Ratgeber

Plug-and-Play-Navis im Crashtest

Achtung: unbemannte Flugobjekte im Auto. Werden portable Navigationssysteme nicht richtig befestigt, können sie sich in schwere Geschosse verwandeln, sobald es auf der Straße kracht. connect zeigt Ihnen, worauf es bei der Befestigung ankommt.

  1. Plug-and-Play-Navis im Crashtest
  2. Darauf müssen Sie achten
  3. Herstellerlinks
  4. Testparcours
Plug-and-Play-Navis im Crashtest

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Plug-and-Play-Navis im Crashtest

Autofahrer unter schwerem Beschuss. Verantwortlich sind allerdings nicht hinterhältige Gangster, sondern die Fahrzeug-lenker selbst. Denn Fahrzeuginnenräume werden bei Unfällen vermehrt zu Gefahrenzonen, weil den Insassen Handys und Navigationssysteme um die Ohren fliegen. Laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) gingen allein im letzten Jahr etwa 1,6 Millionen der mobilen Wegweiser über die Ladentheken. Tendenz steigend. Doch im Gegensatz zu fest eingebauten Navigationssystemen zeigen mobile Varianten ihren Besitzern nicht nur, wo's lang geht, sondern entwi-ckeln manchmal auch eine unerwünschte Eigendynamik. Grund: Falsche Befestigungen oder zu schwache Halterungen. Bei Unfällen rächt sich das. Für Autohändler natürlich ein willkommenes Argument, denn sie verkaufen ihre Neuwagen sowieso lieber mit teuren, werkseitig installierten Systemen. Dauerhaft eingebaute Geräte - egal ob ab Werk installiert oder nachgerüstet - haben einen großen Vorteil: Bei Unfällen sind sie risikofrei und verharren normalerweise auch bei heftigsten Kollisionen sicher im Armaturenbrett. Ab Werk eingebaute Navis sind zudem nicht nur sicher verschraubt, sondern müssen etliche Anforderungen erfüllen, bevor sie einen Platz im Cockpit beziehen dürfen. Materialprüfung, Crashverhalten, Verletzungsgefahren - alles wird gecheckt. Bei portablen Produkten läuft dies etwas anders.

Sicherheitstests sind nicht vorgeschrieben

Naviflash-Halterung

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Der Naviflash-Klebefuß erfüllt sogar die Volkswagen-Sicherheitsanforderungen.

Deutschland und die EU regeln zwar etliche Dinge mit Gesetzen und Verordnungen, etwa Größe, Form und Güte von Bananen. Mit Regelungen zur Sicherheit von mobilen Systemen im Auto sind die Behörden leider nicht so flott. Für Plug-and-play-Geräte in Fahrzeuginnenräumen sind weder Crash- noch Sicherheitstests verbindlich vorgeschrieben. Hersteller dürfen ihre Navis und Halterungssysteme anbieten, wie sie Lust und Laune haben. Ob rund oder eckig, groß oder klein, schwer oder leicht, sicher oder unsicher spielt keine Rolle. Markenhersteller wie VDO Dayton, Naviflash oder HarmanBecker setzen daher auf eigene Tests oder auf Prüfungen bei den Zulieferern. Das macht Sinn, denn mit zunehmender Popularität und Verbreitung mobiler Navis kommen auch unzählige Befestigungsvarianten auf den Markt: Saugnäpfe, verschraubte Halterungen, Universalhalterungen, Klemmbefes- tigungen, Schwanenhälse, Klebefüße und seit kurzem auch integrierte Halterungen. Nicht alle halten aber tatsächlich so sicher wie die Hersteller versprechen. Renommierte Anbieter von Halterungssystemen wie Herbert Richter aus Pforzheim oder Brodit testen ihre Produkte dagegen auf Herz und Nieren. Erfüllen Befestigungskomponenten nicht die festgelegten Sicherheitsanforderungen der Markenhersteller, bekommen sie von deren Produktmanagern keine Freigabe. Billiganbieter verzichten aus Kostengründen gerne auf solche aufwendigen Prüfungen. Ihre Navigationssysteme, oftmals beim Discounter zu finden, verlassen die Verkaufsräume regelmäßig ohne Sicherheits-Check. Wenn's kracht, bekommen die Fahrzeuginsassen den Preisvorteil hautnah zu spüren.

