Narrowband-IoT-Standard

Interview mit Claudia Nemat, Teil 2

Und der Gesetzgeber ist auch noch gefragt ... 

Ohne Zweifel. Ich habe allerdings den Eindruck, dass wir dem Thema autonomes Fahren zu viel Aufmerksamkeit schenken. Es wird noch lange dauern, bis alle Sicherheits- und ethischen Fragen dazu geklärt sind. Viel früher werden wir Anwendungen im Bereich „Smart Cities“ umsetzen – wie das bereits angesprochene Abfallmonitoring, eine intelligente Straßenbeleuchtung oder die Überwachung von Abwassersystemen. Auch Spiele werden ganz neue Dimensionen annehmen. 

Denken wir an Pokémon GO – wenn schon ein simples Spiel einen derartigen Event-Charakter erzeugt, kann man sich vorstellen, welche Begeisterung etwa ein virtuelles Rennspiel hervorrufen kann. Auch das Gesundheitswesen hat großes Innovationspotenzial – etwa um Krankheiten früher zu erkennen. Und es gibt noch viele andere Bereiche neben dem autonomen Fahren, in denen man großen Nutzen von der 5G-Technologie haben wird.​

Die Telekom steht in der Kritik, den Glasfaserausbau wegen Vectoring zu bremsen. Ist das nicht kontraproduktiv? 

Für 5G ist es wichtig, dass wir Glasfaser in jede Straße bekommen. Daran arbeiten wir Tag für Tag: Wir haben mit weit mehr als 400.000 Kilometern das Achtfache an Glasfaser verlegt wie unser nächstgrößter Wettbewerber. Das wird in der Diskussion leicht vergessen. 

Damit gehen Sie aber nicht den Schritt zum Kunden … 

Alles, was wir heute in Netzausbau und -umbau investieren, zahlt bereits auf 5G ein: Wir bauen unser Glasfasernetz konsequent aus. Wir stellen das Netz auf IP um. Wir modernisieren derzeit unsere komplette Mobilfunkinfrastruktur. Zum Thema Vectoring: Wenn sämtliche Anbieter und die Telekom ab sofort und ungeachtet wirtschaftlicher Rahmenbedingungen nur noch Glasfaser bis in die Häuser bauen würden, wäre es absolut unmöglich, in Deutschland flächendeckend eine Breitbandversorgung in wenigen Jahren sicherzustellen. 

So viel Bau- und Planungskapazität gibt es nicht in Deutschland, so viel kann man salopp gesagt nicht „umbuddeln.“ Mit Vectoring stellen wir in sehr kurzer Zeit superschnelle Anschlüsse für 80 Prozent der Bevölkerung zur Verfügung. 100 Mbit/s sind aktuell für IPTV oder Videostreaming absolut ausreichend, mit Super Vectoring können wir die Maximalgeschwindigkeit mehr als verdoppeln. Langfristig brauchen wir aber noch mehr Glasfaser. Jedes Jahr bauen wir rund 30.000 Kilometer neue Glasfaser für unsere Kunden. Unser Ziel: das 5G-Netz der Zukunft.​​

Für den Ausbau sind immens hohe Investitionen notwendig. Wie will man die Kosten refinanzieren? 

Wir werden bei 5G komplett andere Geschäftsmodelle haben als gegenwärtig. Heute bezahlt man monatlich seinen Anschluss und den jeweiligen Tarif. In der 5G-Welt beschäftigt man vielleicht irgendwann einen Roboter, der Hausarbeiten verrichtet. Da bezahlt man dann nicht für die Netzverbindung, sondern dafür, dass der Roboter die Tätigkeit sicher ausführt. Davon sind wir noch weit entfernt, doch diese Geschäftsmodelle werden sich bei 5G durchsetzen. 

Wenn wir künftig neben der Konnektivität auch neue Geschäftsmodelle mit unseren Partnern entwickeln, wird sich die Digitalisierung rechnen. Nach wie vor müssen wir für den Breitbandausbau sehr viel Geld investieren. Ob sich das auszahlt, hängt nicht zuletzt auch von regulatorischen Rahmenbedingungen ab. Wenn Sie investieren, brauchen Sie Planungssicherheit.

Werden die Preise wegen des 5G-Ausbaus für den Kunden steigen? 

Wir haben uns als Industrie leider viel zu lange nur über Preise für Internetanschlüsse definiert. Künftig wird eher das Kundenerlebnis im Vordergrund stehen. Wenn ein Kunde zu Hause die beste WLAN-Erfahrung hat, alles funktioniert und er selbst bei Problemen schnelle Hilfe erhält, ist er durchaus bereit, mehr zu bezahlen. Auch das Thema Sicherheit spielt eine große Rolle, vor allem im Geschäftskundenbereich. Daher müssen wir dem Kunden zeigen, dass die Produkte bei uns sicherer, bequemer und besser als bei anderen funktionieren.​

Setzen Sie künftig vermehrt auf Kooperationen? 

Natürlich. Die USA sind in puncto künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen am weitesten. Daher kooperieren wir mit dortigen Unternehmen genau wie mit Firmen aus Israel, die Security-Software entwickeln. Ein anderes Beispiel: Ich bin Schirmherrin unserer Fashion-Fusion-Idee. Die Telekom ist kein Modeunternehmen und wird es auch nicht werden. Aber wenn man sich Gedanken über neue Geschäftsfelder macht, kommt man auch mit dem Designchef von Adidas zusammen und verbindet Sportkleidung mit Technologie. Dahin geht der Weg: Wir müssen mit Partnern vernetze Dienste und Produkte entwickeln, die für den Verbraucher interessant sind.

Die Telekom ist kein Start-up. Sie haben für Innovationen im Unternehmen zu sorgen. Wie bewegt man so einen Riesen? 

Ich muss mich um zwei Dinge kümmern: Dass die Technik heute reibungslos und sicher funktioniert und dass auch die technologiegetriebenen Innovationen in Zukunft für unsere Kunden nützlich und sicher sind sowie Vorteile bringen. Die überwiegende Mehrheit meiner Mitarbeiter ist damit beschäftigt, den Rollout von Netz- und IP-Transformation zu bewerkstelligen. Als Zweites muss ich für sinnvolle Innovationen sorgen. Dabei ist Fokussierung wichtig, man darf sich nicht verzetteln.

Zum andern muss man Kreativität fördern. Bei uns im Konzern kann jeder Mitarbeiter – länderübergreifend und unabhängig von seiner Funktion – Geschäftsideen vorstellen, und wenn sie gut sind, bekommt er für die Umsetzung auch Budget. Das wollen wir weiter stärken und dafür sorgen, dass innovative Ideen realisiert werden. Der Telekom hat es auch in der Vergangenheit nicht an Ideen gefehlt, wir haben sie nur nicht konsequent genug umgesetzt. Wir müssen auch Querdenken zulassen, was allen großen Unternehmen schwerfällt. 

Ich will den Wandel von oft noch hierarchisch und administrativ geprägtem Denken hin zu einer projektbezogenen, offenen und vielfältigen Kultur im Unternehmen begleiten und fördern. Das ist auch einer der Gründe, warum mir mein Job so viel Spaß macht. Innovation ist nicht die Aufgabe einer einzigen Organisationseinheit, Innovation bedeutet, kulturelle Veränderung. Und genau das bei der Telekom voranzutreiben sehe ich als meine Hauptaufgabe.​​

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