SAE-Mastering-Seminar

Mastering einer Musikproduktion

Mythos Mastering - was steckt dahinter? Zwei Top-Profis, Bob Katz und Christoph Stickel, zeigten beim Mastering-Seminar im SAE Institute Köln, wie man Musikproduktionen zum Klingen bringt.

Christoph Stickel

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Christoph Stickel

Das Mastering einer Musikproduktion ist wie ein Original-Gemälde ins rechte Licht zu rücken, um es anschließend zu fotografieren." So brachte es Christoph Stickel, Mastering-Ingenieur der renommierten Münchener MSM-Studios, auf den Punkt.

Erklärend fügte er hinzu: "Korrekt müsste es allerdings, Pre-Mastering' heißen, denn das Mastering meint historisch betrachtet eigentlich die allerletzte Bearbeitungsstufe vor der Aufzeichnung auf den endgültigen Tonträger - so beispielsweise die Wahl der Schneidkennlinie bei der Schallplatte oder das Anlegen des Table of Contents (TOC) bei einer CD. Pre-Mastering dagegen bezeichnet die finale Instanz, in der noch klangliche Beeinflussungen bei einer Musikproduktion möglich sind. Hierfür hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch der Begriff, Mastering' etabliert."

Christoph Stickel und Bob Katz

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Masters of Sound: Christoph Stickel (links) und Bob Katz

Die Tätigkeit des Mastering-Ingenieurs beginnt also erst dann, wenn die Musiker ihre Spuren bereits eingespielt haben: Hiervon erstellt der Toningenieur des Aufnahmestudios in der Regel einen Stereo-Mix, der dem Mastering-Ingenieur als Arbeitsgrundlage dient: Die Aufgabe des "Klangveredlers" ist unbestritten sehr reizvoll, birgt aber einiges an Verantwortung: Denn letztendlich hängt der kommerzielle Erfolg einer Produktion nicht unbeträchtlich vom Können des Mastering-Ingenieurs ab - mitunter wird von ihm denn auch erwartet, aus Stroh Gold zu machen.

Digitale Audioformate - DSD vs. PCM

Man könnte meinen, dass die klanglichen Einflussmöglichkeiten bei einem bereits fertigen Stereo-Mix eher begrenzt sind. Natürlich ist es sinnvoll, gröbere Patzer wie zu laut oder zu leise abgemischte Instrumente bereits im Stereo-Mix zu korrigieren. Aber selbst in schwierigen Fällen ist im Mastering-Prozess noch erstaunlich viel möglich - Besucher der HIGH END 2013 konnten davon beim sehr gut besuchten stereoplay-Workshop schon mal einen kleinen Eindruck bekommen.

Working in the Box

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Working in the Box: Klangkorrektur in Pro Tools per Sonnox-Software-Equalizer

Hohe Schule

Nun hieß es allerdings für stereoplay, die Schulbank zu drücken- nämlich in Köln beim Master-Class-Seminar des SAE Institute zum Thema Mastering: Die Referenten waren keine Geringeren als Mastering-Legende Bob Katz (Digital Domain) und Christoph Stickel (MSM-Studios München). 23 Teilnehmer vorwiegend aus dem professionellen Umfeld nutzten diese tolle Gelegenheit, den Mastering-Ikonen zwei ganze Tage lang bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen und nebenbei haufenweise Tipps und Tricks zu erhalten.

Auf dem umfangreichen Programm stand jedoch nicht nur das "How to do" für die tägliche Arbeit, sondern auch die fürs Mastering erforderlichen Rahmenbedingungen. Denn während der Toningenieur im Aufnahmestudio vorrangig daran interessiert ist, eine einwandfreie Aufnahme abzuliefern, stellt der Mastering-Engineer sicher, dass diese beim Endkunden auch gut klingt - egal, ob über den Ghetto Blaster oder die High-End-Anlage.

Mac oder Windows?

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Mac oder Windows? Bob Katz verwendet beides.

Mastering setzt daher also zunächst mal perfekte Abhörbedingungen und feinste Technik voraus - so fielen bei den Lautsprechern denn auch im HiFi wohlbekannte Namen wie Dynaudio, PMC oder Revel. Absolut überrascht war stereoplay darüber, wie viel audiophiles Gedankengut sich in der Profi-Szene mittlerweile etabliert hat - heikle Themen wie Kabelklang, Stromversorgung oder Jitterprobleme wurden auch unter den Teilnehmern heiß diskutiert. Christoph Stickel dazu pragmatisch: "Wenn ich gute Kabel verwende und auf korrekte Netzsteckerpolung achte, brauche ich 30 Prozent weniger Equalizing."

Praxis: HiRes-Musik-Downloads - besser als Audio-CDs

So wundert es auch nicht, dass sich Bob Katz vor Seminarbeginn einen kompletten Tag Zeit nahm, um die mit Bryston-Endstufen gepowerten und per Acourate-Software impulskorrigierten PMC-Monitore zentimetergenau im Studio zu positionieren und sorgfältig auf seinen bevorzugten Referenzpegel (77 dB bei einer Aussteuerung von -20 dB) einzumessen.

Man at Work

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Man at Work: Christoph Stickel an der Icon-D-Control-Konsole in der Tonregie des SAE Institute Köln

Make LUFS - not War

Intensiv diskutiert wurde auch über die "Schattenseiten" im Business: So werden die Mastering-Ingenieure häufig dazu angehalten, Produktion besonders "laut" und damit vermeintlich besser klingend und durchsetzungsfähiger als die Mitbewerber erscheinen zu lassen. Psychoakustischer Hintergrund für diesen "Loudness War" ist die Tatsache, dass das menschliche Gehör "lauter" zunächst mal als "besser" interpretiert.

So ist der Durchschnittspegel bei CD-Produktionen in den letzten 20 Jahren um satte 20 Dezibel gestiegen, was als viermal so laut empfunden wird. Auf der Strecke bleibt dabei die Dynamik: Oberhalb vom digitalen Maximalpegel 0 dB (der als Durchschnittspegel mittlerweile fast erreicht ist), treten heftige Verzerrungen auf. Bei Tonmaterial, das für datenreduzierte Medien gedacht ist (MP3, iTunes), kann die gefährliche Clipping-Grenze sogar noch ein Dezibel darunter liegen.

Plug in

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Plug in - aber richtig: der Parametric-EQ Epure II von Flux

Der "Loudness War" stört die Mastering-Ingenieure gewaltig, denn solche komprimierten "Presswürste" nehmen der Musik jede Lebendigkeit. Doch Abhilfe ist in Sicht: Mehr und mehr wird zur Pegelnormalisierung von Musik nicht mehr der digitale Spitzen-, sondern der Lautheit bestimmende Durchschnittwert (Loudness Unit Full Scale = LUFS) herangezogen; Apple stellt bei iTunes bereits darauf um.

Dazu Bob Katz: "Wenn Apple jetzt noch als Standardeinstellung das Häkchen davor macht, ist der Loudness War vorüber. Denn dann klingen totkomprimierte Produktionen nicht mehr lauter, sondern sofort hörbar schlechter."

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