Die Neuheiten des Mobile World Congress in Barcelona

Interview mit Philip Humm, T-Mobile Deutschland

connect: Mobiles Internet soll neben Sprache der nächste große Umsatzbringer werden. Wie wollen Sie die Masse für mehr Datennutzung gewinnen? Humm: Wir kreieren "Sorglos"-Tarife. Das gilt für Sprache, aber auch für Daten. Die Kunden haben heute Angst, das Internet mobil zu nutzen, denn sie befürchten hohe Rechnungen. Wir vereinfachen alle unsere Tarife nach dem Prinzip "good", "better" und "best"- es gibt somit maximal drei Varianten. Bei Daten unterscheiden wir zwischen Laptop- und Handy-Tarifen. Laptop-Nutzer sind eher mit volumenbasierten Tarifen vertraut und erwarten große Flats. Gelegentliche Laptop-Surfer können mit Tagesflats für 4,95 Euro das Internet mobil nutzen. Handykunden bieten wir sehr attraktive, minutenbasierte Tarife für 9 Cent die Minute und natürlich Service-Flats zum E-Mailen und Surfen an. Kunden können mit unseren Datenflats sorglos surfen, so wie sie es beim iPhone bereits tun. Unser Ziel ist es, ein radikal einfaches Flat-Portfolio im Datenbereich anzubieten.

connect: Ist dabei mit einem kräftigen Preisrutsch zu rechnen?Humm: Unsere Strategie ist nicht, Preispunkte zu senken, sondern mehr Leistung in die Angebote zu packen. Wenn man die Summe der gesprochenen Minuten im Festnetz und Mobilfunk nimmt, liegt Deutschland mit 250 Minuten pro Monat mit den europäischen Ländern gleichauf. Allerdings ist die Verteilung in Deutschland anders als in Europa: Die Deutschen reden viel übers Festnetz und weniger mobil. Wir können 70 Minuten pro Kunde und Monat zulegen, um den europäischen Durchschnitt zu erreichen! Datennutzung und Umsätze wachsen zwar sehr schnell, jedoch ist die mobile Datennutzung immer noch in den Kinderschuhen. Da können wir weiter wachsen. Das iPhone zeigt, wie massiv Datennutzung in kurzer Zeit steigen kann. Wir haben beim Apple-Handy eine 30-mal höhere Datennutzung als beim Rest unserer Vertragskunden.

connect: Werden Sie das Ganze auch mit einem Telefon anbieten, das nicht 399 Euro kostet wie das iPhone? Humm: Das iPhone hat die Branche wachgerüttelt: Die großen Hersteller und Softwarehäuser bieten inzwischen benutzerfreundliche Touchscreen-Lösungen. Das ist für uns als Netzbetreiber natürlich wichtig. Denn wir benötigen gute Daten-Endgeräte, mit denen der Kunde gerne mobil surft, um die Datennutzung voranzutreiben. Mobile Daten werden zum Massenmarkt. Dieses Jahr wird das erste Mal der reine Datenumsatz gleich hoch ausfallen wie der SMS-Umsatz. Das ist ein Riesenfortschritt.

connect: Nun werden Handyhersteller wie Nokia aber auch zu Content-Anbietern. Ist das eine Gefahr für Sie?Humm: Wir begrüßen, dass die Handyhersteller Geräte bringen, mit denen unsere Kunden mobile Daten nutzen können. Als Netz-betreiber ist es für uns existenziell, dass wir das Eingangstor in die mobile Datenwelt unserer Kunden bleiben. Ist dies gewährleistet, ist es für uns nur positiv, wenn es attraktive Dienste gibt, die der Kunde mit dem Handy nutzen will. Das zeigt auch die Integration von YouTube auf dem iPhone: Der Dienst wird mit dem Gerät immens genutzt.

connect: Wenn sich DVB-T als Standard für Handy-TV durchsetzen sollte,  braucht der Kunden nicht den Netzbetreiber als Eingangstor, sondern nur das frei empfangbare DVB-T. Werden Sie DVB-T-Handys dann überhaupt verkaufen?Humm: DVB-T ist technisch machbar. Es führt aber zu höheren Endgerätekosten, ohne dass ein Geschäftsmodell existieren würde, das die Investition rechtfertigen könnte. Das Thema DVB-H sehen wir auch noch nicht als abgeschlossen an. Mit der derzeitigen Entscheidung haben wir erst einmal Zeit verloren. Wir müssen sehen, ob sich noch eine kommerziell sinnvolle Lösung finden lässt und ob wir die Olympischen Spiele und die Fußball-EM mobil sehen werden. Ganz allgemein betrachtet gewichten wir in unserer Datenstrategie Themen wie Full-Connectivity, E-Mail, Instant Messaging sowie das Surfen im Internet momentan höher als mobiles Fernsehen.

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