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O2 schluckt E-Plus: Die Hintergründe

Der Mobilfunkanbieter E-Plus fusioniert mit Telefonica Deutschland. Beim O2-Konzern stagnieren die Kundenzahlen, bei E-Plus hingegen nicht.

Fusion O2 E-Plus

© ARD, ZDF, NTV

Fusion O2 E-Plus

Noch vor einem Jahr ging es als Gerücht durch die Börse, seit diesem Sommer ist es amtlich: Telefonica Deutschland darf E-Plus für 8,6 Milliarden Euro vom Eigentümer, dem niederländischen KPN-Konzern, übernehmen. Anfang Juli hat die EU-Kommission der Megafusion unter strengen Auflagen zugestimmt.

Fusion nur unter Auflagen

So verpflichtet sich die deutsche Tochter des spanischen Telekom-Riesen Telefonica, bis zu 30 Prozent ihrer Netzkapazitäten an einen Anbieter ohne eigene Netzinfrastruktur abzugeben. Dazu haben die Münchner bereits einen entsprechenden Vertrag mit dem Discounter Drillisch unterzeichnet, der noch von den Brüsseler Wettbewerbshütern genehmigt werden muss.

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Laut diesem Kontrakt soll der für seine vielen Billigmarken bekannte Anbieter in den nächsten fünf Jahren bis zu 30 Prozent der Netzkapazität übernehmen. Damit will der EU-Regulierer für einen wettbewerbsorientierten Markt sorgen und möglichst auch neue Anbieter auf den deutschen Markt locken.

D-Netz-Riesen benachteiligt?

Schließlich bleiben nach dem Zusammenschluss nur drei große Mobilfunker übrig: Mit über 44 Millionen Kunden wächst das fusionierte Unternehmen O2/E-Plus zum größten Netzbetreiber und lässt den derzeitigen Marktführer Telekom sowie Vodafone deutlich hinter sich. Die beiden fürchten vor allem, dass die E-Netz-Konkurrenz durch die Fusion ein deutliches Übergewicht an Frequenzen gewinnt und fordert von der künftigen Nummer eins, massiv die heiß begehrten Bänder im 1800- und 2100-MHz-Bereich abzugeben.

Frequenzabgabe schon 2015

Die Bundesnetzagentur sieht angesichts der Umwälzungen Handlungsbedarf und will noch im vierten Quartal 2014 ein Verfahren zur Neuvergabe der Mobilfunkfrequenzen starten, die erst 2016 auslaufen. Das heißt, dass O2 und E-Plus ihre GSM-Lizenzen im 900- und 1800-Mhz-Bereich recht zügig, nämlich schon 2015, freistellen müssen. Damit will die Bundesbehörde laut ihrem Chef Jochen Homann "so früh wie möglich die notwendigen Ressourcen fürs mobile Breitband bereitstellen und den Wettbewerbern eine frühzeitige Frequenznutzung ermöglichen."

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Bei E-Plus zeigt die Kurve fast durchgängig nach oben, bei O2 flacht sie dagegen ab. Die weitaus meisten Kunden und den größten Umsatz hat aber immer noch die Telekom.

Wie sich das auf die Netzstrategie des neuen Mega-Konzerns auswirkt, bleibt abzuwarten: Schließlich weiß der erst nach der Auktion, über welches Lizenzspektrum er verfügt und kann auch erst dann detailliert den Netzumbau planen.

Was passiert mit den Preisen?

Wie sich O2/E-Plus preislich aufstellt, bleibt ebenfalls spannend: Schließlich sorgte insbesondere E-Plus mit günstigen Angeboten und Mehrmarkenstrategie für schnellen Zuwachs auf dem Markt. Dem Motto will der bisherige E-Plus-Chef Thorsten Dirks treu bleiben - er wird den neuen Konzern nach dem für das dritte Quartal 2014 geplanten Zusammenschluss leiten.

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