Apple Pay, Android Pay & Co.

Mobile Payment - Bezahlen mit dem Smartphone

Glaubt man den Anbietern, steht Mobile Payment - das Bezahlen mit dem Smartphone - seit Jahren kurz vor dem Durchbruch. Bald aber könnte es tatsächlich soweit sein - nicht zuletzt dank Apple Pay und Googles Android Pay.

Mobile Payment

© Piotr Adamowicz / shutterstock.com

Mobile Payment

Mobile Payment (M-Payment) kommt nicht richtig in Gang, obwohl der Durchbruch kurz bevorsteht - das jedenfalls behaupten die Anbieter mobiler Bezahlsysteme seit Jahren. Dabei geht es nicht ums mobile Bezahlen bei Online-Käufen, das längst zum Leben dazugehört, sondern um den Einkauf mit dem Smartphone im Supermarkt oder in der Innenstadt.

Mobile Payment ist ein verworrener Markt

Doch es gibt gute Gründe dafür, dass man in kaum einem Geschäft mit dem Handy zahlen kann, statt sich an der Kasse anzustellen. So tummeln sich in dem Markt Akteure aus den unterschiedlichsten Branchen: Mobilfunknetzbetreiber, Finanzdienstleister und Kreditkartenfirmen, Smartphone-Hersteller, Plattformanbieter, Einzelhandelsunternehmen sowie auf M-Payment spezialisierte Dienstleister und Startups - sie alle haben Aktien im M-Payment-Spiel.

Hinzu kommen reichlich Insellösungen mit bislang bescheidenen Nutzerzahlen, technologischer Wildwuchs, eine unterentwickelte Infrastruktur, komplizierte Systeme und Abläufe, kaum vorhandenes Wissen um die Möglichkeiten und den Nutzen bei den Kunden sowie schlecht geschultes Kassenpersonal. Nicht zu vergessen die in Deutschland üblichen Sicherheitsbedenken, eine hohe Affinität der Menschen zu Bargeld, ein im internationalen Vergleich recht heterogenes Bankensystem und die vergleichsweise geringe Verbreitung von Kreditkarten - auf Letzteren wiederum basieren die meisten M-Payment-Modelle.

Dank NFC tut sich jetzt endlich etwas

Allerdings mehren sich nun die Indizien, die darauf hindeuten, dass jetzt endlich Bewegung in die Sache kommt. So sprechen alle Anzeichen dafür, dass sich NFC gegenüber anderen Verfahren wie dem QR-Code und Bluetooth Low Energy (BLE) als Standard fürs mobile Bezahlen durchsetzen wird. Einheitlichkeit war schon immer von grundsätzlicher Bedeutung, um die Menschen von neuen Technologien zu überzeugen.

Was dem M-Payment-Markt bislang fehlte, um massentauglich zu sein, waren geeignete Smartphones und Geschäfte, in denen man mit diesen bezahlen konnte. Der NFC-Siegeszug wird dies ändern, denn zumindest die führenden Gerätehersteller bieten praktisch nur noch Smartphones mit NFC-Chip an. In absehbarer Zeit dürfte also ein Großteil der Handys NFC-fähig sein; für alle anderen gibt's NFC-Sticker.

Auch die Zahl der Geschäfte, die M-Payment anbieten, wird in den kommenden Monaten und Jahren stark steigen. Die Kreditkartenanbieter sind dabei, das Netz an NFC-basierten kontaktlosen Kartenlesern, die auch für Smartphone-Zahlungen benötigt werden, massiv auszubauen. Visa und Mastercard wollen sukzessive alle Geschäfte, in denen man mit Kreditkarte bezahlen kann, entsprechend ausrüsten.

O2, mpass, Mobilfunk

© Hersteller

O2 Mpass: KreditMpass wird federführend von O2 betrieben, funktioniert aber anbieterübergreifend. Zahlen kann man damit in allen Geschäften, die Maestro Paypass akzeptieren.

Apple soll zum Player werden

Wesentliche Impulse erwartet sich die Branche insbesondere von Apple. Nicht zu Unrecht, schließlich hat sich der iPhone-Erfinder zum Start seines Zahlungsdienstes im Herbst 2014 gleich mehrere Hemmnisse beim mobilen Bezahlen vorgeknöpft. So unterläuft Apple die Registrierungshürde, indem die Firma einfach die iTunes-Accounts verwendet. Damit eröffnet sich ein Potenzial von annähernd 900 Millionen Menschen weltweit.

Ebenso wichtig ist es Apple seit Menschengedenken, komplizierte Technik so einfach und begreifbar wie irgend möglich zu machen. Diese Fähigkeit ist beim M-Payment besonders gefragt, denn die Menschen werden nur dann wirklich mit dem Smartphone bezahlen, wenn es schneller und simpler geht als mit einer Karte oder mit Scheinen und Münzen. Nicht zuletzt muss das neue Zahlungsverfahren auch sicher sein - Apple Pay soll das garantieren, wobei aus den Vereinigten Staaten zuletzt auch schon Betrügereien mit dem Dienst gemeldet wurden. 

