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Wolfgang Boos | Profil | Kontakt

26. Mai 2011
Ratgeber: Kabel BW: TV, Telefonie und Internet via Breitband Bild vergrößern 937 563 http://img2.magnus.de/Kabel-BW-r937x562-C-1334111-46559977.jpg
Ratgeber

Kabel BW: TV, Telefonie und Internet via Breitband

Der Kunde sieht nur die Kabeldose im Wohnzimmer – dahinter verbirgt sich aber aufwendige und faszinierende Technik. connect erklärt am Beispiel eines Kabelanschlusses von Kabel BW wie TV-Programm, Internetdaten und Telefonie ins Breitbandkabel kommen und welcher Aufwand für einwandfreie Qualität notwendig ist.

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Als die Deutsche Bundespost anno 1984 mit dem Aufbau der ersten Kabel-TV-Netze begann, ahnte noch niemand, wie sich die Technik einmal entwickeln würde. Auch war die Welt damals noch etwas einfacher: Meist gab es pro Stadt oder Gemeinde eine Kabelkopfstation – ein Technikgebäude mit Antennen und Satellitenschüsseln, in dem die Bundespost die TV-Signale empfing, aufbereitete und ins Kabelnetz einspeiste. Das bestand aus einem Koaxialkabel, das in Baumstruktur verlegt wurde – sprich eine Hauptleitung, die sich in viele Unterleitungen verästelte.

Diese Kabel sind unter dem Gehweg vergraben und heute noch im Einsatz. Sichtbar wird die Technik in den grauen Kästen am Straßenrand: In diesen sind Verstärker untergebracht, die das Signal immer wieder auf den nötigen Pegel bringen. Im Haus des Kunden mündet eine Zweigleitung in einen Übergabepunkt, von da ab geht’s über die Hausverkabelung und oft einen weiteren Verstärker zur Kabeldose in die Wohnung. Mittlerweile überträgt ein Kabelnetz aber nicht mehr nur TV und Radio, längst sind die Kabelgesellschaften auch Internet- und Telefonieprovider und bieten Datenraten von bis zu 100 Mbit/s an. Wie sieht so ein Multimedianetz heute aus? Wir haben hinter die Kulissen geschaut.

Vom Satelliten ins Kabelnetz

In einem unscheinbaren Industriegebäude in Stuttgart-Wangen liegt ein Herzstück des Netzes von Kabel BW, die Technikzentrale. Dort empfängt uns Ludwig Modra, Technikchef von Kabel BW –, der zunächst in einem Besprechungsraum am Chart die Struktur des Netzes erklärt .Alles beginnt in Stuttgart auf dem Dach des Ge­bäudes: Hier stehen 14 beheizbare Satellitenschüsseln, die einen Durchmesser von je rund 1,80 Metern haben. 18 Satellitenpositionen werden hier teilweise über Multifeedantennen empfangen.

Per Kabel geht’s nach unten ins Rechenzentrum. Dort wird das in digitalen Bouquets enthaltene Signal jedes Senders erst einmal vereinzelt , aufbereitet, eventuell verschlüsselt und zu neuen Programmpaketenzusammengefasst (gemultiplext, wie der Fachmann sagt). In dem Stadium werden auch die Daten­raten verteilt: Läuft auf einem Kanal Sport, benötigt der aufgrund der schnellen und dynamischen Bilder mehr Bandbreite als ein Sender, auf dem eine Dokumen­tation zu sehen ist. Vor allem die Tour de France sei ressourcenhungrig, so Technikchef Modra lachend.

Die komplette Technik in der Stuttgarter Zentrale wird übrigens in Mannheim gespiegelt, sodass bei einem Ausfall nicht gleich das ganze Ländle in die Röhre guckt. Eine Besonderheit: Einige Programme wie die öffentlich-recht­lichen Sender werden über Glasfaserkabel optisch als ASI-Signal aus Frankfurt nach Stuttgart und Mannheim herangeführt – der Pay-TV-Sender Sky kommt ebenfalls per Glasfaser aus München. Diese Zuführung ist Kabel BW deutlich lieber, da sich das Rohsignal aus der Faser besser aufbereiten lässt, außerdem ist die Übertragung stabiler als über den wetterempfind­lichen Satellitenempfang. Im Fall der Fälle springt Mannheim in die Bresche: Hängt über Stuttgart ein Gewitter, wird eben in Baden empfangen. Egal, wo: nach der Aufbereitung wird das Signal über Glasfaser an 20 Netzzentren in ganz Baden-Württemberg verteilt.

40 Lichtfarben sorgen für Tempo

Dabei handelt es sich um einen Glasfaserring. Würde eine Leitung beispielsweise durch einen Bagger gekappt, wäre jedes Netzzentrum noch über ein anderes Kabel von einem anderen Zentrum angebunden. Als Multiplex kommt auf den Fasern DWDM (Dichte Wellenlängen-Multiplex) zum Einsatz. 40 verschiedene Lichtfarben übertragen die Information, wobei jede Farbe 10 Gbit/s transportieren kann – so bietet ein Kabel satte 400 Gbit/s an Kapazität.

Für die TV-Verteilung nutzt Kabel BW aktuell 3 Gbit/s, derzeit laufen aber Umbauarbeiten, damit künftig 10 Gbit/s für TV reserviert sind. Kein Wunder, denn ein normales TV-Programm benötigt zwischen 2,5 und 4,5 Mbit/s an Daten, ein HD-Signal kommt schon mal auf 8 und 10 Mbit/s – und Fernsehen in 3-D gönnt sich noch mal rund 30 Prozent mehr Daten.

Auf dem Glasfaserring werden aber nicht nur alle TV- und Radiosender, sondern auch die Internet- und Telefoniedaten zwischen den Netzzentren verteilt. Dort kommen die eben beschriebenen Glasfaserleitungen an.



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