Die Neuheiten des Mobile World Congress in Barcelona

Interview mit Marc Selby, Nokia

connect: Wir hatten eigentlich erwartet, ein wenig mehr von Ovi zu sehen. Wo liegen die Schwierigkeiten? Selby: Mit Ovi sind wir durchaus im Zeitplan. Als wir Ovi im August präsentierten, haben wir nur die Marke vorgestellt; die Einbindung der Services unter Ovi, die ja teilweise schon bestehen, ge- schieht jetzt sukzessive. Natürlich würden wir gerne alles lieber heute als morgen fertigstellen, aber wir müssen das strukturiert angehen. Mit einigen der neuen Applikationen werden wir ein ganz neues Nutzerverhalten kennen lernen. Das ist ja immer so: Jedes Mal, wenn wir eine neue Technologie bringen, glauben wir, das Nutzungsverhalten vorhersehen zu können - und jedes Mal werden wir überrascht. Nehmen wir das Thema "Sharing": Bisher haben User ihre Fotos meist einfach hochgeladen, um sie anderen zu zeigen. Jetzt gibt es einen neuen Trend: Freunde, Familien, Kollegen besuchen gemeinsam eine Party, eine Hochzeit oder ein Fußballspiel und fügen ihre dabei gesammelten Daten zu einer großen Medien-Montage aus Fotos, Filmen, Musik und Texten zusammen. Das Sharing auf Ovi berücksichtigt genau dies und bietet entsprechende Flexibilität. Beim Geo-Tagging etwa macht es bei der Routenplanung einen großen Unterschied, ob man mit dem Auto oder zu Fuß unterwegs ist. Genauso beinhalten einzelne Gebäude oder Wegpunkte für jeden Nutzer ganz unterschiedliche Funktionen, Erinnerungen und Geschichten. Die Möglichkeit, solch unterschiedliche Informationen hochzuladen und anderen zur Verfügung zu stellen, schafft eine komplett neue Welt. Diesen Prozess zu unterstützen, darum geht es bei Ovi - und nicht um das klassische Modell "Dies ist Ovi, und das sind seine Funktionen".

connect: Aktive Nutzer sind das eine, eine größere Gruppe will aber nur konsumieren. Und die Geräte sind einfacher zu bedienen, wenn sie nur für den Konsum ausgelegt sind, wie etwa das iPhone... Selby: Wenn man ein mobiles Endgerät als Knoten in einem Netzwerk sieht, dann hat es vier grundlegende Eigenschaften: Konsumieren, Inhalte kreieren, Interaktion mit dem Gerät - etwa spielen -, und kommunizieren. Mit unseren Endgeräten bieten wir den einfachen Zugang zu Inhalten unterschiedlichster Art: Text, visuelle Medien, Webinhalte, Audiodateien. Wir müssen den Medienkonsum aber ganzheitlich betrachten und dürfen uns nicht auf die traditionelle Sicht-weise beschränken, dass man zum Fernsehen auf einem bestimmten Möbelstück sitzen muss, während man Musik mit sich herumtragen kann. Nein - die Medien müssen einen begleiten, wo man auch ist. Dem tragen wir etwa mit dem Nokia N96 Rechnung, das als drittes unserer Geräte DVB-H empfangen kann.

connect: Glauben Sie, dass DVB-H in den kommenden ein, zwei Jahren in Europa erfolgreich sein wird?Selby: Auf jeden Fall! Wir haben gesehen, wie es in Asien und Nordamerika funktioniert hat. In Deutschland besteht die Herausforderung in den Regulierungsstrukturen. Es gibt aber auch einen wichtigen Grund dafür, dass es vorangehen muss: Die Einschaltquoten beim Fernsehen kann man nur erhöhen, wenn man dazu nicht länger zu Hause auf dem Sofa sitzen muss.

connect: Aber wenn Sie die Nutzer konkret fragen, ob sie auf ihrem Handy Mobile TV haben wollen, sagen die meisten nein.Selby: Wenn Sie die Leute 1997 gefragt hätten, ob sie gerne personalisierte Klingeltöne auf ihrem Handy hätten, hätten ebenfalls 99 Prozent nein gesagt. Ebenso auf die Frage, ob sie gerne Radio oder Musik mit dem Handy hören würden. Und bei der Frage nach Satelliten-Navigation hätten sie nicht einmal gewusst, was das ist. Bei DVB-H ist die Qualität so gut, dass man sich ein Fußballspiel ansehen kann, oder die Nachrichten, oder die Lieblingsfernsehserie. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass mobiles Fernsehen einschlagen wird.

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