Warum Smartphones langsamer werden

So will Huawei die Smartphone-Alterung stoppen

Je älter das Smartphone, desto langsamer läuft es, lautet eine häufige Klage. Lesen Sie, welche Lösung Huawei mit ihrem "Stay fast" Projekt erarbeitet hat, um die Smartphone-Alterung zu stoppen.

  1. So will Huawei die Smartphone-Alterung stoppen
  2. Künstliche Smartphone-Alterung im Labor
Huawei P10 Plus

© Huawei

Huawei P10 Plus

Dirk Waasen, Chefredakteur von connect, hat ein Problem. Wann immer er ein neues Oberklasse-Smartphone ausprobiert – was oft der Fall ist –, ist er zunächst von der Performance begeistert und preist die neue Prozessorgeneration, die endlich seinen Ansprüchen genügt. Doch kaum sind ein paar Monate ins Land gezogen, reagiert das hochgelobte Gerät träger, ja geradezu schleppend. Das Smartphone ist manchmal so mit sich selbst beschäftigt, dass er kaum weiß, ob es eine Berührung des Touchscreens überhaupt wahrgenommen hat.

Kein Wunder, dass unser Chef in einem Gespräch mit hochrangigen Spezialisten von Huawei wie elektrisiert ist, als er hört, dass auch sie das Problem kennen. Und mehr noch: Huawei will mit einem „Stay fast“ genannten Projekt einen Hebel gefunden haben, der schleichenden Verlangsamung von Smartphones beizukommen. Da Huawei bereit ist, Einblick in die Entwicklung von „Stay fast“ zu gewähren, beauftragt Dirk Waasen seinen Technikchef – den Autor dieses Artikels –, sich das Projekt einmal genauer anzuschauen.

Wahrnehmung Touchscreen

© Huawei

Damit eine Touchscreen-Berührung und das dadurch ausgelöste Ereignis als gleichzeitig empfunden werden, dürfen nicht mehr als 86 Millisekunden dazwischen liegen.

Drei Gründe für den Speedverlust 

Bei „Stay fast“ haben sich die Huawei-Ingenieure zunächst die Frage gestellt, wie schnell ein Smartphone eigentlich auf Eingaben reagieren muss, damit der Vorgang als verzögerungsfrei wahrgenommen wird. Fündig geworden sind sie bei dem auf die Wechselwirkung zwischen Mensch und Maschine spezialisierten Forscher Topi Kaaresoja von Nokia. Dieser hat 2014 mit Kollegen eine Studie veröffentlicht, in der er die Zeit zwischen Touchscreen-Eingabe und Bildschirmreaktion bestimmte, die maximal vergehen darf, damit beide Ereignisse als gleichzeitig empfunden werden. 

86 Millisekunden ermittelten die Wissenschaftler als Schwellwert. Übliche Smartphone-Reaktionen liegen deutlich darüber – es gilt also, um jede Millisekunde zu kämpfen. Drei Bereiche versprechen bei der Optimierung besonderen Erfolg, weil dort besonders viel Reaktionszeit auf der Strecke bleibt. Da ist zunächst die Anzahl der installierten und insbesondere der im Hintergrund laufenden Apps. Diese beanspruchen besonders viele Ressourcen, etwa Speicherplatz, Rechenzeit und Kommunikationsleistungen. 

Alterungseinflüsse Smartphone

© Huawei

Eine ganze Reihe von Veränderungen, die ein Smartphone über seine Lebensdauer erfährt, können seinen Reaktionsgeschwindigkeit beeinflussen.

Dirk Waasen kennt diesen Zusammenhang genau. Er ist sehr beschäftigt und viel auf Reisen. Damit ihn zurück im Büro die Arbeit nicht überwältigt, nutzt er auch kleine Pausen, um Aufgaben abzuarbeiten – bevorzugt auf dem immer mitgeführten Smartphone. Dazu, zur Organisation der Reisen, zur Navigation im Auto, zum Shopping und auch für die Unterhaltung am Feierabend mit Musik, Games und Videos hat er 123 Apps im Einsatz, innerhalb​ einer Woche sind im Schnitt über 30 aktiv. 

