Schneller als LTE

Netzausbau: Was bringt 5G?

Die Datenraten im Mobilfunk steigen rasant, der Datenhunger allerdings auch. Die Netzbetreiber bauen LTE weiter aus und planen bereits die nächste Generation 5G.

LTE-Antenne Halle-Neustadt O2

© Telefonica O2

LTE-Antenne Halle-Neustadt O2

Die Digitalisierung ändert die Gesellschaft: Noch vor acht Jahren diente das Handy hauptsächlich zum Telefonieren und SMS verschicken. Mit dem Verkaufsstart des iPhones brach 2007 ein neues Zeitalter an: Das erste Apple-Smartphone bescherte den Mobilfunkern den lang ersehnten Anstieg der mobilen Datennutzung.

Datenverbrauch steigt um 90 Prozent

Heute wird manchem bange vor den Geistern, die man rief. Laut Prognose des Branchenverbands Bitkom steigt der mobile Datenverbrauch in Deutschland von in 2008 übertragenen 11 Millionen Gigabyte auf geschätzte 480 Millionen Gigabyte in diesem Jahr.

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Mobiles Datenvolumen Grafik

© Bitkom

Das mobile Datenvolumen ist in den letzten Jahren rapide angestiegen.

Das ist eine Steigerung von satten 90 Prozent, und das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht in Sicht: Schließlich treiben neben der rasanten Verbreitung von mobilen Geräten vor allem Anwendungen wie etwa die Kommunikation via Facebook und Co während Live-Veranstaltungen oder die steigende Nutzung von Musik- und Videostreaming-Diensten den mobilen Datenkonsum in die Höhe. Laut Amdocs, einem der führenden Software-Spezialisten in den USA, erzeugt etwa die Parallelnutzung von Fernsehen und Internet auf Smartphones und Tablets einen Anstieg des Datenverkehrs um 50 Prozent weltweit.

Das stellt die Telekommunikationsbranche vor enorme Herausforderungen, die nichts mehr als überlastete Netze fürchtet: Ein zügiger Netzausbau steht bei den großen Anbietern ganz vorne auf der Agenda. So auch bei der Deutschen Telekom, dem fünftgrößten TK-Konzern der Welt.

Deren Technikchef Bruno Jacobfeuerborn erläuterte connect im persönlichen Gespräch auf dem Mobilfunkkongress in Barcelona die LTE-Aktivitäten des deutschen Marktführers: "Wir haben in den Städten zunächst LTE mit 800 MHz ausgebaut und gehen nun dazu über, die 2,6 GHz-Frequenzen mit hineinzunehmen. Mit der sogenannten "Carrier Aggregation" verdoppeln wir die Netzkapazität und die Geschwindigkeit. Dazu werden zwei Frequenzbänder in puncto Kapazität und Datentempo gebündelt. Damit erreichen wir statt 150 Mbit/s, die ein Frequenzband mit 20 MHz schafft, 300 Mbit/s. Daran arbeiten wir gerade."

Mobil ins Internet

© Bitkom

Durch die Verbreitung von Smartphones und Tablets ist das mobile Internet weiterhin auf Siegeszug und lässt den stationären Rechner in puncto Onlinezeit weit hinter sich.

Frequenzvergabe und Small Cells

Sein Ziel ist es, bis 2016 85 Prozent der Bevölkerung mit LTE zu versorgen. Mit Ausbau ist auch die restliche Netzbetreiberriege beschäftigt: Vodafone, seit letztem Jahr zusätzlich mit der Modernisierung des GSM- und UMTS-Netzes beschäftigt, deckt derzeit 70 Prozent der Fläche Deutschlands mit LTE ab, 2016 soll der Turbo sowie HD-Telefonie flächendeckend verfügbar sein. Der frischgebackene CEO von Telefonica Deutschland, ehemaliger E-Plus-Chef Thorsten Dirks, kündigte auf dem MWC an, bis 2016 gar 90 Prozent der Bevölkerung mit dem Datenturbo LTE erreichen zu wollen. Ein ehrgeiziges Ziel: Heute erreicht Telefonica 62 Prozent.

