Navigieren ohne GPS

Google Maps im Einsatz auf mobilen Geräten

Es muss nicht immer ein vollwertiges Navisystem sein: Auf vielen Handys hilft das kostenlose Programm Google Maps bei der Routenfindung.

iPhone mit Google Maps

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iPhone mit Google Maps

Wo bitte geht's hier zum nächsten Italiener? Wie finde ich zum Rathaus? Wer sich in solchen Fragen ungern auf die Auskünfte von Passanten verlässt, der wird sich gern vom Handy oder iPod den Weg weisen lassen. Mit Google Maps. Das kostenlose Programm, das man über www.google.com/gmm oder über die mobile Homepage m.google.de herunterladen kann, hat in Sachen Navigation mehr zu bieten, als man denken möchte. Wir haben Google Maps auf Handys von Nokia und Sony Ericsson getestet sowie auf den Kultgeräten iPhone und iPod Touch von Apple. Das Besondere: Die Geräte arbeiten mit ganz unterschiedlichen Ortungen. Nokia benutzt den Klassiker GPS, bei Sony Ericsson muss das Mobilfunknetz (GSM) herhalten, Apple setzt auf WLAN.

Die nächste Killer-Applikation

Dass der Gigant Google in diesem Markt mitmischt, zeigt: Die sogenannten ortsbezogenen Dienste gelten in der Mobilfunkbranche als die nächste Killer-Applikation.Und das, obwohl sich die Anbieter Ende der 90er-Jahre an diesem Thema schon einmal verhoben haben. Erinnern Sie sich? Damals sollten "Location Based Services" via Online-Abruf den Markt erobern. Leider funktionierten diese Dienste höchstens eingeschränkt, die Kosten für Hardware, Software und Dienste waren aber enorm. Wenig überraschend, das kaum ein Kunde zugriff. Doch nun könnte es klappen mit der ortsbezogenen Dienste-Revolution, denn seit schnellere und günstigere Mobilfunkverbindungen ins Internet alltäglich sind, ist zumindest der Zugang via Handy keine große Hemmschwelle mehr. Wer Angst vor horrenden Gebühren hat, sollte bei seinem Anbieter ein Datenpaket buchen oder auf eine Prepaid-Karte wechseln - schon ab fünf Euro gibt es hier pauschale Angebote, mit denen man ganz schön weit kommt. Und nicht nur der Zugang ist schneller und günstiger, es gibt auch viel mehr Sonderziele. Neben Hotels und Tankstellen sind auch allerlei Geschäfte und Sehenswürdigkeiten bis hin zu Geldautomaten und öffentlichen Toiletten erfasst. Und da die Handy-Prozessoren immer stärker, die Displays immer größer und bunter werden, macht auch die Anwendung Spaß. Viele haben sich schon daran gewöhnt, statt eines Stadtplans oder Reiseführers auch einmal einen Handy- oder Internet-Dienst zu Rate zu ziehen, wenn es etwa um Auskünfte in einer fremden Stadt geht. Trotzdem: Die Dienste müssen so gestaltet sein, dass man sie auf Anhieb versteht und auch zum richtigen Ergebnis kommt. Gelingt das nicht, werden die Services auch diesmal floppen.

