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Hamburger Elbphilharmonie

Zukunfts-Klangschiff in schwerer See: In Hamburg entsteht eins der ehrgeizigsten Konzerthäuser der Welt - und polarisiert wie kaum ein zweites.

Hamburger Elbphilharmonie

© Herzog & de Meuron

Hamburger Elbphilharmonie

Die Elbphilharmonie:

Erbaut: 2007 bis 2012 (voraussichtlich)Architekt: Herzog & de Meuron, Höhler + PartnerAkustiker: Yasuhisa Toyota, Nagata AcousticsSäle: großer Konzertsaal, kleiner Musiksaal, KaistudioBesucher: Mehr als 500 000 pro Jahr Nachhallzeit: 2,2 Sekunden (großer Konzertsaal)

Sie soll sich mit den besten Konzertsälen der Welt messen können, ein neues Wahrzeichen Hamburgs werden und die Baukosten von etwa 400 Millionen Euro rechtfertigen: Die Erwartungen an die Hamburger Elbphilharmonie sind riesig.

Die gefragten Architektur-Maestros Herzog & de Meuron entwarfen einen schiffsförmigen Neubau, der direkt auf das ehemalige Lagerhaus "Kaispeicher A" aufsetzt. Dessen Grundmauern ragen bereits 37 Meter empor; die Elbphilharmonie wird mit 110 Metern das zweithöchste Bauwerk der Hansestadt sein.

Hamburger Elbphilharmonie

© Herzog & de Meuron

Noch ist die Hamburger Elbphilharmonie nicht fertig; alle verwendeten Bilder sind nur Simulationen aus dem PC. Hier zeigt sich das "Aufsetzen" der Philharmonie auf dem ehemaligen Speichergebäude.

Der in 50 Meter Höhe liegende Konzertsaal soll - entkoppelt vom restlichen Gebäude - auf mehr als 350 Federpaketen ruhen. Er wird die sogenannte Weinbergform haben, in der die Besucherränge - wie in der Berliner Philharmonie - rund um die Bühne angeordnet sind.

Decke und Wände werden mit 10000 neuartigen und individuell entwickelten Gipsfaserplatten bekleidet. Die als "weiße Haut" bezeichnete Innenhülle soll eine besonders eindrückliche Schallreflexion bewirken.

Obwohl oder gerade weil das Klangschiff noch nicht fertiggestellt ist, muss es sich seit Jahren den Weg durch die rauen Gewässer der öffentlichen Kritik bahnen. Es überrascht kaum, dass sich die Allgemeinheit an den exorbitant gestiegenen Gesamtkosten stört und die erhebliche Bauverzögerung moniert.

Akustik-Profis wiederum melden Zweifel an der Stimmigkeit des Klangkonzepts an. So sorgten bauliche Mängel in der Außenhülle für Gesprächsstoff, weil sie die Schallisolierung beeinträchtigen könnten. Zudem wird spekuliert, dass sich die Orchestermusiker im großen Saal gegenseitig nicht gut genug hören könnten.

Die Bedenken sind nicht aus der Luft gegriffen: Wegen der Weinbergbauweise wird es weder eine nahe Decke über der Bühne noch Wände daneben geben. Somit bleiben frühe Reflexionen - die für die Eigenwahrnehmung der Interpreten wichtig sind - zunächst aus.

Ein Deckenreflektor, wie er in einigen Konzertsälen installiert ist, vermag das Problem weitgehend auszumerzen. Allerdings muss er dazu tief genug über den Musikern hängen. Hierbei ist zu beachten, dass er den Zuhörern in den oberen Rängen nicht die Sicht verdecken darf. Ob eine entsprechende Positionierung in der Elbphilharmonie gelingt, ist ungewiss.

Hamburger Elbphilharmonie

© Herzog & de Meuron

Die Weinbergform: die Ränge sind rings um die Bühne angeordnet.

Man kann jedoch optimistisch bleiben, dass musikalische Tradition und moderne Architektur in Hamburg eine faszinierende Symbiose eingehen werden. Immerhin zeichnet mit Yasuhisa Toyota ein Spezialist von Weltrang für die klanglichen Eigenschaften verantwortlich. Der Japaner hat sich das Ziel gesteckt, der Elbphilharmonie eine einzigartige Akustik zu verleihen.

Hierzu führte er, mit einem Sperrholzmodell im Maßstab 1:10, akribische Messungen durch, an die sich eine computergestützte Umrechnung und Auswertung anschloss. In der Holzminiatur befanden sich mehrere Stereomikrofone und zahlreiche filzbekleidete Puppen, welche die Zuhörer darstellten. Im Jahr 2012, das für die Fertigstellung angepeilt ist, liegen diese Analysen bereits fünf Jahre zurück.

Wie weit die großen akustischen Ambitionen tatsächlich umgesetzt werden konnten, wird sich erst dann offenbaren, wenn reale audiophile Hörer die Filzfiguren ersetzen.

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