Handy-Fotografie mit RAW-Dateien

RAW-Fotos auf dem Smartphone

RAW-Fotografie auf dem Android-Smartphone: Optik und Bildsensoren von Smartphones werden immer besser - und neuerdings arbeiten Profis sogar bei Handybildern mit den Kamera-Rohdaten. Denn unter Android lassen sich Fotos im RAW-Format speichern.

Aufmacher HTC One A9 Lifestyle

© Weka/ Archiv

Smartphones ersetzen heute nicht nur den Taschenkalender, sondern auch die Kamera.

Wer professionell aussehende Bilder fotografieren will, muss nicht zwingend zu einer großen und teuren digitalen Spiegelreflex-Kamera greifen. Nicht von ungefähr wurde eines der Siegerfotos beim World Press Award 2015 mit einem iPhone geschossen. Und auch Sonys World Photography Award hat 2015 eine neue Kategorie eingeführt, den Mobile Phone Award. Die Veranstalter begründen die Notwendigkeit dieser Kategorie unter anderem mit der Tatsache, dass es heute mehr Mobiltelefone als Menschen auf der Welt gibt - und dass immer mehr qualitativ hochwertige Bilder mit Smartphones gemacht werden.

Mehr als nur Schnappschüsse mit dem Android-Phone

Und tatsächlich sind die Kameras heutiger Smartphones deutlich besser geworden und liefern ohnehin recht gute Bilder in hoher Auflösung. Darüber hinaus bieten gerade die Premium-Geräte beispielsweise von HTC, LG, Samsung oder Sony viele Möglichkeiten, mit denen die Bildqualität beeinflusst werden kann. Mit den richtigen Einstellungen, die meist im Profi-Modus verborgen sind, können Fotografen also gezielt steuern, was und wie sie aufnehmen wollen. So können ambitionierte Fotokünstler zum Beispiel die ISO-Werte verändern oder die Belichtungszeit und die Blende manuell einstellen.

Aber ungeachtet der Tatsache, dass Smartphone-Knipser schon einen gewissen Einfluss auf die Qualität ihrer Fotos haben, läuft im Hintergrund, beim Speichern des Bildes (im JPEG-Format), unbemerkt ein undurchschaubarer Prozess ab. Das Bild, das auf dem Kamerasensor ankommt, wird optimiert. So wird unter anderem ein automatischer Weißabgleich durchgeführt, mögliches Bildrauschen wird unterdrückt, Farben und Kontraste werden verstärkt. Da eine Software die Veränderungen durchgeführt hat, kommt es durchaus vor, dass Farbfehler entstehen. So haben gerade Bilder von Smartphones häufig einen Farbstich oder zeigen zu flaue respektive zu kräftige Farben an.

Mehr Möglichkeiten mit dem digitalen Negativbild

Der Fotograf hat dabei keinen Einfluss auf das Resultat. Wer aber auch nach einem Schnappschuss noch die volle Kontrolle über seine Bilder behalten will, sollte seine Smartphone-Fotos am besten gleich im RAW-Format speichern, das auch viele Profifotografen verwenden. Bei diesem Speicherformat werden nämlich die Informationen des Kamerasensors quasi ohne Qualitätsverlust gesichert; sie werden sozusagen roh (engl. raw), zusammen mit Exif-Daten (Infos über das Datum, die Blendenöffnung oder Belichtungszeit) abgelegt.

RAW Aufnahmen Kennzeichnung

© Weka/ Archiv

RAW-Bilder werden mit einer Kennzeichnung auf dem Display angezeigt.

Im Unterschied zu JPEG-Bildern werden RAW-Fotos beim Speichern allerdings weder komprimiert noch bearbeitet. Das hat zur Folge, dass die Dateien recht groß sind und viel Platz beanspruchen. Da moderne Smartphones aber meist ohnehin über einen großen Hauptspeicher verfügen oder sich dieser über eine Micro-SD-Karte erweitern lässt, sollte der Speicherbedarf kein Hindernis für ambitionierte Knipser sein.

Ein echtes Problem hingegen ist, dass es bei den meisten Smartphones erst gar nicht möglich ist, Bilder anders als im JPEG-Format zu sichern. Geändert hat sich das erst mit der Android-Version 5.0 (Lollipop).

Bilder im RAW-Format mit ausgewählten Smartphones

Seit dieser Betriebssystemversion hat Google die Unterstützung von RAW implementiert, sodass es prinzipiell möglich ist, mit einem solchen Android-Phone Bilder als digitales Negativ zu speichern. Dabei werden die Kamera- Rohdaten als DNG-Bild gesichert. Die Abkürzung steht für Digital Negative - ein Format, das der Bildbearbeitungsspezialist Adobe entwickelt hat. Außer den Bildinformationen werden Metadaten (Aufnahmezeit oder -ort, Blende, Belichtung etc.) sowie ein Vorschaubild im JPEG-Format gesichert. Die Dateien beanspruchen daher relativ viel Speicher. Während zum Beispiel eine Aufnahme mit der 13,1-Megapixel-Kamera des HTC One A9 im JPEG-Modus gerade mal 3,5 MB groß ist, bringt es das gleiche Foto als DNG-Bild auf stolze 25 MB.