GPS braucht zu viel Strom

Doch wie orientiert man sich per Handy? Man denkt zunächst an GPS. GPS-Handys kommen aber erst langsam in Schwung, sind teuer und machen schnell schlapp: Selbst bei ausgeschaltetem Display sind die Akkus aktueller Geräte in wenigen Stunden leer - für eine Tagestour zu wenig.Das liegt an den Empfänger-Chips, die zwar Top-Empfang bieten, aber massig Strom verbrauchen. Immerhin steht der GPS-Empfang dank neuester Technik ("A-GPS", etwa beim Nokia N95) fast direkt nach dem Einschalten der Ortungsfunktion. Sobald GPS-Empfänger mit geringerem Strombedarf auf dem Markt sind, darf das Handy ständig auf Empfang bleiben. Doch bis es soweit ist, dürften noch einige Monate ins Land gehen. Da ist es gut zu wissen, dass man auch ohne GPS zum Restaurant seiner Wahl findet, denn es gibt gute Alternativen. So hat insbesondere Google Maps die Ortung via Mobilfunknetz (GSM) populär gemacht.Zwar basierten die gescheiterten WAP-Dienste einst auf derselben Technologie, doch die optische Umsetzung ist heute einfach um Lichtjahre besser. Zum Suchen eines Sonderziels in der Umgebung oder zur groben Orientierung reicht diese Art der Positionierung vollkommen aus - und sie funktioniert auf vielen Handys. Neben Geräten mit Windows Mobile, Symbian und PalmOS werden auch viele Java-Handys unterstützt.

Besser navigieren mit WLAN?

Und es gibt noch mehr Möglichkeiten zur Ortung - zum Beispiel WLAN. Diese Methode basiert auf kartografierten WLAN-Hotspots, die es in größeren Städte mittlerweile reichlich gibt. Ein kurzer Kontakt zu einem solchen Zugangspunkt reicht aus, um die individuelle Kennung (die "MAC-Adresse") zu empfangen. Ist die Position des Hotspots in einer Datenbank erfasst, weiß man auch über die eigene Position Bescheid. Befinden sich weitere Hotspots in der Umgebung, kann dies die Genauigkeit noch verbessern. Diese Ortung wird auch Wireless Positioning System genannt, kurz WPS. Es läuft nicht zuletzt auf den Apple-Geräte iPhone und iPod Touch; Anbieter ist Skyhook Wireless. Es gibt es viele Projekte, WPS auch in geschlossenen Räumen zu etablieren, etwa in Firmen oder Universitäten. Ganz mit GPS kann die Technik aber nicht konkurrieren: Bei Bewegung funktioniert die Erkennung nicht, es ist immer ein Rückkanal ins Internet nötig - und wo keine WLAN-Hotspots sind, ist man aufgeschmissen. Außerdem basiert WPS auf der anonymen Erfassung von Accesspoints auch von Privatleuten, die ihren Router auch mal ausschalten oder woanders hinstellen. Zum Autofahren ist dies definitiv zu unsicher. Denkbar wäre aber eine Art Hybrid-Betrieb von GPS und WPS, die Systeme könnten sich also dort ergänzen, wo die jeweilen Schwächen liegen. Das hat auch die Industrie erkannt: Der GPS-Chip-Hersteller SiRF arbeitet bereits an einem Hybrid-Empfänger.

Stauerfassung mit GSM

Nun kann man das Handy zur Ortung einsetzen, es kann aber auch geortet werden. Diese Möglichkeit soll helfen, den Verkehr zu regeln. So haben TomTom und Vodafone in Holland sowie T-Mobile und T-Systems in Deutschland ein System entwickelt, mit dem man Staus auf Autobahnen erkennen kann, indem man beobachtet, in welchem Tempo die Handys in den Autos an den Basistationen entlang der Autobahn vorbeiziehen. Hier kommt dieselbe Technologie zum Einsatz wie bei der Ortung via Mobilfunknetz (GSM), nur eben in die andere Richtung. Komplizierte Rechenschritte verhindern, dass ein entlang der Autobahn fahrender Zug oder ein Reisebus mit vielen Handys die Ergebnisse verfälscht. In Holland läuft das System schon, in Deutschland soll es dieses Jahr starten.

Zukunft: Kombination

In der Zukunft dürfte wohl eine Kombination der verschiedenen Dienste und Technologien für eine stets akkurate Positionierung sorgen. Innerhalb von Gebäuden und in eng bebauten Städten dürfte die Ortung über WLAN-Accesspoints eine reelle Alternative zu GPS sein, auf dem Land und bei schneller Fahrt führt dagegen kein Weg an GPS oder verwandten Systemen wie Glonass oder Galileo vorbei - sofern die irgendwann überhaupt einmal konkurrenzfähig werden.

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