Gesundheit

Ungewöhnliche Vorabveröffentlichung

Interessant ist neben der Art der Untersuchung auch die ungewöhnliche Form der Veröffentlichung. Üblich ist es, eine Studie zunächst zu beenden und dann bei einem renommierten Wissenschaftsmagazin einzureichen. Dort wird sie von Experten einer sogenannten Peer-Review unterzogen, danach haben die Schreiber die Möglichkeit, aufgefallene Schwächen im Dokument zu korrigieren. Sobald die Experten von Relevanz und Qualität überzeugt sind, wird die Studie vom Fachmagazin veröffentlicht.

Statt diesen, einer großen, mit vielen Millionen Dollar öffentlicher Gelder geförderten Forschungsarbeit angemessenen Weg zu gehen, stellten die NTP-Leute nur einen Teil der Ergebnisse auf einen Server (bioRxiv), der dem Austausch wissenschaftlicher Papiere dient. Eine Art Peer-Review organisierten sie dabei selbst, indem sie einige renommierte Wissenschaftler vorab einluden, die Teilstudie zu begutachten und deren Kommentare ans Ende derselben stellten. Oder fast ans Ende, denn die zum Teil kritischen Analysen kommentierte das NTP-Forscherteam wieder selbst und behielt so das letzte Wort.

Erschreckende Resultate

Untersucht wurden die Tiere speziell auf bösartige Hirntumore (Malignant glioma), auf wucherndes Nervengewebe im Hirn (Glial cell hyperplasia), auf Schwann-Zellen-Geschwulste (Schwannoma) im Herz und übermäßige Schwann-Zellen-Ausbildung (Schwann cell hyperplasia). Dabei kann in Bezug auf das Gehirn Entwarnung gegeben werden: Einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen Mobilfunkstrahlung und Hirntumoren hat die Studie nicht aufgezeigt. Zwar lassen sich besonders bei männlichen Ratten leicht erhöhte Tumorzahlen unter Bestrahlung finden.

Strahlenbelastung

© Weka/Archiv

Ein dicht ausgebautes Mobilfunknetz sorgt für eine deutlich geringere maximale Strahlenbelastung (rot) bei gleicher Versorgungsgüte.

Doch in der Auswertung müssen diese als Zufall eingestuft werden, da sie nicht mit steigender Strahlenbelastung zunehmen. Allenfalls die CDMA-Strahlung könnte als Indiz für ein erhöhtes Risiko gelten, da hier nur bei der höchsten Belastung Gehirntumore vorkommen. Bei den weiblichen Ratten wurden bei CDMA dagegen nur bei der niedrigsten Belastung zwei Tumorfälle festgestellt. Insgesamt ist die Anzahl an Hirntumoren bei weiblichen Ratten deutlich geringer, ohne dass die Autoren dafür eine Erklärung liefern.

Anders sieht es bei den Schwann-Zellen-Geschwulsten im Herzen aus. Hier ist bei den männlichen Tieren eine signifikante Häufung an Befunden bei höherer Strahlung zu verzeichnen. Daraus schließen die Wissenschaftler um Michael Wyde, dass wahrscheinlich ein Wirkzusammenhang zwischen Handystrahlung und den Geschwulsten im Herz unter den Bedingungen der Studie besteht.

Widersprüchliche Ergebnisse

Doch einmal mehr wird dieses statistische Ergebnis dadurch in Frage gestellt, dass es durch die weiblichen Tiere nicht bestätigt wird. Ebenfalls bemerkenswert: Bei keiner der nichtbestrahlten Ratten traten Schwann-Zellen-Geschwulste am Herzen auf, obwohl in früheren Untersuchungen im Schnitt 1,3 Prozent der Tiere dieser Rasse daran erkrankten. Noch interessanter ist es, dass in der Studie die Ratten der Vergleichsgruppe eine geringere Lebenserwartung hatten als die bestrahlten: Während etwa von den männlichen unbestrahlten Tieren am Ende der Studie nur 28 Prozent überlebt hatten, waren von den bestrahlten je nach Gruppe zwischen 48 bis knapp 67 Prozent am Leben - im Schnitt also mit 55 Prozent knapp doppelt so viele. Eine Erklärung dafür bleibt die Teilveröffentlichung schuldig.

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