Der Vorteil des DNG-Formats gegenüber proprietären RAW-Dateien (wie sie einige Kamerahersteller nutzen) ist aber, dass die unterschiedlichsten Betriebssysteme dieses Format ebenso interpretieren können wie auch die verschiedenen Bildbearbeitungen. Bei einigen proprietären RAW-Bildern wird ein eigener Konverter oder Viewer benötigt, um die Bilder weiterzubearbeiten. Je nachdem, welches Fotoprogramm für die Verwaltung und Bearbeitung des digitalen Negativs herangezogen wird, bietet das Programm gleich beim Öffnen der Datei die passenden Foto-Tools an.

RAW-Dateien

© Weka/ Archiv

RAW-Dateien sind wesentlich größer als die gleichen Aufnahmen im JPEG-Format.

Das richtige Format am Android-Gerät einstellen

Dennoch hat sich das digitale Negativ bei den Smartphone-Herstellern noch nicht so ganz durchgesetzt. RAW-Bilder speichern ist mit Geräten wie Google Nexus (5 und 5X sowie 6 und 6P) ebenso möglich wie mit dem Samsung Galaxy S6 Edge und Edge Plus. Und neuerdings kann auch das One A9 von HTC Fotos als DNG-Datei ablegen.

Läuft ein Mobiltelefon eines anderen Herstellers mit dem Betriebssystem Android 5.0 oder höher, eröffnen verschiedene Apps die Möglichkeit, Fotos im RAW-Format zu speichern. Dazu zählt unter anderem die App Camera FV-5. Mit der Anwendung sind verschiedene Kamerafunktionen zugänglich, darunter auch HDR-Aufnahmen und RAW-Fotografien. Dabei erinnert die Kameraoberfläche auf dem Bildschirm an die Anzeige einer Spiegelreflex-Kamera, sodass sich beispielsweise die Belichtung oder Blende über das Display des Smartphones einstellen lassen.

Aber selbst wenn die RAW-Funktion auf dem Mobilgerät verfügbar ist, kann es mitunter schwierig sein, sie aufzufinden. So muss sich der Hobbyfotograf durch verschiedene Untermenüs der Kamera wühlen, um sie zu aktivieren. Beim HTC One A9 verbirgt sich diese Funktion im Profi-Modus der Kamera. Dort wird dann einfach mit einem Fingertippen das entsprechende Speicherformat eingestellt. Die RAW-Bilder werden im Album sichtbar und können am Display des Smartphones betrachtet werden. Sie sind mit dem Symbol "RAW" gekennzeichnet. Beim Öffnen eines RAW-Bildes stehen dem Hobbyfotografen andere Möglichkeiten der Bearbeitung zur Verfügung, als das bei JPEG-Bildern der Fall ist.

RAW Bild
Fotos unkomprimiert speichern unter Android

Nur mit der richtigen Android-Einstellung lassen sich Fotos als unkomprimiertes digitales Negativ speichern.

Bei HTCs One A9 beispielsweise lässt sich eine automatisch ablaufende RAW-Optimierung durchführen. Die Möglichkeiten eines digitalen Negativs werden dadurch nicht ausgeschöpft, da sich die Parameter wie Helligkeit oder Farbtemperatur nicht beeinflussen lassen.

Fotos nachbearbeiten

Für die Nachbearbeitung der digitalen Negative gibt es ebenfalls verschiedene Apps. Zum Einstellen der richtigen Farbtemperatur oder zum Aufhellen von dunklen Bildbereichen reichen ein paar Fingergesten. Die meisten Einstellungen lassen sich bequem per Schieberegler verändern. Empfehlenswert sind Apps wie Adobe Lightroom oder die neue Version 2.1 von Snapseed, der kostenlosen Google- Bildbearbeitungs-App, die nun ebenfalls das RAW-Format beherrscht. Spezielle RAWFunktionen finden sich in Snapseed jedoch nicht - bis auf die Möglichkeit, eben DNGDateien zu öffnen.

Sinnvoller ist es, RAW-Fotos ohne weitere Manipulation vom Smartphone auf den heimischen Computer zu übertragen (am schnellsten über USB-Kabel), um die Nachbearbeitung, also das Entwickeln des Fotos, dort vorzunehmen. Dafür stehen Programme wie Photoshop oder Lightroom ebenso zur Verfügung wie kostenlose Tools, etwa Gimp oder Raw Therapee. Wie bei kommerziellen Anwendungen stehen bei diesen Programmen viele Werkzeuge für die Fotobearbeitung zur Verfügung. Und gerade bei Raw Therapee sind Korrekturen von Farben, Kontrast oder Belichtung ebenso einfach möglich (meist über Schieberegler) wie das Entfernen von Bildrauschen. Und aus Smartphone-Bildern gelingen so im Handumdrehen echte Kunstwerke, die das Zeug haben, beim Fotowettbewerb weit vorn zu liegen.

Adobe Lightroom Mobile

© Weka/ Archiv

Auch mit Adobe Lightroom mobile lassen sich RAW-Fotos bearbeiten.

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