Apple hat auch hinsichtlich der Reichweite vorgesorgt, allerdings zunächst nur in den USA. Noch ist offen, wann und in welcher Form Apple Pay hierzulande eingeführt wird. Gleiches gilt für Googles Android Pay und für Samsung Pay: Beide Dienste zusammen würden theoretisch noch deutlich mehr Menschen erreichen als Apple, befinden sich derzeit aber noch komplett im Ankündigungsmodus. Der Internet-Zahlungsspezialist Paypal ist zwar mit M-Payment bereits in Deutschland aktiv, aber noch nicht besonders erfolgreich damit.

Telekom, MyWallet, Mobilfunk

© Hersteller

Telekom My Wallet: Seit rund einem Jahr bietet die Telekom ihren Kunden die App My Wallet. Neben einem Mobilfunkvertrag beim Marktführer werden ein NFC-fähiges Android-Smartphone und ein Prepaid-Mastercard-Konto vorausgesetzt.

Berlin ist die M-Payment-Hauptstadt Deutschlands

Ein interessantes Pilotprojekt, das dem Mobile Payment in Deutschland einen Schub verleihen soll, ist die im April 2015 gestartete Initiative "NFC City Berlin", an der sechs Handelsketten und die drei deutschen Mobilfunknetzbetreiber beteiligt sind. In der Hauptstadt wurden 2000 Kassen in 500 Geschäften für den kontaktlosen Bezahlstandard NFC umgerüstet, was die Zahl der Akzeptanzstellen in Berlin verdoppelte. Summen bis zu 25 Euro lassen sich kontaktlos und ohne Rückfrage per Smartphone bezahlen, bei Beträgen darüber muss der Kunde zusätzlich seine PIN eingeben. Wer mitmachen will, braucht die Wallet-App seines Mobilfunkanbieters - einfach downloaden und los geht's. 

Dass sich in puncto M-Payment etwas tut, zeigt auch die Ankündigung von Aldi Nord, ab sofort in allen 2400 Filialen kontaktloses Bezahlen zu ermöglichen - per NFC-fähiger Girokarte oder Smartphone (außer iPhone). Um bei Aldi mit dem Handy bezahlen zu können, ist ebenfalls die Wallet-App eines Netzbetreibers notwendig. Ein weiterer Handelsriese, der auf den M-Payment-Zug aufspringen wird, ist Metro mit seinen Elektronikmärkten: Alle 3500 Zahlungsterminals in den gut 400 deutschen Filialen von Media Markt und Saturn sollen bis zum Herbst 2015 mit NFC-Technologie fürs kontaktlose Bezahlen ausgestattet werden.

Vodafone Smartpass

© Vodafone

Vodafone Smartpass: Die Alternative von Vodafone nennt sich Smartpass. Das Zahlungsverfahren soll sich zusammen mit der digitalen Geldbörse "Vodafone Wallet" als Bargeldersatz etablieren.

Ob früher oder später - mobiles Bezahlen kommt

Die Frage ist nicht, ob sich M-Payment durchsetzen wird, sondern wann - und wer damit auf welche Weise Geschäfte machen wird. Der Erfolg des mobilen Bezahlens wird wesentlich davon abhängen, ob es gelingt, den Menschen die Sache schmackhaft zu machen. Am ehesten dürften sich also Lösungen durchsetzen, die nicht nur das Komfort- und Sicherheitsbedürfnis der Verbraucher befriedigen, sondern einen konkreten Mehrwert bieten, zum Beispiel die nahtlose Integration von Coupons, Tickets oder Bonusprogrammen.

Dass solche Angebote angenommen werden dürften, zeigt allein die Tatsache, dass rund 60 Prozent der Deutschen eine Payback- oder Deutschlandkarte besitzen und mit den entsprechenden Coupons bereits fleißig einkaufen - folgerichtig hat auch Payback eine Bezahl-App angekündigt. Laut einer Studie des M-Payment-Spezialisten GS1 Germany sind zudem mehr als zwei Drittel der Deutschen grundsätzlich dazu bereit, in Geschäften oder an Tankstellen mit dem Smartphone zu bezahlen. Das Marktpotenzial ist also offenbar vorhanden.

Visa prophezeit den baldigen Durchbruch in Europa

"2015 wird das Jahr des mobilen Bezahlens", verkündete der bei Visa Europe für das Thema zuständige Manager Volker Koppe kürzlich in der Börsen-Zeitung. "Wir erwarten, dass bis 2020 rund 60 Prozent aller Visa-Transaktionen in Europa über mobile Endgeräte wie Tablets und Smartphones erfolgen werden." Sollte das so kommen, dann hat es die Branche doch noch nicht ganz versiebt.

