-Anbieter auf.

Auch in puncto Webspace zeigt der Service-Provider eine außerordentliche Bilanz: Mit über 4 Millionen Kunden ist er der weltweit größte Webhosting-Anbieter. Die technische Basis befindet sich in Karlsruhe: Seit 2003 betreibt das Unternehmen dort mit 25 000 Servern und einer Außenanbindung von mehr als 15 Gbit/s das größte Rechenzentrum Europas. Neben DSL- und Portalgeschäft sowie Webhosting ist Online-Marketing ein weiteres starkes Standbein der Westerwälder.

1 Gigabyte für 29 Mark

Den Grundstein für die Erfolgsgeschichte legte Ralph Dommermuth, der heutige United-Internet-Chef: Mit seinem Banklehre-Diplom in der Hosentasche gründet er 1988 in seiner Heimatstadt Montabaur die Firma 1&1. Der Westerwälder handelt anfangs noch mit IBM-Personal-Computern. Doch schon vier Jahre später hat der Selfmade-Man einen dicken Fisch an der Angel: 1992 übernimmt 1&1 den Verkauf der Teletext- und BTX-Angebote der Deutschen Telekom und macht den Telekom-Online-Dienst T-Online zu einem der größten Online-Services in Europa.

Millionen von T-Online-Nutzern surfen über 1&1. Die zugehörige Internet-Kampagne ist eine der erfolgreichsten aller Zeiten. 1996 startet 1&1 dann mit einem eigenen Internet-Dienst und tritt erstmals in Wettbewerb zu T-Online. Zwei Jahre später beteiligt sich Dommermuth an dem Webhosting-Pionier Schlund & Partner und bietet unter der Marke 1&1 Puratec günstige Webpräsenzen für Privat- und Geschäftskunden.

Die beiden Unternehmen schlüpfen 2000 unter die neu gegründete Dachmarke United Internet AG. Nun expandiert der Service-Anbieter auch international: So werden Zweigstellen in London, Paris, später in den USA sowie in Madrid eröffnet. Der ansonsten bodenständige Geschäftsmann Ralph Dommermuth zeigt Weitsicht und Mut und fädelt mit dem Giganten Microsoft einen Coup ein: 1&1 ist der erste Lizenzpartner von Microsoft in Europa. Kein Geringerer als Bill Gates stellt im Januar 2001 in Düsseldorf eine gemeinsame Lösung von 1&1 Internet und Microsoft vor: die ASP-Anwendung MS Outlook Web Access.

Wenig später steigt 1&1 ins DSL-Geschäft ein und bringt den ersten Volumentarif auf den Markt: 1 Gigabyte für 29 Mark. 2004 startet 1&1 als einer der ersten Telekom-Konkurrenten mit dem Resale-Geschäft und verkauft DSL-Zugänge auf Basis des Telekom-Telefonanschlusses unter eigener Marke. Ohne eigene Breitband-Netzinfrastruktur treibt die Firma mit günstigen DSL-Bundles den Preiskrieg mit aggressiver Werbung voran. Die wird vom Chef dem Vernehmen nach persönlich begutachtet: Angeblich wandern alle Anzeigen, Flyer und Prospekte über den Tisch von Ralph Dommermuth, der bei 1&1 auch als Marketing-Vorstand agiert.

1&1 als Komplettanbieter gut gerüstet

Seit 2006 bietet 1&1 dank der Kooperation mit der Online-Videothek Maxdome Highspeed-Pakete mit Telefonie, Surfen sowie Video on Demand zum attraktiven Preis. Seit über zwei Jahren gibt's die bis zu 16 Mbit/s schnellen DSL-Bundles auch entbündelt ohne Telekom-Telefonanschluss.

Zu dem rettenden Grashalm griffen die Montabaurer während der kurzen DSL-Flaute im Jahr 2007. Seitdem ist der Service-Provider nicht mehr allein auf die Netzinfrastruktur der Deutschen Telekom angewiesen, sondern kann für seine DSL-Anschlüsse die Breitbandnetze von verschiedenen Festnetzbetreibern wie Telefonica Deutschland oder QSC nutzen und so seine Angebote bundesweit offerieren.

In Content investiert 1&1 neben Geld auch Hirnschmalz: Beispielsweise ist der Anbieter in puncto Heimvernetzung mit seinem virtuellen Speicher von bis zu gigantischen 1000 Gigabyte den Wettbewerbern weit voraus. Seit Herbst letzten Jahres bietet 1&1 als einer der wenigen Telekom-Mitbewerber auch VDSL an.

Dass es 1&1 ernst meint, sieht man auch daran, dass sich das Unternehmen mit günstigen Mobilfunk-Angeboten in die Reihe der großen Komplettanbieter namens Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica O2 Deutschland einreihen will.

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