Datenabführung als eigentliches Problem

Laut Arno Brausch, Director Development bei Amdocs, sind LTE-Netze aktuell noch nicht von Kapazitätsproblemen betroffen: Derzeit unterstützen sie nur 385 Millionen Verbindungen weltweit; bis 2019 sollen es 2,3 Milliarden sein. Als größtes Problem sieht er die Infrastruktur des Rücktransports, die auf veralteten Netzwerken basiert. "Deshalb wird LTE die Netzwerke nur auf kurze Sicht entlasten können", ist sich Arno Brausch sicher.

Das wissen auch die deutschen Netzbetreiber und fordern mehr Bandbreite. Darauf hat die Bundesnetzagentur reagiert und vergibt im zweiten Quartal 2015 neue Frequenzen. Dabei stehen die 700-MHz-Bänder im Fokus, die aktuell noch für die digitale Rundfunktechnik DVB-T genutzt werden. Mit den niedrigeren Frequenzen erreichen die Netzbetreiber vor allem eine größere Reichweite auf dem Land, können sie aber auch indirekt für ihren Glasfaserausbau verwenden: Um die enormen Datenmengen abzuführen, werden die LTE-Basisstationen ans Glasfasernetz angebunden. Abhilfe schafft laut Bruno Jacobfeuerborn auch der Einsatz von Small Cells: Kleine Basisstationen, die an Hauswänden oder Laternenmasten befestigt werden können. "Damit bringen wir zusätzliche Basisstationen ins Netz und können intern das Netz nach unten verdichten."

Der Datenhunger wächst.

© Weka/ Archiv

Der Datenhunger wächst: Das Internet der Dinge wird in den nächsten Jahren den Bedarf an Datenvolumen weiter steigen lassen.

Telekom treibt 5G-Ausbau voran

Doch der Bonner Konzern denkt weiter. So will die Telekom die führende Rolle bei der weltweiten Entwicklung des nächsten Mobilfunkstandards 5G übernehmen und hat sich mit den führenden Netzbetreibern aus Asien, Amerika und Europa unter dem Dach der NGMN-Allianz zusammengeschlossen. Vorstandsvorsitzender ist Jacobfeuerborn, der ein klares Ziel verfolgt: eine einheitliche Netzinfrastruktur für die Kunden zu schaffen. Auch Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, ist sich sicher, dass die neue Generation des mobilen Internets entscheidend für die digitale Zukunft Europas ist, da dadurch mehr Wettbewerb, Wachstum und neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

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Steigen die Preise?

Bettina Rotermund, Unternehmensberaterin bei Iskander Business Partner, sieht die TK-Branche ebenfalls im Umbruch: Da nun auch Internetriesen wie Google mit eigener Netzinfrastruktur auf den Mobilfunkmarkt drängen, müssen sich die Etablierten neuen Geschäftsfeldern und Prozessen öffnen: "Dazu muss das 5G-Netz jedoch dringend ausgebaut werden, denn es ist die notwendige Datenautobahn für die Vernetzung von Maschinen, Systemen und Menschen." Doch weil der Ausbau teurer ausfallen wird als gedacht, glaubt sie, dass die Preise im Mobilfunk steigen werden. Spätestens 2020 rechnet die Telekom mit dem 5G-Ausbau in Europa.

Der Zeitplan ist laut Bruno Jacobfeuerborn realistisch, da die Mobilfunkentwicklung in Dekaden abläuft: "Zwischen 1990 und 2000 wurde GSM forciert, danach folgte der UMTS-Ausbau bis 2010. Seit 2010 rüsten wir das Netz mit LTE hoch, in fünf Jahren folgt dann der 5G-Rollout. Mittendrin gibt's immer einen Technologiesprung: So war es bei GSM mit Edge, bei UMTS mit HSPA, bei LTE wird es LTE Advanced sein." Uns Kunden soll's recht sein.

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