Dies ist vermutlich einer der Gründe, warum Autohändler ihren Kunden normalerweise keine Plug-and-play-Geräte installieren. Im Falle eines Unfalls könnten sich Verkäufer schnell mit Schadensersatzforderungen konfrontiert sehen.  Als etwa im vergangenen Jahr ein großer Automobilhersteller Neuwagenkäufer mit einem zusätzlich geschenkten Navi-Porti köderte, lag das Gerät bei Fahrzeugübergabe original verpackt im Kofferraum. Haftung für eventuelle Bedienungs- und Befestigungsfehler ausgeschlossen.

Vor- und Nachteil: Mobilität

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Fest eingebautes Radio und mobiles Navigationssystem - eine neue Kombination von TomTom und Fujitsu-TEN.

Der größte Vorteil mobiler Navigationssysteme ist im Kollisionsfall auch ihr größter Nachteil: die Mobilität. Was sich schnell befestigen lässt, löst sich unter widrigen Umständen bisweilen genauso schnell. Besitzer mobiler Navis kennen die Situation. Gerade montiert man das Gerät via Saugnapf oder Klemmbefestigung, schon fällt es wieder runter. Oft hat dies aber nichts mit der Qualität der Halterung zu tun, sondern nur mit der falschen Befestigung. Ist die Halterung nicht richtig angebracht, wird sie genauso schnell zum Flugobjekt wie ein Produkt minderer Qualität. Crashtests mit mobilen Navigationssystemen, durchgeführt von ADAC und DEKRA, bestätigen dies. Die größte Gefahr, so Arnulf Thiemel von der ADAC Fahrzeugtechnik, ist dabei die Richtungsänderung des Fahrzeugs - und die tritt bei der überwiegenden Anzahl von Unfällen ein. Typische Situation: die Missachtung der Vorfahrt. Fahrzeuge treffen seitlich aufeinander und beginnen sich zu drehen. Selbst bei Auffahrunfällen gibt's oft unerwünschte Richtungswechsel. Sobald sich ein Auto dreht, steigt aber die Gefahr von umherfliegenden Navisystemen erheblich. Durch die Kreisbewegung wirken die Kräfte vor allem seitlich auf Navi und Befestigung. Bei schweren Geräten und abstehenden Halterungen ergibt sich daraus eine ziemlich starke Hebelwirkung. Ergebnis: Die elektronischen Wegweiser fliegen im Trennungsfall nicht mehr nur in Richtung Armaturenbrett, Fahrzeugboden oder Windschutzscheibe, sondern bewegen sich unkontrolliert wie Billardkugeln durchs Auto, so der ADAC-Experte. Dies gilt für alle Halterungstypen gleichermaßen. Verringern lässt sich dieses Risiko nur durch die richtige und sorgfältige Anbringung stabiler Halterungen.

Entscheidend ist dies vor allem bei Saugnapfsystemen. Hier gibt's bei der Anbringung an der Scheibe einiges zu beachten, nicht umsonst füllt die Montageanleitung vom Halterungsspezialist Herbert Richter eine ganze Seite. Vor allem die Position, die Säuberung der Scheibe und die richtige Temperatur spielen wichtige Rollen für eine zuverlässige Haftung. Aber auch alle anderen Halterungsvarianten erfordern größtmögliche Sorgfalt beim Montieren.

Allerdings ist die unzureichende Befestigung der Halterung nur eines der Risiken. So löste sich bei einem vom ADAC durchgeführten Heckcrash nicht der Saugnapf von der Scheibe, sondern das Navigations-Handy aus der Halterung. Resultat: Freiflug durchs Fahrzeug und akute Verletzungsgefahr für die Insassen. Ähnliche Situation bei einem kürzlich durchgeführten Crash-Test im DEKRA Technology Center Klettwitz in Brandenburg. Auch hier startete ein Handy Flugversuche, während der Saugnapf samt Halterung stabil Kontakt zur Scheibe hielt. Nach Aussagen der DEKRA-Tester kann es vor allem bei der Bedienung der Halterungen zu Problemen kommen. Zum Teil müssen Handy- und Navi-Halter über zwei Stufen einrasten. Das klappt nicht immer zuverlässig und führt zu Fehlmontagen, sodass sich die Geräte bei Unfällen unerlaubt ausklinken können.

Gefährliche Halterungen vom Wühltisch

Spezifische Halterung

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Spezifische Lösungen für einzelne Fahrzeuge. Hier: Ablageschale mit integrierter Halterung für den Polo.

