Strom

Report: Wie gefährlich ist Netzklirr tatsächlich?

Ohne Strom gäbe es kein HiFi. Aber Strom ist nicht gleich Strom. AUDIO prüfte im Blindtest, ob sich seine Qualität auch klanglich auswirkt.

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Wollt Ihr unsere Geräte etwa mit diesem Strom anhören?" Solche Fragen werden der AUDIO-Redaktion immer öfter gestellt, meist mit einem zwischen Mitleid und Entsetzen schwankenden Unterton. Nun ist es nicht etwa so, dass die Redakteure versuchen, ihre Hörtests an alten Armee-Stromaggregaten oder einer schwarz angezapften 600-Volt-Straßenbahnleitung durchzuziehen. Was im Hörraum aus der Bodensteckdose kommt, ist gewöhnlicher 230-Volt-Wechselstrom wie in jedem deutschen Haushalt auch - dank eigenem Leitungszweig und Schmelzsicherungen sogar etwas besser.

Schreckgespenst Strom

Aber das reicht vielen nicht mehr aus. Eine unter High Endern fast mehrheitsfähige Meinung ist die, dass gewöhnlicher Strom ohne zusätzliche Reinigungsmaßnahmen den anspruchsvollen Musikgenuss stört, wenn nicht gar unmöglich macht. Es leuchtet ja auch irgendwie ein: Schickt man Müll übers Netzkabel zum Beispiel in einen Verstärker hinein, muss ein gewisser Prozentsatz dieses Mülls hinten wieder herauskommen - als Verunreinigung des Musiksignals, für dessen Erzeugung und Verstärkung man so viel Geld investiert hat. Warum also nicht noch ein bisschen drauflegen, um der Anlage elektrisch optimale Bedingungen zu schaffen? Spezielle Netzaufbereiter sind momentan en vogue wie nie zuvor. Im Gegensatz zu den klassischen, passiven Netzfiltern, die lediglich Hochfrequenz-Parasiten aus den Netzwellen kämmen können, haben die aktiven Netzaufbereiter einen neu entdeckten Feind im Visier: den sogenannten Netzklirr, also mehroder weniger harmonische Oberwellen, die recht nah an der eigentlichen 50-Hertz-Grundwelle sitzen.

Netzklirr ist kaum zu vermeiden und schwer zu beseitigen: Jedes Netzteil mit Gleichrichter gibt sein eigenes Oberwellen-Profil ins Netz zurück. Mit zig Netzteilen, die in jedem Haushalt kontinuierlich am Strom saugen, ergibt sich ein breites, dichtes Störspektrum oberhalb der 50-Hertz-Grundwelle. Zwei bis drei Prozent dessen, was aus der Dose kommt, sind Oberwellen, die je nach Zusammensetzung den 50-Hertz-Sinus unnatürlich anspitzen, abflachen oder aufrauen können.

Entfernen lässt sich der Ballast nur mühsam. Die einzige halbwegs wirtschaftliche Methode (eine gänzlich unwirtschaftliche lernen wir später kennen) besteht darin, die Netzspannung mit einem reinen Referenz-Sinus zu vergleichen und die Differenz mit umgekehrter Phase dem Original-Netz hinzuzuaddieren. Diese Kompensationsmethode verwendet zum Beispiel Accuphase im PS-1210.

Dass solche Netzaufbereiter den Klirr deutlich verringern, lässt sich nachmessen. Ob gute HiFi-Geräte den supercleanen Strom aber wirklich nötig haben, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Die einen argumentieren ganz zu Recht, dass das Netzteil in einem Verstärker oder CD-Player ja gerade die Aufgabe hat, Wechselspannung in Gleichspannung umzuformen und jegliche Unruhe, egal welcher Frequenz, aus den nachfolgenden Schaltungen fernzuhalten. Und dass eventuelle Wechselspannungs-Reste spätestens in den Sieb-Elkos so wirksam dezimiert werden, dass stromabwärts davon bestenfalls homöopathische Konzentrationen übrig bleiben. Die andere Fraktion führt - ebenfalls zu Recht - an, dass es dumm wäre, etwas von der Hand zu weisen, ohne es vorher empirisch im eigenen Hörraum überprüft zu haben.

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