Fußgängerschutz und intelligente Navigation

Fußgängerschutz "Amulett"

Die elektronische Stabilitätskontrolle ESP und das Anti-Blockiersystem ABS haben die Sicherheit im Straßenverkehr erheblich gesteigert. Aber all das hilft nichts, wenn man mit den erlaubten 50 Kilometern pro Stunde durch eine Straße fährt und zwischen parkenden Fahrzeugen Kinder auf die Straße rennen. Die bei diesem Tempo nötigen 40 Meter Anhalteweg sind viel zu lang, als dass man noch irgendetwas verhindern könnte.

Aber dank moderner Technik ist für diese Situationen eine Lösung in Sicht: Eine Entwicklungsgemeinschaft aus BMW, Fraunhofer Institut, Continental, Zentec und der Universität München hat ein System namens "Amulett" erarbeitet.

Diese Technik basiert auf der sogenannten Car-to-X-Kommunikation: Das Auto sucht permanent seine Umgebung ab, während ein RFID-ähnlicher Chip, der in Schulranzen, Jacken oder Handys integriert sein kann, ein Signal sendet, das das Auto empfängt.

Das Auto schlägt Alarm

BMW X5 Fußgängerschutz "Amulett"

© Archiv

Der Vater des Gedankens: Dr. Ralph Raßhofer (rechts) zeigt naviconnect-Redakteur Oliver Stauch das BMW-"Amulett"

Befinden sich nun das Auto und einer dieser Chips auf Kollisionskurs - wenn also zum Beispiel Kinder auf die Straße rennen -, dann schlägt das Auto Alarm und warnt vor einem Unfall, von dessen Herannahen der Fahrer in diesem Moment noch keine Ahnung hat.

Das funktioniert so: Der Sender in Ranzen oder Handy sendet auf den Abfrageimpuls des herannahenden Autos ein Signal aus. Anhand einer hochensiblen und komplizierten Antennenschaltung identifiziert das Auto den Sender. Dazu kommunizieren Auto und "Amulett" im freien 2,4-GHz-Bereich.

Aufgrund der Einfallsrichtung und einem Mehrfachantennesystem lässt sich anhand der Signallaufzeiten die Position und Richtung des Amulett-Tragenden bestimmen. Ein Prinzip wie beim Echolot, nur viel genauer und komplexer, da ja mehrere "Amulett"-Träger gleichzeitig beobachtet und analysiert werden müssen.

Zudem weiß das Auto, dass es sich um einen "verletzlichen" Verkehrsteilnehmer handelt. Und das funktioniert auch, wenn der Verkehrsteilnehmer hinter einem Auto oder einer Hecke steht.

Der Wagen bremst selbst

BMW X5 Fußgängerschutz "Amulett"

© Archiv

Glück gehabt: Ohne "Amulett" wäre ein Unfall passiert

Detektiert das Auto eine drohende Kollision mit einem "verletzlichen" Verkehrsteilnehmer, schlägt erst Alarm und fordert den Fahrer zum Bremsen auf. Im X5-Versuchsauto ist man einen entscheidenden Schritt weitergegangen: Reagiert der Fahrer auf die Warnung nicht, wird der "Amulett"-X5 eben selbst aktiv.

Angedacht ist, dass parallel zur Warnung des Fahrers das Bremssystem des Fahrzeuges für eine Vollbremsung vorkonditioniert wird, dass also die Bremsen sofort voll zupacken können, wenn der Fahrer auf die Warnung reagiert. Bleibt die Reaktion aus, leitet das Auto selbstständig eine sogenannte Gefahrenbremsung ein und baut damit so viel Energie wie möglich vor dem Zusammenstoß ab.

Das "Amulett" identifiziert sich dabei über einen Code, der häufig und zufällig gewechselt wird, um eine Zuordnung des Senders zum Träger unmöglich zu machen. "So können wir die Anonymität des Nutzers gewährleisten und die gesetzlichen Bestimmungen des Datenschutzes einhalten", so Dr. Ralph Raßhofer, "Amulett"-Projektleiter bei BMW.

Rückmeldung über das Head-up-Display

BMW X5 Fußgängerschutz "Amulett"

© Fotos: naviconnect, BMW

Ein "Amulett"-Chip im Schulranzen "spricht" via Funk mit dem Auto

Die Rückmeldung erhält der Fahrer im BMW-Prototypen über das Head-up-Display, ähnlich wie beim heute schon verfügbaren Night-Vision-System mit Infrarot- Fußgängererkennung. Diese ist allerdings auf eine Sichtverbindung zum Objekt angewiesen und nicht so präzise wie "Amulett".

Ebenfalls sehr großes Augenmerk legt man darauf, dass die Warnungen und die Reaktionen des Autos nicht irritieren und vor allem zuverlässig sind. "Wir sind arbeiten daran, die Rückmeldungen von Fahrerassistenz- und Fahrerinformationssystemen so zu gestalten, dass sie intuitiv gedeutet werden können und zur richtigen Handlung veranlassen", erläutert Raßhofer.

Das System soll dann allen Autoherstellern zur Verfügung gestellt werden; Amulett-Chips in Handys, Ranzen, Gehstöcken, Jacken und so weiter sollen bald ebenfalls ganz normal sein - für unser aller Sicherheit.   

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