Insbesondere Halterungen mit einfachen Klemmvorrichtungen für Handys und Navi-Portis bergen großes Gefahrenpotenzial. Werden die Geräte ohne Verriegelung lediglich zwischen zwei Haltebacken gezwängt, sieht das optisch vielleicht schön aus, bei einem Unfall ist der Flug durchs Auto aber geradezu vorprogrammiert. Besonders groß ist diese Gefahr bei Halterungen vom Wühltisch. Die Sicherung der mobilen Komponenten übernehmen bei den Billigheimern zum Teil nur Schaumstoffbacken. Keine sehr vertrauenswürdige Variante. Geräte- und fahrzeugspezifische Befestigungen sind günstigen und wackeligen Alternativen daher immer vorzuziehen. Der ADAC empfiehlt, offensichtlich labile Halterungen im Zweifelsfall mit den Original-Lösungen zu vergleichen. Oder noch besser: Gleich ganz auf sie zu verzichten. Ähnliches gilt für Klemmvorrichtungen an den Lüftungsöffnungen. Hier verbergen sich sogar zwei potenzielle Gefahrenquellen. Einerseits können sich einfach aufgesteckte Halterungen bei Kollisionen leicht lösen, andererseits kann sich zwar die Navihalterung stabil festkrallen, dafür verabschieden sich bei einem Unfall aber die Lüftungslamellen aus ihrer Verankerung. Das Ergebnis bleibt dasselbe: ein fliegendes Navigationssystem im Innenraum. Die Anbringung an den Lüftungsöffnungen ist grundsätzlich  mit besonderer Vorsicht zu genießen. Vor allem die Montage schwerer Displays wird hier schnell zum Risiko. Schwache Halterungen oder Lüftungslamellen halten den enormen Beschleunigungskräften bei Unfällen kaum stand. Ausnahme: verschraubbare oder besonders gesicherte Befestigungssysteme, die unsichtbar, aber fest mit dem Auto verbunden sind. Manche Navi-Anbieter, beispielsweise VDO Dayton, bieten solche Befestigungen gleich als Zubehör für ihre mobilen Navigationssysteme an. Aufmerksamkeit bei der Montage verdienen auch geklebte Halterungen. Ihr Haftungsvermögen hängt von zahlreichen Aspekten ab: Kleber, Untergrund, Sauberkeit, Temperatur, Befestigungsposition, Auflagefläche und Größe der Halterung. Je nach Anbieter müssen die Kleber zudem noch bis zu acht Stunden aushärten.

Generell gilt: Navisysteme sollten nicht zu groß oder zu schwer für die Halterung sein. Dies betrifft insbesondere Universalhalterungen, die aus unterschiedlichen Komponenten zusammengesteckt werden. Produkte, die Handy oder Navi fest in der Halterung verriegeln, sind günstigen Klemmvorrichtungen auf jeden Fall vorzuziehen. Selbst das feit aber nicht hundertprozentig vor umherfliegenden Geräten. Werden Navigationssysteme nicht ordnungsgemäß eingesetzt, hilft natürlich auch die beste Halterung nichts. Das intensive Studium der Montageanleitung schützt hier durchaus vor möglichen Verletzungen.

Richtige Montage am richtigen Platz

Klappmonitor

© GPStar passt seine Navi perfekt an den Fahrzeuginnenraum an.

Und es lauern weitere Gefahren. Die meisten Navigationshersteller weisen zwar eindringlich darauf hin, es nicht zu tun, trotzdem befestigen Autofahrer ihre mobilen Straßenscouts immer wieder im Aufblasbereich der Airbags. Das beeinträchtigt nicht nur deren lebensrettende Wirkung. Von den schnell aufgeblasenen Luftsäcken extrem beschleunigt, werden selbst kleine Geräte zu unkalkulierbaren Geschossen und können schwerste Kopfverletzungen verursachen. Wer ganz sicher gehen will, dass seine Navi ihm bei einem Unfall nicht um die Ohren fliegt, greift daher zu einer dieser beiden Alternativen: integriertes System oder Festeinbau. Wird das Navigationssystem sowieso immer im selben Wagen genutzt, kann man wahrscheinlich auf ein portables System verzichten. Mit Radionavis fährt es sich ebenso sicher und zuverlässig. Zweite Möglichkeit: integrierte Systeme. Hier bleibt das Navi zwar mobil, die Basis ist aber fest eingebaut. In beiden Varianten sind Fahrer nicht durch fliegende Systeme gefährdet.

Verschiedene Haltersysteme sehen Sie unten in der Bildergalerie.

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