Auch die durch längere Nutzung des Mobiltelefons fortschreitende Fragmentierung des Dateisystems kostet Geschwindigkeit – denn wie ein PC verteilt das Smartphone mit der Zeit Dateien auf ganz unterschiedliche Speicherbereiche, um die Platzreserven optimal zu nutzen. Die für die Ausführung eines Befehls nötigen Daten können so allerdings nicht mehr in einem Block geladen werden, sondern fordern wiederholte Speicherzugriffe.​

​Und schließlich wachsen mit steigender Nutzung auch die Datenbanken für Nachrichten, Telefonate, Kontakte, Fotos, Musiktracks, Videos und mehr. Das erfordert größeren Suchaufwand, wenn etwa eine bestimmte Information benötigt wird. Große Da​tenbestände können zwar über Index-Dateien zugänglicher gemacht werden, doch auch das Anlegen und Pflegen solcher Register verschlingt selbst wieder Ressourcen. Und auch hier gilt: Je mehr die Datenbestände wachsen, desto mehr Zeit erfordert die Pflege eines Registers.​

Machine Learning Smartphone

© Huawei

Mit speziellen Optimierungen der Software will Huawei dafür sorgen, dass sich das Smartphone optimal auf die vom Nutzer häufig geforderten Dienste einstellt.

Mittel gegen das Altern 

Um der schleichenden Verlangsamung des Smartphones entgegenzuwirken, setzt Huawei auf ein sogenanntes „Machine-Learning“-System. Dieser Algorithmus soll mit der Zeit lernen, das Nutzungsverhalten des Smartphone-Besitzers immer genauer vorauszusagen. Zu wissen, welche App wann und wie oft gebraucht wird, ist für ein Multitasking-System von entscheidender Bedeutung, wenn mehrere Applikationen denselben Prozessor, denselben Speicher, denselben Grafikprozessor und dieselben Funk-Interfaces benutzen. 

Denn einer für den User wichtigeren App kann mehr Rechenzeit auf dem Prozessor, mehr Arbeitsspeicher und eine höhere Priorität bei der Nutzung von Wi-Fi oder Mobilfunk-Modem eingeräumt werden. Das stellt sicher, das die App beim nächsten Aufruf schnell geöffnet ist und die benötigten Daten unabhängig von der momentanen Mobilfunkverbindung bereits verfügbar sind. Vom Smartphone-Besitzer hoch priorisierte Apps werden also erkannt und gegenüber weniger oft genutzten bevorzugt behandelt.

Dabei setzt Huawei beim Dateisystem nicht auf das unter Android gebräuchliche ext4, sondern auf das gegen Fragmentierung besonders robuste F2FS (Flash-Friendly File System) – das bemerkenswerterweise federführend von Samsung entwickelt wurde. F2FS ist speziell auf die in besonders schnellen Servern, aber auch in Smartphones üblichen NAND-Flash-Speicher (ROM) ausgerichtet. Zusätzlich sorgt Huawei mit einem selbst entwickelten Algorithmus dafür, dass ein bestimmter Teil des Arbeitsspeichers (RAM) immer wieder schnell freigegeben wird, um für anstehende Starts von Apps zur Verfügung zu stehen. Denn gerade das Starten von Programmen dauert lange und verbraucht viel Arbeitsspeicher – wenn auch oft nur vorübergehend.

Mehr zum Thema

Instagram Logo
Bildbearbeitung mit dem Smartphone

Sie möchten Instagram-Bilder erstellen, die aber nur Sie sehen können? So nutzen Sie die App ohne Social-Media-Anbindung.
Fotos über den Messenger machen
Bilder in Chat-App

Fotos über WhatsApp zu machen und zu versenden, spart einige Smartphone-Klicks. Wir zeigen, wie Sie gleich mehrere Bilder aufnehmen, bearbeiten und…
Huawei P10
Mobile World Congress 2017

Huaweis neue P10 und P10 Plus Modelle​ kommen mit GoPros Videoschnitt-App Quik und der Cloud-Dienst GoPro Plus ist ab sofort in Deutschland verfügbar.
Shutterstock Teaserbild
Wander-Apps

Beim Wandern übernimmt heutzutage das Smartphone die Rolle des Pfadfinders. Das funktioniert allerdings nur mit der passenden App.
Alle Testberichte
Samsung Galaxy Note 8
Samsung-Smartphone mit Dual-Kamera
87,6%
Das Samsung Galaxy Note 8 ist ein Smartphone der Superlative mit Riesen-Display und beeindruckender Leistung. Wir haben…
Festnetztest Ewe Logo
connect Festnetztest 2017
Trotz Schwächen vor allem in der Sprachkategorie schneidet der Regionalanbieter EWE im Festnetztest 2017 gut ab. Lesen Sie hier das Testurteil.
Samsung Galaxy A3 rosa
Testberichte
Alle Tests von Smartphones, Handys, Tablets, Navis, Notebooks und Ultrabooks, DECT-Telefonen und DSL-Routern in der Übersicht.