Gesundheit

Stand der Forschung

Auch wenn die meisten bisherigen Studien keinen Anlass zu ernsthafter Sorge gegeben haben, schadet ein umsichtiger Umgang mit Mobilfunkstrahlung nicht.

Dass Strahlung für Menschen tödlich sein kann, ist sicher. Das haben in Bezug auf radioaktive Strahlung kürzlich wieder die Aufräumarbeiten von Fukushima gezeigt. Aber auch UV-Strahlung der Sonne als Verursacher von Hautkrebs oder hohe Dosen von Röntgenstrahlung wird wohl niemand mehr als harmlos einstufen.

Doch welche gesicherten Erkenntnisse liegen über Mobilfunkstrahlung vor? Es gibt einige groß angelegte Studien, die unsere Wissensbasis über die Gefahren dieser vergleichsweise jungen Technik bilden.

Breite Erfahrung

Da wäre zunächst eine Kohorten-Studie von 2001 aus Dänemark zu nennen, die etwa 420.000 Bewohner und damit 10 Prozent der Bevölkerung umfasste, die zwischen 1982 und 1995 einen Mobilfunkvertrag besaßen. Deren Krebsrate wurde mit der der dänischen Gesamtbevölkerung verglichen.

2006 und 2011 gab es Fortsetzungen der Studie. Innerhalb eines Untersuchungszeitraums von über 13 Jahren Mobilfunknutzung konnte die dänische Studie kein erhöhtes Krebsrisiko des zentralen Nervensystems und keine höhere Zahl an Hirntumoren beobachten. Dennoch sind Risiken über längere Zeiträume oder moderate Erhöhungen durch Vielnutzer laut dieser Studie nicht ausgeschlossen.

Vier Personen beim Telefonieren

© Weka/Archiv

Die Feldstärke ist direkt am Ohr am höchsten und nimmt schon bei mäßigem Abstand deutlich ab.

Die zweite große, von der Weltgesundheitsorganisation WHO in 13 Ländern durchgeführte Untersuchung ist die Interphone-Studie, die im Oktober 2000 begann. Sie bestimmt detailliert das Telefonierverhalten von rund 6500 an Hirntumoren erkrankten Personen und stellt es einer Kontrollgruppe von rund 7500 gesunden Menschen gegenüber. Dafür wurden die Probanden rückwirkend befragt.

Das Ergebnis war zwiespältig. Einerseits zeigte sich: Wer oft mit dem Handy telefoniert, bekommt seltener einen Hirntumor. Dieses Ergebnis ist den Autoren zufolge jedoch eher auf methodische Schwächen der Studie zurückzuführen als auf die vorbeugende Wirkung von Strahlung. Andererseits trat bei den zehn Prozent der Befragten, die am häufigsten mobil telefoniert hatten, ein statistisch signifikantes Risiko für die Gliom genannte Form von Hirntumoren auf. Hier kann wegen der Fragemethode aber nicht ausgeschlossen werden, dass ein Teil der Erkrankten den Tumor auf sein Telefonierverhalten schiebt und dieses überschätzt. "Recall Bias" oder verzerrte Erinnerung nennen Forscher diesen auch in anderem Zusammenhang bekannten Effekt.

Unter Berücksichtigung der Interphone-Studie hat die IARC (International Agency for Research on Cancer) die Mobilfunkstrahlung im Jahr 2011 als zur Gruppe 2B gehörig und damit als "möglicherweise krebserregend" eingestuft. Wer jetzt Angstzustände bekommt, sollte sich das Klassifikationssystem der IARC genauer ansehen. Über 2B gibt es noch die Gruppen 2A ("wahrscheinlich krebserregend") und 1 ("krebserregend"). Zur Gruppe 1 gehören etwa Röntgenstrahlung und Asbest, zu 2A anorganische Bleiverbindungen und Abgase von Dieselmotoren. Dagegen stehen in der Gruppe 2B die Abgase von Benzinmotoren, nach asiatischer Tradition eingelegtes Gemüse, aber auch der allseits beliebte Kaffee.

Diese beruhigenden Ergebnisse bedeuten nicht, dass nun alle Fragen um die Wirkung der Mobilfunkstrahlung beantwortet sind, wie auch die durch das BfS koordinierten Forschungsvorhaben zeigen. Besondere Aufmerksamkeit dürften hierbei Studien haben, die den Einfluss von Mobilfunk auf Kinder und Jugendliche, aber auch auf ältere Menschen untersuchen. Auch die Exposition der Bevölkerung durch neue Mobilfunkstandards hat die aktuelle Forschung im Blick, wie aus dem 6. Bericht der Bundesregierung hervorgeht, der im Januar 2015 publiziert wurde.

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