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Philharmonie Essen

Ein Musentempel mitten im Pott: Die Philharmonie Essen fürchtet die starke Konkurrenz nicht. Der Bau wurde renoviert - und klingt bestens.

Philharmonie Essen

© Sven Lorenz, Frank Vinken

Philharmonie Essen
Philharmonie Essen

© Sven Lorenz, Frank Vinken

Krupp-Saal, Krupp-Stahl? Die Assoziation liegt nahe, doch im Konzertraum dominieren Holz und Stoff. Nur hier und da erblickt man Metallenes im sehr modern gehaltenen Stil des großen Saals.

Es scheint ein Rezept für den exquisiten Konzertsaal zu geben: Man nehme einen zentral gelegenen Ort und suche sich begüterte Sponsoren, die idealerweise von einer gebefreudigen Kommune unterstützt werden. Die Akustik vertraue man versierten Architekten und kundigen Ingenieuren an, die nicht zu stolz sind, sich an den bekannten Referenzsälen zu orientieren.

So viel also zur Theorie. Wie jene in die Praxis umgesetzt werden kann, zeigt sich eindrücklich am Beispiel der Philharmonie Essen, mit der das Ruhrgebiet über ein Konzertgebäude verfügt, das kaum einen Vergleich zu scheuen braucht.

Das lässt sich erst seit dem Jahr 2004 behaupten. Damals endeten die Renovierungs-Maßnahmen, mit denen innerhalb des alten Saalbaus der Alfried Krupp Saal erschaffen wurde. Gut 1900 Plätze und ein Zuschnitt wie aus dem Lehrbuch lassen keine Skepsis an dessen Tauglichkeit aufkommen.

Philharmonie Essen

© Sven Lorenz, Frank Vinken

Im Sommer können sich die Gäste in den Anlagen um die Philharmonie von schweren Opernwerken ein wenig erholen. Drinnen im historischen Saalbau aus dem Jahr 1904 entstand ein zeitgemäßer Rechteckraum mit ansteigendem Parkett und drei umlaufenden Rängen.

Zusätzlicher Respekt entsteht dadurch, dass sich der gesamte Parkettbereich auf Foyerhöhe anheben lässt. So gerät die Verwandlung in eine veritable Tanzfläche zur Kleinigkeit. Eine solche benötigt man beispielsweise für den Philharmonischen Ball, der einmal im Jahr begangen wird. An diesem Abend liegt der Fokus nicht auf aural empfangenen Schwingungen - sonst aber durchaus, was den Verantwortlichen nur recht sein kann. Denn ganz gleich, was aus dem musischen Füllhorn strömt - die Wände des Alfried Krupp Saals werfen es mit sagenhafter Brillanz zurück.

Dies ist freilich auch der Decke und einem geschickt platzierten Reflektor geschuldet. Nostalgiker mögen jene Schallsegel grundsätzlich als störend empfinden, bei Technikbegeisterten lösen sie ein wissendes Lächeln aus. Im Alfried Krupp Saal dürften beide Fraktionen zufrieden sein, da man hier den Reflektor dezent ins Raumgefüge integriert hat.

Das kreisförmige Holzelement könnte glatt als Halterung für die Bühnenbeleuchtung durchgehen. Ohnehin überzeugt die Innenästhetik durch aufgeräumte Schlichtheit, die eine harmonische Wirkung entfaltet.

Jene Eigenschaft kommt auch der Orgel zu, die über der Bühne thront und vom Schweizer Hersteller Kuhn stammt. An ihr gebietet der Organist über 4502 Pfeifen, die 62 Registern zugeordnet sind. Zuständig für das Tasteninstrument ist Roland Maria Stangier, langjähriger Professor für Orgel und Improvisation. Gefragt nach seiner Einschätzung, schwärmt er: "Es gibt viele Säle, in denen die Orgeln wesentlich größer sind, aber keine hat mich und diverse Gäste ansatzweise so überzeugt wie diese."

Im Vordergrund des Konzertbetriebs stehen jedoch meist gewaltige humane Klangkörper wie das London Philharmonic Orchestra, die Berliner Philharmoniker oder die besten Orchester der USA. Sie beehrten allesamt schon die Essener Philharmonie. Den Glanz, der hieraus resultiert, wird das Bauwerk langfristig wohl benötigen, da mit dem Konzerthaus Dortmund und der Mercatorhalle Duisburg sowie den geplanten Sälen in Bochum und Aachen beachtliche regionale Konkurrenz sich formiert.

Allerdings stehen die Dinge für die Essener nicht schlecht. Denn wie in der Küche gilt auch im Musik- und Kulturbetrieb die Devise, dass ein Erfolgsrezept über die Jahre hinweg kaum seinen Reiz verliert.

Erbaut: 1901 bis 1904,  2004 umfassend renoviert

Architekten: Skjold Neckelmann, Carl Nordmann; Busmann + Haberer (Renovierung)

Akustik: Müller-BBM

Besucher: ca. 200000/Jahr

Nachhallzeit: besetzter Saal: 1,8 Sekunden, unbesetzter Saal: 2 Sekunden

Highlight: die Kuhn-Orgel

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