Hintergrund: NFC wird zum Standard

Apple braucht manchmal etwas länger: Es gibt immer wieder Technologien, die von der Konkurrenz deutlich früher eingesetzt werden. Ein Beispiel dafür ist Near Field Communication (NFC). Während die führenden Hersteller von Android-Smartphones ihre Topgeräte seit Jahren mit NFC ausrüsten, hat Apple die Funktechnologie erst in seiner aktuellen iPhone-Generation verbaut, also in den Modellen 6 und 6 Plus. Zusammen mit dem gleichzeitig angebotenen Zahlungsdienst Apple Pay könnte diese technische Neuerung den Markt für M-Payment den entscheidenden Schritt nach vorne bringen, denn fast alle mobilen Zahlungssysteme basieren auf NFC.

Kontaktloses Bezahlen über NFC ist heute bereits an rund 60 000 Standorten in Deutschland möglich. Die meisten neueren Kreditkarten enthalten einen NFC-Chip zum kontaktlosen Bezahlen. Und auch die in Deutschland so beliebte Debitkarte - die Banken nennen sie Girokarte, der Volksmund oft noch EC-Karte - von Maestro (Mastercard) und V-Pay (Visa) ist immer öfter damit ausgestattet. Die Sparkassen nutzen NFC zudem für ihr Girogo- System. Und die Kreditkartenanbieter rüsten weiter auf: Bei Mastercard (Paypass) sollen bis 2018 alle Bezahlterminals in Deutschland NFC-fähig sein, Visa (Paywave) hat ähnliche Planungen.

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Durch die verschlüsselte Datenübertragung - bei Beträgen über 25 Euro zusätzlich mit PIN-Abfrage - gilt die Technologie als vergleichsweise sicher. Einer aktuellen Studie von GS1 und dem EHI Retail Institute zufolge sollen sich in weniger als zwei Jahren NFC-Chips sowohl in Smartphones als auch in Händlerterminals so verbreitet haben, dass man von einem massenfähigen Markt sprechen kann. Die technologische Basis ist damit gelegt.

Apple Pay

Es ist nicht das erste Mal, dass Apple einen neuen Markt zunächst intensiv beobachtet, um ihn dann mit einem rundum stimmigen Angebot aufzumischen. So auch im Bereich M-Payment. Mit dem im Oktober 2014 eingeführten, auf NFC basierenden Zahlungsdienst Apple Pay konnte man bereits zum Start in 220 000 Geschäften in den USA einkaufen - Tendenz stark steigend. 500 große Banken sind mit im Boot.

Die Nutzung ist Apple-typisch einfach: An der Kasse braucht der Kunde nur sein iPhone 6 oder 6 Plus ans Lesegerät zu halten, zur persönlichen Identifizierung dient der Fingerabdrucksensor. Für Sicherheit sorgt der "Secure Element Chip" im Gerät.

Allerdings wachsen auch bei Apple die Bäume nicht in den Himmel - selbst im Heimatland nicht. Erstens machen Walmart und andere Handelsketten bei Apple Pay nicht mit, weil sie eigene M-Payment-Systeme etablieren möchten. Zweitens ist der Service einzelnen Untersuchungen zufolge nicht ganz so erfolgreich angelaufen, wie es uns der Konzern weismachen will. Außerhalb der USA tut sich Apple ohnehin schwer mit der Verbreitung seines Zahlungsdienstes. Aktuell wagt man sich zumindest auf den britischen Markt, ein Starttermin für Deutschland steht jedoch noch in den Sternen.

Android Pay

Konkurrent Google hat soeben sein Bezahlmodell Android Pay angekündigt. Nachdem zwei Vorgängermodelle (Google Checkout und Google Wallet) praktisch gescheitert sind, soll es im dritten Anlauf nun klappen. Voraussetzung für die Nutzung des Zahlungsdienstes sind Android Kitkat (oder neuer) und ein NFC-Chip im Gerät. Bezahlen können soll man mit Android Pay sofort in mehr als 700 000 Ladengeschäften. Wie die Konkurrenz von Apple startet Google seinen von den großen Kreditkartenfirmen unterstützten Bezahldienst zunächst allerdings nur im Heimatmarkt USA.

Samsung Pay

Neben Apple und Google versucht mit Samsung ein weiteres Schwergewicht, im M-Payment-Bereich Fuß zu fassen. Obwohl Mitglied in der von Google dominierten Android-Familie, kocht Samsung gern sein eigenes Süppchen. Das gilt auch für das Thema M-Payment. So hat der Technologiekonzern im März 2015 - zusammen mit seinem neuen Flaggschiff Galaxy S6 - ein eigenes Zahlungssystem namens Samsung Pay angekündigt. Starten soll das Projekt in der zweiten Hälfte dieses Jahres - zunächst in den USA und im Samsung- Heimatmarkt Südkorea. Zu diesem Zweck hat Samsung den Zahlungsspezialisten Loop Pay übernommen. Dessen patentierte Technologie "Magnetic Secure Transmission" hat den Vorteil einer enormen Reichweite: Sie adressiert nicht nur NFC-Terminals, sondern auch traditionelle Magnetstreifen-Lesegeräte.

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