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Koncerthuset Kopenhagen

Beim Bau des Kopenhagener Koncerthuset wurde das Budget extrem überzogen. Was soll's? Der Klang ist toll.

Koncerthuset Kopenhagen

© DR Byen, Ateliers Jean Nouvel

Koncerthuset Kopenhagen

Ein Vorgespräch zur Planung des Koncerthusets stellt man sich etwa so vor: "Ich bin voller Einfälle, das wird ein einzigartiges Haus", verkündet Architekt Jean Nouvel. Darauf die Auftraggeber: "Wissen Sie schon, wie viel das kosten wird?" Nouvel: "Nun ja, das lässt sich nie genau beziffern, es kann aber ein wenig mehr werden als geplant."

Das wäre dann jene Nonchalance, die dem Franzosen nachgesagt wird. Denn aus ein wenig mehr wurde viel mehr. Während der Bauphase wuchs nicht nur das Gebäude in die Höhe, sondern ebenso sein Preis. Und zwar derart rasant, dass es zum großen Budget-Skandal kam. Am Ender wurde das Kopenhagener Koncerthuset mit 215 Millionen Euro Gesamtkosten einer der teuersten Musikbauten aller Zeiten.

Kopenhagener Koncerthuset

© DR Byen, Ateliers Jean Nouvel

Das Koncerthuset steht neben der Zentrale des Öffentlichen Rundfunks in Dänemark. Der betreibt den Bau und hat dort vier Säle, die akustisch variabel sind. Der Querschnitt oben zeigt, wie der Große Saal das Bauwerk dominiert und doch Platz für andere Räume lässt.

Das sieht man allerdings auch. Das Haus zählt zu jenen Gebäuden, die den Betrachter wie von selbst nähertreten lassen. Seine Formsprache ist überdeutlich - oder wo sonst erheben sich 45 Meter hohe Wände, die tiefblau durchs Wintergrau schimmern? Noch eindrücklicher ist der Anblick nachts, weil dann riesige Videoprojektionen die Fassade entlangtanzen.

Im Innern wird vollends klar, dass es sich beim Koncerthuset um ein Unikat handelt. Es bräuchte Tage, um all die skurrilen Details des kastenförmigen Baus zu entdecken.

Der Grundriss würde an die Berliner Philharmonie erinnern - wäre der Kernbau nicht in eine blaue Quaderhülle eingelassen. In deren oberer Hälfte ruht der große Konzertsaal auf starken Betonfüßen. Darunter entstand Platz für ein üppiges Foyer.

Vermutlich ein Hauptgrund, weshalb die Elbphilharmonie Hamburg genauso konzipiert wurde - und das ist nicht die einzige Parallele zu Kopenhagen. Dort wie auch in Hamburg wurde der Japaner Yasuhisa Toyota mit der Akustik betraut. Eine Aufgabe, die als hakelig gilt, sind Akustiker doch meist im Zwiespalt. Soll der Saal in Weinbergform gebaut werden, sodass die Zuhörer auf ansteigenden Rängen um die mittig platzierte Bühne sitzen? Oder doch eher - wie ein Kinosaal - in Schuhschachtel-Art? Der Weinbergzuschnitt schafft zwar beste Blickverhältnisse, gilt aber akustisch eher als zweite Wahl.

Kopenhagener Koncerthuset

© DR Byen, Ateliers Jean Nouvel

Egal ob Chöre, Orchester oder Solisten auftreten: Im Großen Saal beeinflussen Vorhänge den Klang, in den Studios optimieren Schiebeelemente oder Echokammern den Nachhall.

Davon merkt man dem Saal des Koncerthusets glücklicherweise nichts an, denn der tönt astrein. Egal ob man die Aufmerksamkeit dem Nachhall, Tieftönen oder Höhen widmet - alles steht im perfekten Einklang miteinander. Jedes bisschen mehr oder weniger wäre verkehrt. Das bekundete auch Stardirigent Daniel Barenboim, der nach seinem Auftritt in Kopenhagen vom "weltbesten Saal für Solopiano" schwärmte. Darüber hinaus beherbergt der Bau drei famose Räume, die gerne für Aufnahmen gebucht werden. Kein Wunder, verfügt doch jeder der Säle über ein eigenes Tonstudio voller Edelequipment.

Das passt zum Maximalprinzip des Baus, für dessen Umsetzung der genialische Jean Nouvel arg über die monetären Stränge schlug. Zu seiner Verteidigung muss allerdings gesagt werden, dass hierbei ein bis ins letzte Detail überzeugendes Haus entstanden ist. Die Besucher wird's freuen.

  • Erbaut: 2003-2009
  • Architekt: Jean Nouvel
  • Akustiker: Yasuhisa Toyota, Nagata Acoustics
  • Säle: Großer Saal, Studio 2-4
  • Nachhallzeit: 2,0 Sekunden (besetzt), 2,3 Sekunden (unbesetzt)
  • Besucher pro Jahr: 150 000

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